Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Er sprudelt wieder: Tausende Römer feiern restaurierten Trevi-Brunnen

Zum ersten Mal in diesem Jahr sprudelte das Wasser im "La dolce vita"-Brunnen. Der über 250 Jahre alte Trevi-Brunnen ist nach 516 Tagen Restaurierung wieder in Betrieb genommen worden. Tausende Römer und Touristen waren dabei.

Restaurierter Trevi-Brunnen in Rom: Er sprudelt wieder Fotos
DPA

Kurz nach Sonnenuntergang fing das Wasser in Roms größtem Brunnen wieder zu fließen an. Es sprudelte unter den Füßen des stolzen Gottes Oceanus und unter den Leibern der von Tritonen-Figuren geführten geflügelten Pferde empor. Rauschte durch Becken und über künstliche Felsen und ergoss sich ins große Bassin, dessen zuvor noch spiegelglattes Wasser nun in Wellen wogte.

Tausende Römer und Touristen drängten sich an den Absperrungen zwischen Häuserwänden und der Kirche San Vincenzo e Anastasio, um bei der Wiedereinweihung des Trevi-Brunnens dabei zu sein.

Schon bevor die Fontänen sprudelten, lagen Hunderte Münzen auf dem Brunnengrund, und Roms-Kulturintendant Claudio Parisi Presicce warf nach guter alter Tradition noch eine dazu. Das soll Glück bringen, und es garantiert dem Besucher, dass er irgendwann in die Ewige Stadt zurückkehrt.

Die Restaurierungsarbeiten am Trevi-Brunnen hatten Ende Juni 2014 begonnen. Roms in der vergangenen Woche gestürzter Bürgermeister Ignazio Marino warf damals symbolisch eine Münze in den Brunnen - so wie vor ihm Millionen von Touristen. Um diese nicht zu enttäuschen, wurde für die Zeit der Restaurierungsarbeiten ein Ersatzbecken aufgestellt. Jedes Jahr landen Geldstücke im Wert von insgesamt rund einer Million Euro im Trevi-Brunnen. Das Geld wird an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet.

Wild und gefährlich

253 Jahre ist der Brunnen alt, ein Meisterwerk des italienischen Architekten Nicolò Salvi (1697 bis 1751), der die Fertigstellung 1762 aber nicht mehr erlebte. Richtig berühmt wurde das Bauwerk erst knapp 200 Jahre später: In Federico Fellinis Film-Meisterwerk "La dolce vita" (1960) nimmt Anita Ekberg ihr berühmtes Bad im Brunnen, Marcello Mastroianni steigt ihr zögernd hinterher, nicht ohne vorher die Schuhe auszuziehen.

"Rom wurde am Wasser erbaut", sagte Presicce und ging in seiner Rede bis zum Brüderpaar Romulus und Remus zurück, die der Legende zufolge die Stadt im Jahr 753 vor unserer Zeitrechnung gründeten. Schon zu antiken Zeiten gab es hier eine Quelle. Die Fontäne wird mit Wasser aus der Umgebung von Rom gespeist. Durch ein Aquädukt fließt es in das 26 mal 20 Meter große Becken.

Der Bau des Brunnens war 1732 von Papst Clemens XII. in Auftrag gegeben worden, um einen kleineren Brunnen zu ersetzen. Drei Jahrzehnte später wurde das Bauwerk von Niccolò Pannini fertiggestellt. .

Das Werk ist eine Allegorie auf das Wasser. Das sich aufbäumende Pferd zur Linken steht für Wildheit und Gefährlichkeit des nassen Elements, das gezähmte Pferd zur Rechten für seine fruchtbringenden Eigenschaften. Der Name des Platzes soll sich von den drei Straßen (italienisch: tre vie) ableiten, die dort zusammentreffen.

Auch so ein Brunnen kommt immer mal wieder in die Jahre. Seit 23 Jahren war der Brunnen nicht mehr renoviert worden. Die Oberflächen mussten von Umweltablagerungen gereinigt, Ornamente restauriert, Flächen gestrichen das Wasser- und Beleuchtungssystem mit modernerer Technologie ausgestattet werden. 516 Tagen hat das gedauert- schneller als geplant, wie Presicce stolz verkündete.

Die italienische Modegruppe Fendi sponserte die Renovierung mit gut zwei Millionen Euro. Fendi hatte in Rom bereits die Kosten für die Renovierung des Palastes der italienischen Zivilisation, einem Symbol der Faschismus-Ära, übernommen. Im sogenannten Colosseo quadrato richtete die Firma ihren Sitz ein.

abl/dpa/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH