Größtes Kreuzfahrtschiff der Welt Vogelgezwitscher auf der "Symphony of the Seas"

Erneut hat die US-Reederei Royal Caribbean ein Rekordschiff in Betrieb genommen. Die "Symphony of the Seas" hat Platz für bis zu 6680 Urlauber. Ein Rundgang auf dem neuen größten Kreuzfahrtschiff der Welt.

Philipp Laage/dpa-tmn

Wenn man Michael Bayley fragt, warum die Kreuzfahrt so boomt und warum die Schiffe immer größer werden, dann gibt er eine knappe Antwort: "It's pretty good fun."

Es mache den Gästen einfach ziemlich viel Spaß, sagte der Präsident der Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean International (RCI) während einer Vorführfahrt der "Symphony of the Seas". Worum es auf dem neuen größten Kreuzfahrtschiff der Welt geht, beschreibt die Antwort ebenso treffend: Spaß für die ganze Familie.

Die "Symphony of the Seas" ist das vierte Kreuzfahrtschiff der sogenannten Oasis-Klasse von RCI und löst nun die vor zwei Jahren in Dienst gestellte "Harmony of the Seas" als Rekordhalter auf den Meeren ab. Beide Schiffe sind 362 Meter lang, aber der Neubau hat noch einmal eine größere Bruttoraumzahl. So kann die Reederei wieder einen neuen Superlativ ausrufen. 5518 Passagiere finden bei Doppelbelegung der 2759 Kabinen Platz, maximal sind es 6680.

Die Schwesterschiffe sind weitgehend baugleich, also finden sich die größten Attraktionen der "Harmony of the Seas" auch auf dem Nachfolger. Wie die "Ultimate Abyss": Die mit knapp 46 Metern längste Rutsche auf See zieht sich mit zwei Röhren über zehn Decks. Dazu sollen Surfsimulator, Eislaufbahn, Zipline, Kletterwände und Showbühnen für Zerstreuung und Entertainment sorgen.

Ultimate-Abyss-Rutsche
Royal Caribbean International/dpa-tmn

Ultimate-Abyss-Rutsche

Möglichst große Kreuzfahrtschiffe zu bauen, ist aus Sicht der Reedereien finanziell sinnvoll. Doch was bietet ein Schiff für mehr als 6000 Passagiere seinen Gästen, wozu ein kleineres Schiff nicht in der Lage ist? "Vielfalt", argumentiert Stuart Leven, bei RCI verantwortlich für den europäischen Markt. Dem Urlauber bieten sich schlicht mehr Optionen. Das Schiff als eigentliches Reiseziel - diese Einschätzung gilt definitiv für die "Symphony of the Seas".

Hauptsächlich mit Schweröl unterwegs

Trotz der enormen Dimensionen besteht wenig Gefahr, sich an Bord zu verlaufen. Die Wege sind lang, aber prägen sich schnell ein. Das liegt auch am Central Park auf Deck 8: Die Zweiteilung des Schiffes durch den Freiluftbereich im Innern erleichtert die Orientierung. Das Außenareal mit Restaurants, Shops, Pflanzen und Vogelgezwitscher aus Lautsprechern ist eine von sieben öffentlichen Erlebniswelten. Insgesamt hat der Urlauber wieder die Wahl zwischen gut 20 Restaurants und Bistros. Erneut dabei ist die Bionic Bar, in der Roboter auf Kundenwunsch Cocktails mixen.

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"Symphony of the Seas": Rundgang auf dem Rekordschiff

Als Neuigkeit präsentiert TCI die über zwei Decks verlaufende Ultimate Family Suite: 125 Quadratmeter Fläche, zwei Schlafzimmer für acht Personen, Legowand, Airhockey-Tisch - und eine Rutsche vom Schlaf- in den Wohnbereich. Außen gibt es hier einen Whirlpool und ein Klettergerüst. Diese Suite-Variante gibt es nur einmal an Bord.

Neu bei RCI ist der Check-in per Smartphone. Über eine App lädt der Passagier ein Porträtbild hoch, zu Beginn der Reise kann er im Terminal ohne weiteres Anstehen zur Sicherheitskontrolle und danach gleich zur Kabine gehen. Über die App können die Gäste auch Reservierungen in den Restaurants vornehmen und Ausflüge buchen.

Konventionell ist die Umwelttechnologie: Die "Symphony of the Seas" fährt hauptsächlich mit Schweröl. Die Abgase werden zwar an Bord durch Schwefelfilter behandelt. Doch erst die Schiffe der neuen Icon-Klasse sollen mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden, das den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen deutlich reduziert. Die zwei Neubauten sollen 2022 und 2024 ausgeliefert werden. Immerhin verbraucht die "Symphony of the Seas" laut Reederei 25 Prozent weniger als das namensgebende erste Schiff der Oasis-Klasse.

