Tempo 574,8 TGV bricht Weltrekord auf dem Gleis

Mit 574,8 Kilometern pro Stunde auf der Schiene: Der TGV hat seinen eigenen Geschwindigkeits-Weltrekord übertroffen. Der aufgerüstete Typ V150 schaffte die neue Höchstleistung auf der Strecke Paris-Straßburg - jetzt kündigt Frankreichs Staatsbahn im Temporausch schnellere Serienzüge an.


TGV V150 (auf dem Weg zum Rekordversuch): Nur knapp hinter dem Zug-Weltrekord einer japanischen Magnetschwebebahn 2003
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TGV V150 (auf dem Weg zum Rekordversuch): Nur knapp hinter dem Zug-Weltrekord einer japanischen Magnetschwebebahn 2003

Paris – Wie ein silberner Blitz schoss der TGV V150 an den Schaulustigen vorbei - 574,8 km/h erreichte der französische Hochgeschwindigkeitszug heute um 13.15 Uhr. Damit hat das Geschoss des Herstellers Alstom den eigenen Rekord für radgebundene Schienenfahrzeuge vom 18. Mai 1990 , 515 km/h, gebrochen. Es verfehlte jedoch knapp den Rekord aller Züge, 581 km/h: Den hatte Japan vor vier Jahren mit seiner Magnetschwebebahn Maglev aufgestellt.

Alstom hat seinen 234 Tonnen schweren Rekordzug "V 150" getauft - die Abkürzung steht für 150 Meter pro Sekunde. Er besteht aus zwei Lokomotiven und drei doppelstöckigen Waggons und ist hundert Meter lang. "Er hat größere Räder als ein normaler TGV, der Triebwagen hat 25.000 PS", sagte der leitende Techniker Alain Cuccaroni. Ein Teil der Technik stammt aus einer neuen Zuggeneration, die unter dem Namen AGV ab 2009 auf den Markt kommen soll. Hauptneuerung ist, dass bei den AGVs der Antrieb nicht mehr in den Lokomotiven konzentriert, sondern über den ganzen Zug verteilt ist. Dies bringt eine höhere Beschleunigung und soll Energie sparen.

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Für den Versuch wurde die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Straßburg und Paris, die am 10. Juni in Betrieb genommen wird und die Fahrzeit von Paris nach Frankfurt am Main von sechs auf vier Stunden verkürzt, speziell präpariert. Die Gleise wurden in den Kurven zusätzlich befestigt und die Spannung in der Oberleitung von 25.000 auf 31.000 Volt erhöht, wie Cuccaroni sagte. Der Aufwand diene jedoch nicht nur dem Rekord: In einem der drei Waggons würden die Daten gesammelt und ausgewertet, sie sollten dazu dienen, die Sicherheit und den Komfort für künftige Bahnreisende zu erhöhen. Ein Risiko betehe bei der angestrebten Spitzengeschwindigkeit nicht, sagte der frühere SNCF-Manager Pierre-Louis Rochet vor dem Versuch: "Wir sind weit von der kritischen Grenze entfernt."

Immerhin 30 Millionen Euro lassen sich die französische Staatsbahn SNCF und Alstom den Rekord kosten. Schon vor dem Versuch hat die SNCF heute angekündigt, eine weitere Erhöhung der Geschwindigkeit ihrer Züge bis auf Tempo 360 zu prüfen. Technisch sei dies bei den TGV-Hochgeschwindigkeitszügen möglich, sagte der Vize-Chef der SNCF, Guillaume Pépy, im Fernsehsender France 2. Angesichts der dafür notwendigen Veränderungen an Zügen und Strecken müsse aber geprüft werde, "ob sich das wirtschaftlich lohnt". Bisher fahren TGV-Züge in Frankreich mit 300 km/h. Ab Juni soll auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris-Straßburg, auf der auch deutsche ICE-Züge verkehren werden, dann Tempo 320 erreicht werden.

Zudem wolle der TGV-Bauer Alstom damit die Vermarktung des Zuges im Ausland fördern. Für den TGV, der bereits nach Südkorea verkauft worden sei, gebe es "große Hoffnungen" auf weitere Interessenten "in Südamerika und vielleicht in den USA", sagte der Bahn-Manager. International konkurriert der TGV mit dem deutschen ICE und dem japanischen Shinkansen. Zurzeit wird insbesondere in Argentinien geprüft, ob der TGV dort auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke eingesetzt werden soll.

abl/AFP/AP



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