Taufe der "Queen Elizabeth" Schummelpackung mit Stil

Zum dritten Mal taufte eine britische Königin ein Kreuzfahrtschiff auf ihren Namen. Die "Queen Elizabeth" der Reederei Cunard will im Kielwasser ihrer berühmten Vorgängerinnen Erfolge feiern - obwohl sie anders ist als die älteren Ladys.

Cunard Line

Von , Southampton


Winston Churchill nuckelt auf Deck 2 an seiner gewohnt dicken Zigarre, Gregory Peck winkt im Treppenhaus vergnügt mit seinem Hut, und die junge Elizabeth Taylor präsentiert sich neben einem Blumenbouquet - die Promidichte auf der "Queen Elizabeth" ist atemberaubend hoch. Die Schwarzweißfotografien, die Flur-, Bar- und Restaurantwände des neuen Cunard-Kreuzfahrtschiffs pflastern und einige Vitrinen füllen, stammen aus den großen Zeiten seiner Namensvorgängerinnen: Am Montag wurde das schwimmende Geschichtsbuch als drittes Schiff der Reederei von einer britischen Königin auf ihren Namen getauft.

Bei Sonnenschein und 17 Grad Celsius ließ Queen Elizabeth II am Nachmittag eine Flasche Wein am Bug des neuen Kreuzfahrtschiffes zerschellen. Zuvor hatte Kapitän Chris Wells der in Türkisblau gekleideten Königin die Brücke des 294 Meter langen Schiffes gezeigt. Die Monarchin testete das Schiffshorn, was auch auf den Besuchertribünen am Kai nicht zu überhören war. Die Taufgäste zuckten erschreckt zusammen - und waren amüsiert.

Mit ihrem berühmten Namen tritt der Täufling ein großes Erbe an, denn die "Queen Elizabeth" (gebaut 1938) und die "Queen Elizabeth 2" (gebaut 1967) brachen Rekorde, schrieben Geschichte und fuhren sich durch ihre Transatlantikreisen in die Herzen von Hunderttausenden Reisenden und Kreuzfahrtfans. Als schnelle Truppentransporter waren beide im Kriegseinsatz - sowohl im Zweiten Weltkrieg für die überseeischen Alliierten als auch während des Falkland-Krieges im Südatlantik. Beide transportierten Hollywood- und Rockstars wie Paul Newman und Mick Jagger und Politiker wie Nelson Mandela.

Beiden blieb aber - bisher - ein verdienter Ruhestand verwehrt: Die originale "Queen Elizabeth" sollte in Hongkong als schwimmende Universität dienen, doch ein Feuer ließ die Veteranin 1972 im Hafen kentern. Der "Queen Elizabeth 2" steht noch eine Karriere als Hotelschiff vor Dubais künstlicher Palmeninsel bevor - doch seit zwei Jahren dümpelt sie im Rashid-Hafen, ausgebremst durch die Finanzkrise und zwischenzeitlich beinahe als Hotelschiff nach Kapstadt verchartert.

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"Queen Elizabeth": Britische Königin tauft Meereskönigin
Gerader Bug, kantiges Heck

Ihr Mythos aber, Synonym für luxuriöse Atlantik-Überquerungen und das Leben der Reichen und Berühmten, soll nun über den Namen das Geschäft mit dem neuen Schiff der Cunard-Flotte befeuern. Dabei helfen soll eben auch das Erscheinen der 84-jährigen Queen - in alter Tradition, denn bisher war sie bei jeder Taufe der "Queen Elizabeth"-Schiffe dabei. Die Zeremonie bei der ersten erlebte sie als Zwölfjährige mit ihrer Mutter, die zweite wurde von ihr selber getauft.

Doch die neue Schiffs-Queen ist eine Schummelpackung. Sie ist kein Transatlantikliner wie ihre Namensahninnen. Auch keine neue schnittige "Queen Mary 2", die gerade in Deutschland fast schon Kultstatus hat. Die rund ein Drittel kleinere "Queen Elizabeth" ist ein reines Kreuzfahrtschiff für bis zu 2068 Passagiere, äußerlich eine fast exakte Kopie der seit 2007 kreuzenden "Queen Victoria": mit einer geraden Buglinie, einem etwas eckigeren Heck und dem Cunard-typischen rot-schwarz-weißen Schiffskörper.

Die wahren "Queen"-Fans sind dennoch begierig, die Neue kennenzulernen: Schon vor eineinhalb Jahren waren die 1034 Kabinen für die Jungfernfahrt in exakt 29 Minuten und 14 Sekunden ausgebucht. Auch im Inneren erwartet sie viel Bekanntes von der im viktorianischen Stil designten "Queen Viktoria". Das Theater mit Logen und Logenservice ist bereits bekannt, zeigt sich nur diesmal in Blau-Gold. Im etwas größeren Wintergarten "Garden Lounge" lässt sich das Glasdach öffnen, Pools und Whirlpools sind über die Oberdecks verteilt. Und wer neben Magret-Ente und Bouillabaisse mal Fish & Chips frönen will, der kann sich im traditionell düsterem Golden Lion Pub auf dunkelgrünen Ledersofas niederlassen.

Dezent im Stil der zwanziger Jahre

Neben den Hunderten Fotos ist die neue Meereskönigin aber auch innenarchitektonisch mit vielen Reminiszenzen an Cunard-Queens vergangener Zeiten ausgestattet. Etwa die von der ersten "Queen Elizabeth" inspirierten Midships-Bar auf Deck 3, in der Memorabilien wie Bordtelefone, Tickets und Aschenbecher in Vitrinen präsentiert werden. Hier können die Gäste das Treiben in der pompösen Empfangslobby mit ihren geschwungenen Treppenläufen und dem riesigen Schiffsporträt beobachten. Namen wie der des Yacht Clubs auf Deck 10 und des Buffet-Restaurants Lido auf Deck 9 erinnern wiederum an die "Queen Elizabeth 2".

Im Gegensatz zur sehr gediegen gestylten "Queen Viktoria" haben sich die Gestalter der "Queen Elizabeth" aber auch wieder dem Stil der zwanziger Jahre wie bei früheren Linern angenähert - im Vergleich zur "Queen Mary 2" allerdings sehr dezent und ganz und gar nicht spielerisch. Da leuchten dann etwa bunte Bleiglasoberlichter im Ballsaal und Spiegelsäulen im Britannia Club auf, Wandmalereien und Schriftzüge sind im Art Déco-Stil gestaltet. Solche Details ersparen diesen Räumen die manchmal langweilige, sehr britische Atmosphäre der "Queen Victoria" - die nur einen kleinen Kreis unter den deutschen Cunard-Kunden ansprach, über 80 Prozent bevorzugten bisher die "Queen Mary 2".

Das dritte Schiff der Flotte soll der deutschen Cunard-Vertretung in Hamburg helfen, ihre Ziele zu erreichen: Im kommenden Jahr will sie die Gästezahl von rund 12.500 in 2010 um 50 Prozent erhöhen, wie die Marketingchefin Anja Tabarelli ankündigte. Bereits seit 2004 - mit der erfolgreichen Taufe der "Queen Mary 2" - hat sich der Umsatz verfünffacht, die Zahl der deutschsprachigen Passagiere vervierfacht.

111 Tage auf Weltreise

Deutsche, Österreicher und Schweizer machen damit einen Anteil unter den Cunard-Kreuzfahrern von zwölf Prozent aus und werden nach wie vor von den Briten (rund 48 Prozent) und US-Amerikanern (rund 29 Prozent) abgehängt. Dagegen sollen zwei Premieren wirken: Am 3. Juli 2011 wird die "Queen Elizabeth" eine Ostseefahrt von Hamburg aus starten und sich damit zum ersten Mal in Deutschland sehen lassen, 2012 steht eine 111-tägige Weltreise ab der Hansestadt an - zum ersten Mal in der Geschichte der Reederei.

