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Intelligente Hotelzimmer: Tablets, Panels - und kein Lichtschalter

Neue Technik soll mehr Komfort ins Hotelzimmer bringen - und überfordert Gäste oft: Lichtschalter machen sich unsichtbar, Klimaanlagen sind nicht zu bändigen - und wie funktioniert die Dusche bloß? Eine Hotelkette hat eigens eine Forschungsabteilung gegründet.

Intelligentes Hotelzimmer: Lichtschalter verzweifelt gesucht Fotos
Bärbel Schwertfeger / SRT

Als Wes Anderson kürzlich in einem Interview gefragt wurde, worüber er sich in Hotels ärgert, da schimpfte der Regisseur des Anfang März angelaufenen Kinofilms "Grand Budapest Hotel" sofort los: "Man muss Lampen ausstöpseln oder unters Bett kriechen, um eine Steckdose für den Laptop zu finden." Und beim Zubettgehen suche man vergebens nach dem Schalter, mit dem man die letzte noch brennende Lampe ausknipsen kann.

Ähnliche Erfahrungen hat wohl jeder Hotelgast schon gemacht - gerade die moderne Technik, die mehr Komfort bringen soll, überfordert die meisten. Und nicht einmal Reiseprofis sind davor gefeit. So berichtete das Fachblatt "Travel One" von einer Reisebüromitarbeiterin, die im Armani-Luxushotel in Dubai vergebens nach dem Schalter suchte, um die Leuchtleiste hinter dem Bett auszuschalten. Schließlich setzte sie verzweifelt die Schlafbrille aus dem Flugzeug auf.

Lichtschalter sind eines größten ungelösten Probleme der Hotellerie - da hilft manchmal nur noch, die Glühbirne rauszuschrauben, falls das noch möglich ist. Nicht minder anspruchsvoll ist häufig das Bändigen von Fernseher oder Klimaanlage. Schon beim Betreten des Hotelzimmers dröhnt das Radio, der Fernseher läuft, und das Zimmer gleicht einer Kühlkammer. Also heißt es erst einmal die Fernbedienung suchen und dann den richtigen Knopf finden. Je moderner das Gerät, desto schwieriger ist das meist.

Die Suche nach dem optimalen Schaltkreis

Unzählige Designer, Techniker und Ingenieure von Zulieferfirmen sind mit der Frage der Technologie in Hotelzimmern beschäftigt - The Hongkong and Shanghai Hotels aber leistet sich als einzige Hotelgruppe eine eigene Forschungsabteilung. Zugutekommt das den zehn The-Peninsula-Hotels in Asien und den USA. "Man muss es alles möglichst einfach machen, die Gäste müssen es intuitiv bedienen können", beschreibt Ingvar Herland, Manager der Abteilung Research & Technology, die oberste Prämisse.

In dem Industrieviertel Aberdeen auf Hongkong Island - eine halbstündige Autofahrt entfernt vom glitzernden Einkaufsviertel Kowloon, wo mit dem Peninsula Hongkong das Flaggschiff der Hotelgruppe steht - tüfteln Herland und seine 25 Mitarbeiter daran, wie sie den Hotelgästen das Leben einfacher machen können. Bei weitem nicht alles, woran sie arbeiten, ist spektakulär, und vieles davon sieht der Gast nicht einmal.

"Wir arbeiten an dem elektronischen Nervensystem", erklärt der Elektroingenieur Herland und führt seinen Besucher durch die Räume, in denen es ein bisschen aussieht wie im Hobbyraum eines passionierten Bastlers. Auf den Tischen liegen allerlei Messgeräte, Schraubenzieher, Zangen und Kabel, dazwischen zerlegte Fernbedienungen und Touchpads. Techniker überprüfen Schaltkreise, messen Widerstände oder legen neue Verbindungen.

Viel Zeit verbringen die Techniker mit der optimalen Lichtlogik. In einem Zimmer gebe es oftmals bis zu 20 Schaltkreise allein für die Beleuchtung. Die alle einfach zu kontrollieren sei kein Kinderspiel, so der Technik-Manager. In den Peninsula-Hotels - wie auch in vielen anderen Unterkünften - hat der Gast über den Master-Schalter neben dem Bett die Kontrolle über das gesamte Zimmer. Von der Idee, dass das Licht automatisch ausgeht, wenn man den Raum verlässt, habe man wieder Abstand genommen, so Herland. Das habe viele nur verwirrt.

Auch die intelligente Steuerung des Audio- und Videosystems ist eine Herausforderung für die Techniker. So dimmt das System automatisch die Lautstärke herunter, wenn das Telefon klingelt, während man Fernsehen sieht oder Radio hört. Das leidige Adapterproblem haben Herlands Techniker mit einem eigens entwickelten Multiladegerät gelöst, mit dem man alle neuen Geräte aufladen kann. Und weil man das oft nachts macht und das Handy stets in Reichweite sein soll, gibt es neben dem Exemplar am Schreibtisch auch noch eines in der Nachttischschublade.