RCI ist mit dieser Baureihe nach eigener Aussage überaus zufrieden, ein fünftes Schiff wird 2021 an den Start gehen - und wieder minimal größer ausfallen als die "Symphony of the Seas". Der Trend zur Massenkreuzfahrt mit immer riesigeren Neubauten als schwimmende Hotels und Vergnügungsparks dürfte sich also eher noch verstärken, aller Kritik zum Trotz.

Unesco fordert nachhaltigen Tourismus und sauberere Schiffe

Vor den negativen Folgen durch Kreuzfahrttourismus auf Weltkulturerbestätten warnt die Unesco-Direktorin für Kulturerbe, Mechtild Rössler. "Es gibt Probleme mit der Umweltverschmutzung durch die Schiffe und mit Übertourismus", sagte sie der "Wirtschaftswoche". Die Branche investiere nicht genug in den Schutz des Weltkulturerbes. "Sie gefährdet die Orte, mit denen sie ihr Geld verdient."

Besonders in Venedig gilt die Situation als kritisch. "Dort können die Wellen der großen Schiffe Erosionen an den Gebäuden verursachen", sagte Rössler. Die Unesco diskutiere bereits darüber, die Stadt auf die schwarze Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten zu setzen.

Auch kleinere Städte wie das estnische Tallinn oder das kroatische Dubrovnik leiden demnach unter den Anstürmen von Kreuzfahrttouristen. "Diese historischen Städte können nicht so viele Touristen gleichzeitig aufnehmen", sagte die Unesco-Direktorin. Die Kreuzfahrtbranche solle mehr in nachhaltigen Tourismus investieren. "Die Industrie muss sich viel höhere Standards setzen", sagte Rössler. "Und der erste Schritt wäre, sauberere Schiffe zu entwickeln."

Die "Symphony of the Seas" wird nach ihrer Jungfernfahrt im April zunächst auf dem Mittelmeer unterwegs sein. Angelaufen werden bis Oktober 2018 neben den Ein- und Ausstiegshäfen Barcelona und Civitavecchia bei Rom auch Palma de Mallorca, Marseille, Neapel und La Spezia. Im Winter fährt das Schiff nach Miami und von dort aus in die Karibik.

Im Video: Unterwegs mit einem Luxusliner - Kreuzfahrt ins Glück

dpa/AFP/abl

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HH1960 03.04.2018
1. Lachen oder weinen?
Einerseits ist diese gigantische Bespaßungsmaschine völlig absurd und überfordert wie beschrieben viele Anlaufhäfen, andererseits richten die Massen auf dem Schiff weniger Schaden an als eine gleiche Anzahl, die mit dem Auto anreist und dann über kleine Städte herfällt. Für mich sieht Urlaub allerdings völlig anders aus.
ClausB 03.04.2018
2. Nun ja, Gigantomanie. Aber
jeder nach seinem Geschmack. Für mich wär`s nix. Kann mir einer eine 3wöchige Kreuzfahrt erster Klasse in der Karibik bezahlen, würd`s ablehnen. Kommt man sich da nicht vor wie in einem Riesenhotel mit Meerblick, oder so ? Von der dem Eindruck, dem Gefühl auf dem Meer zu sein hat man da doch nicht viel. Oder täusche ich mich ? Spürt man da was von Wind und Wetter und Wellen ? Kleines Kreuzfahrtschiff, 2 - 300 Passagiere: Steht auf unserer Urlaubsagenda für nächstes Jahr.
RalfBukowski 03.04.2018
3. Muss ja jeder selbst wissen...
...aber so ein Ding, wo man gar nicht so richtig merkt, dass man auf dem Meer ist... Bei einer Schiffsreise will ich es 'schiffig' haben, nicht wie in einen Hotel in Las Vegas. Also flache Decks, Schiffsbewegung, möglichst viel (Ober-)Deck und bei einem Stopp bitte gern mal Ausbooten in offenen Kuttern. 20 Restaurants, Kino, Revue oder Theater, Shoppingmeile und Bäume (mit Vögeln??) gehören für mich definitiv nicht dazu, das gibt's ja alles an Land.
lorn order 03.04.2018
4. Für mich ein Alptraum
Für mich ist das der Stahl gewordene Urlaubs-Alptraum. Diese riesigen monströs klobigen Kreuzfahrtriesen sind gigantisch, aber nach spätestens zwei Tagen hat man an Bord alles gesehen. Bei 6000 Passagieren an Bord ist von individueller Betreuung sowieso keine Rede. Wenn das Schiff irgendwo anlegt, müssen ca 100 Busse bereit stehen, um die Touristenarmee zu den Sehenswürdigkeiten zu fahren. Naja, wems gefällt, der soll so reisen, ich bevorzuge andere Formen des Tourismus.
bluebill 03.04.2018
5. Wer's braucht...
Es gibt sicher eine Zielgruppe für sauteuren Urlaub in solch einem schwimmenden Plattenbau. Aber ich selbst kenne niemanden, der sich das leisten könnte oder wollte. Die Älteren werden das kindgerecht-quietschbunte Ambiente nicht mögen, die jungen Familien haben meist weder Geld noch Zeit dafür.
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