Der neuen "Queen Elizabeth" ist erspart geblieben, was ihrer Vorgängerin passierte. Die bekam an ihrem Tauftag eine neue Bezeichnung verpasst: Ursprünglich sollte die "Queen Elizabeth 2" keine Zahl im Namen tragen, doch als die britische Königin 1967 die Taufe zelebrierte, sagte sie - wohl in alter Gewohnheit - "I name this ship Queen Elizabeth the Second". Diesem königlichen Diktat konnte sich die britische Reederei nicht widersetzen.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
brux 11.10.2010
1. Na ja
Wieso der Autor den Bug fuer gerade haelt, erschliesst sich wahrlich nicht. Und die Frage des Namens der alten QE2 sollte auch hinlaenglich geklaert sein: Die "2" zeigt an, dass es damals noch eine andere Queen Elisabeth gab. Es war mitnichten ein Hinweis auf die Taufpatin. Schoen waere es auch, wenn die Journaille erwaehnen wuerde, wer das Schiff gebaut hat. Die europaeischen Werftarbeiter, die so etwas zustande bringen, sind sicherlich groessere Persoenlichkeiten als all die reichen Passagiere.
herrwurlitzer 11.10.2010
2. Und...
...wer findet den Dudelsack auf Bild Nummer 18 ;-?
elcris 12.10.2010
3. schon richtig
Zitat von bruxWieso der Autor den Bug fuer gerade haelt, erschliesst sich wahrlich nicht. Und die Frage des Namens der alten QE2 sollte auch hinlaenglich geklaert sein: Die "2" zeigt an, dass es damals noch eine andere Queen Elisabeth gab. Es war mitnichten ein Hinweis auf die Taufpatin. Schoen waere es auch, wenn die Journaille erwaehnen wuerde, wer das Schiff gebaut hat. Die europaeischen Werftarbeiter, die so etwas zustande bringen, sind sicherlich groessere Persoenlichkeiten als all die reichen Passagiere.
Vergleiche die Buglinie - bei der QE2 und bei Queen Mary sind die in kühnem Bogen geschwungen, die neue Elizabeth hat den graden stumpfen Bug eines schwimmenden Kreuzfahrt-Containers. Auch sonst ist die neue Elizabeth ein eher trauriges Exemplar: während die QE2 eine Spitzengeschwindigkeit von 34 Knoten(69 km/h) hatte und mit einer Reisegeschwindigkeit von satten 28,5kn (immerhin 54 km/h) durch's Meer pflügte, kriecht die neue Elizabeth mit behäbigen 18 Knoten (33 km/h) durch den Ozean, und schafft selbst mit Vollgas grad mal auf 23,7 kn (44 km/h). "Mogelpackung" ist schon richtig.
ohmscher 12.10.2010
4. Ach ja
Zitat von sysopZum dritten Mal taufte die britische Königin ein Kreuzfahrtschiff auf ihren Namen. Die "Queen Elizabeth" der Reederei Cunard will im Kielwasser ihrer berühmten Vorgängerinnen Erfolge feiern - obwohl sie anders ist als die älteren Ladys. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,720447,00.html
Kann man diesen Satz nur verstehen, wenn man weiß, dass für den Anreißer eine bestimmte Buchstabenzahl vorgeschrieben ist? - Wenn das Schiff genauso wie die Vorgängerinnnen gewesen wäre, hätte der Satz sicher sehr vorwurfsvoll die mangelnde Innovation der Reederei kritisiert.
Andree Barthel 12.10.2010
5. *
Zitat von elcrisVergleiche die Buglinie - bei der QE2 und bei Queen Mary sind die in kühnem Bogen geschwungen, die neue Elizabeth hat den graden stumpfen Bug eines schwimmenden Kreuzfahrt-Containers. Auch sonst ist die neue Elizabeth ein eher trauriges Exemplar: während die QE2 eine Spitzengeschwindigkeit von 34 Knoten(69 km/h) hatte und mit einer Reisegeschwindigkeit von satten 28,5kn (immerhin 54 km/h) durch's Meer pflügte, kriecht die neue Elizabeth mit behäbigen 18 Knoten (33 km/h) durch den Ozean, und schafft selbst mit Vollgas grad mal auf 23,7 kn (44 km/h). "Mogelpackung" ist schon richtig.
Was nutzt mir eine kühn geschwungene Buglinien, wenn der Rest des Schiffes so aussieht, als hätte man einen riesengroßen Container auf den Schiffskörper gestellt? Die alte Queen war wohl das letzte Schiff, das noch im alten Stil, also ohne Aufbauten, die modernen Wolkenkratzern recht ähnlich sehen, gebaut wurde. An diese Tradition knüpft die neue an. Es scheint so auszusehen, als ob man als Passagiere auf ihr noch dem Wasser nah sein kann, was bei hohem Wellengang bedeutet, auf Deck ein paar Spritzer der Gischt ins Gesicht zu bekommen. Auf den heutigen Schiffe ist man ja hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Einzig und allein durch Wellen, wie sie im Film 2012 zu sehen sind, kann man unmittelbar erfahren, wie mächtig das Wasser, auf dem man so gemütlich dahin tuckert, ist.
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