Touchpad-Test mit Stammkunden

Inzwischen können Hotelgäste mit Hilfe eines Tablets Licht, Klimaanlage und Audio- und Videosystem steuern und haben damit auch Zugriff auf alle Hoteldienstleistungen: auf die Speisekarten der verschiedenen Restaurants, auf das Spa-Angebot und auf Daten wie Wetter, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit - das Ganze in elf Sprachen. Die Tablets befinden sich an den Wänden, auf dem Schreibtisch und neben dem Bett.

Bis eine neue Technik in die Hotelzimmer kommt, ist es ein langer Weg. Haben die Forscher etwas ausgetüftelt, wird zunächst ein Prototyp gebaut und in einem Modellzimmer getestet, und zwar von Personen ohne Erfahrung mit diesen Gadgets. "Die übernachten in dem Zimmer und berichten uns über ihre Erfahrungen", sagt der Technikchef.

In Hongkong ließ man dabei sogar einen 90-jährigen, mit moderner Technik unerfahrenen Stammkunden die neuen Touchpads testen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass man sich von scheinbar genialen Erfindungen wieder trennt. So wie von der Waage an der Gepäckablage, die automatisch anzeigte, wie viel der Koffer wiegt.

"Wir haben gemerkt, dass das etwas riskant ist", sagt Herland. "Wenn der Koffer am Flughafen dann doch zu schwer ist und der Gast für Übergepäck zahlen muss, fällt das auf uns zurück."

Bärbel Schwertfeger/srt/abl

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Endlich
Ge-spiegelt 25.03.2014
muss ja nicht gleich ein Smart Room sein. Ein How to im Hotel Ordner wo man Laptop einstecken kann oder wie die verdammte Lampe ausgeht reicht schon. Gerne auch als Wiki oder FAQ.
2. Lichtschalter?
Askan 25.03.2014
Ich verstehe das nicht. Da untersucht man, wie komplizierte Lösungen einfacher zu händeln sind und vergisst total die simplen Sachen. Warum austesten, wie man mit einem Tablet das Licht am einfachsten auschalten kann, wenn es ein einfacher Schalter auch tut? Das mit dem Fernseher, der läuft, wenn man ins Zimmer kommt, ist auch eine moderne Krankheit. In ienem Wiener hotel musssten wir mal einige minuten auf unser Zimmer warten, weil vermutlich der Ferseher noch nicht mit dem Willkommensgruß programmiert war. Und dann habe ich bei der Rezeption angerufen und gefragt, wie man das nervige Ding ausschalten kann.
3.
Business Ethics 25.03.2014
Zitat von sysopBärbel Schwertfeger / SRTNeue Technik soll mehr Komfort ins Hotelzimmer bringen - und überfordert Gäste oft: Lichtschalter machen sich unsichtbar, Klimaanlagen sind nicht zu bändigen - und wie funktioniert die Dusche bloß? Eine Hotelkette hat eigens eine Forschungsabteilung gegründet. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/technik-im-hotel-suche-nach-lichtschalter-a-960478.html
In den Besprechungsräumen im Headquarter des Unternehmens, für das ich arbeite, gibt es auch keine normalen Schalter mehr, sondern nur noch ein globales touchpad für die Steuerung aller Funktionen, z.B. Licht, Jalousien, Beamer, Videoconferenz, Bildschirme usw. Keiner der nicht im HQ selbst arbeitet, kann mit diesen Dingern umgehen und muss jedesmal eine Assistentin um Hilfe bitten. Da stehen dann nämlich eine Handvoll (promovierter) Ingenieure herum und wissen sich nicht zu helfen. Wer sich diesen ganzen Mist ausdenkt ist einfach nur krank bzw. hat irgendwie die Bodenhaftung verloren und sollte sich ggf. ein wenig mit Kognitions- und Arbeitspsychologie beschäftigen. Es gibt da u.a. ein sehr schönes Buch, das ich empfelhen könnte - The Psychology of Everyday Things. Was in den Hotels "von Welt" eingebaut wird, ist genauso grausam; das verzweifelte Suchen nach der Möglichkeit, auch die letzte Lampe irgend womit auszuschalten kommt mir sehr bekannt vor - wie oft habe ich schon ganz einfach den Stecker abgezogen. Als Ingenieur, der sich dazu noch jahrelang mit Mensch-Maschine-Kommunikation beschäftigt hat, halte ich mich eigentlich nicht für technisch unbegabt. Beim Bedienkonzept für technische Systeme läuft in vielen Bereichen m.E. einiges grundsätzlich schief, egal ob Hotelzimmer, Besprechungsraum, Auto oder Kraftwerk.
4. Stromkreis
louisesullivan 25.03.2014
Sehr unpraktisch kann auch die Keycard mit Stromkreisbindung sein. Man verlässt den Raum, nachdem man seine Geräte zum Aufladen an verfügbare Steckdosen angeschlossen hat. Die Keycard nimmt man natürlich mit raus - um dann Stunden später festzustellen, dass auch die Stromversorgung der Steckdosen abgeschaltet war :-(
5. einfach
marty_gi 25.03.2014
Ein einfacher Schalter ist durch nichts zu ersetzen. Weder in Hotelzimmern, und schon gar nicht in Autos.
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