Tauchkurse im Urlaub: Tarieren geht über Studieren
Bunte Fische, geheimnisvolle Wracks, traumhafte Korallengärten: Immer mehr Deutsche erliegen dem Reiz der Tiefe und machen im Urlaub einen Tauchkurs. Doch nicht jeder Anbieter ist eine gute Wahl, kürzlich kam es zu einem tödlichen Unfall auf Fehmarn - SPIEGEL ONLINE verrät, worauf Anfänger achten müssen.
Für den französischen Unterwasserpionier Jacques-Yves Cousteau war Tauchen der Besuch in einer "schweigenden Welt". Für Amerikaner gilt es wegen der gefühlten Schwerelosigkeit als "Raumfahrt des kleinen Mannes". Und auch in Deutschland wird der Tauchsport von Jahr zu Jahr populärer - rund 700.000 Menschen haben schon eine Ausbildung absolviert, die meisten im Urlaub.
Angenehme Wassertemperaturen, eine bunte Fischwelt und gute Sichtweiten lassen schon den Einsteigerkurs zum Erlebnis werden. Er dauert in der Regel vier bis fünf Tage und besteht aus einem Theorie- und Praxisteil. Die Ausrüstung kennenlernen, physikalische Gesetze, Atmen unter höherem Umgebungsdruck, das Tarieren im Wasser - "das sind die wichtigsten Grundlagen, die den Menschen zum Taucher machen", sagt Ausbildungsexperte und Buchautor Thomas Kromp. Generell sei Tauchen leicht zu erlernen.
Der Praxisteil beginnt mit Übungen im "begrenzten Wasser", das heißt, in einem Pool oder in flachen Buchten. Hier werden die wichtigsten Fähigkeiten trainiert: Wie fängt man einen aus dem Mund verlorenen Atemregler unter Wasser wieder ein? Wie bekommt man das Wasser wieder raus, wenn die Maske einmal volllaufen sollte? Und vor allem - wie gelingt es Tauchern, frei im Wasser zu schweben, in der Fachsprache "Tarieren" genannt? Anschließend folgen meist vier Tauchgänge im Freiwasser, bei denen die Übungen vertieft und um den Erlebnisfaktor bereichert werden. Alles, was jetzt noch fehlt, ist ein wenig Theorie.
Zwischen Theorie und Praxis
Gerade theoretische Inhalte schrecken viele Interessierte ab - dazu kommt der Lernstress, wenn die Tauchschule im Urlaub alle Inhalte in kurzer Zeit weitergeben muss. Die Ausbilder von Scuba Schools International (SSI) bieten darum ein kostenloses Online-Training für jedermann. Wer sich durch die sauber aufbereiteten Inhalte klickt und die Fragen beantwortet, reist gut vorbereitet und informiert an den Zielort und spart dort kostbare Urlaubszeit, die er sonst mit Büchern verbringen müsste. In der Tauchbasis selber muss der Absolvent nur noch die theoretische Prüfung ablegen. "Schließlich müssen wir ja sicher sein, dass das Wissen auch selber erworben wurde und nicht der befreundete Tauchlehrer den Test ausgefüllt hat", sagt SSI-Geschäftsführer Robert Stoß.
Die etablierten Ausbildungsorganisationen wollen dem Novizen den Einstieg so leicht wie möglich machen. Der Anfängerkurs beinhaltet nur die elementarsten Grundlagen des Tauchens, weitergehendes Wissen wird den Neulingen dann in darauf aufbauenden Fortbildungs- oder Sonderkursen (sogenannten "Specialties") vermittelt. Umso wichtiger erscheint es erfahrenen Tauchlehrern wie dem 56-jährigen Hans Schach, dass die Kurse in möglichst kleinen Gruppen durchgeführt werden, damit die Schüler die grundlegenden Fähigkeiten beherrschen. "Der eine hat Probleme mit der Tarierung, der andere mit dem Ausblasen der Maske. Bei zu großen Gruppen hat der Ausbilder keine Möglichkeit mehr, auf die individuellen Bedürfnisse der Einzelnen einzugehen." Vier Kursabsolventen pro Tauchlehrer - das ist für Schach die maximal zulässige Ratio.
Wer sich bei der Wahl der Tauschschule noch unsicher ist, dem empfiehlt der Stuttgarter, erst einmal einen "Schnuppertauchgang" zu absolvieren. Hierbei lernt man die Leute kennen, sieht, wie persönlich sie auf einen eingehen und "ob die zwischenmenschliche Chemie stimmt". Die Kosten hierfür werden zudem meist verrechnet, wenn der Interessent sich anschließend für einen kompletten Kurs entscheidet. Besonders wichtig: Bei Schnuppertauchgängen sollte ein Ausbilder nicht mehr als zwei Neulinge gleichzeitig betreuen.
Umweltschutz ist kein vorgeschriebener Lernstoff
Taucher bewegen sich bei der Ausübung ihres Sportes in einem äußerst empfindlichen Ökosystem, in dem schon geringe Fehler große Folgen haben können. So sind Korallen äußerst empfindliche Gebilde, die manchmal Jahre brauchen, um wenige Zentimeter zu wachsen - ein unbedachter Flossenschlag kann zerstören, was die Natur in Jahrzehnten aufgebaut hat.
"Leider ist der Umweltaspekt bei keinem Tauchverband ein zwingend vorgeschriebener Lerninhalt", sagt der Lübecker Tauchlehrer Jo Warner, der seit 17 Jahren ausbildet. "Selbst bei vielen erfahrenen Tauchlehrern ist meeresbiologisches Wissen oftmals kaum vorhanden - und kann somit auch den Schülern nicht vermittelt werden."
Für den Ausbildungsexperten Thomas Kromp bleibt Tauchen ein Hobby, das nur mit einer gehörigen Portion Eigenverantwortung betrieben werden sollte - vor allem in Bezug auf die eigene Sicherheit und auf die Folgen für die Umwelt. Wer dies jedoch bereits bei dem Kurs beherzigt, wird eine Welt entdecken, die ebenso wundersam wie fragil, ebenso beeindruckend wie skurril erscheint.
Checkliste - worauf Sie bei Tauchkursen achten sollten:
- 1. Teil: Tarieren geht über Studieren
- 2. Teil: Die eigene Gesundheit: Alles fit?
- 3. Teil: Wahl des Tauchcenters: Worauf achten?
- 4. Teil: Gruppengröße und Preis: Wie viel ist zu viel?
- 5. Teil: Eindruck vor Ort: Auf Nummer sicher
- 6. Teil: Ausrüstung: Was kaufen, was leihen?
- 7. Teil: Eigenverantwortung: Nur Mut!
- 8. Teil: Nach der Ausbildung: Dran bleiben!
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- Mittwoch, 21.07.2010 – 06:30 Uhr
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- Fotostrecke: In vier Tagen zum Meeresbewohner
- Tauchkurs-Testfragen SSI
- Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin
- Verband Deutscher Sporttaucher e.V.
- www.taucher.net
- Tauchorganisation Barakuda
- Professionell Association of Diving Instructors
- Scuba Schools International
für die Inhalte externer Internetseiten.
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