Terroranschläge Buchungen der Pariser Hotels brechen ein

Die Anschläge in Paris schrecken Urlauber zurzeit ab. Die Top-Hotels melden Einbrüche bei den Reservierungen von 50 Prozent, auch der britische Billigflieger Easyjet registriert einen Buchungsrückgang.

Eiffelturm in Rot-Weiß-Blau: Das Pariser Wahrzeichen wird zurzeit in den Nationalfarben Frankreichs beleuchtet
DPA

Eiffelturm in Rot-Weiß-Blau: Das Pariser Wahrzeichen wird zurzeit in den Nationalfarben Frankreichs beleuchtet


Die Pariser Top-Hotels melden einen Einbruch bei Zimmerreservierungen um 50 Prozent. Auch seien Buchungen nach den Terroranschlägen am Freitag storniert worden, sagte Charlotte Le Moniet, eine Sprecherin des französischen Hotelverbands, und das genau vor der weihnachtlichen Hochsaison.

Das Gleiche sei nach den Attacken auf "Charlie Hebdo" passiert, sagte Le Moniet. Es habe ein oder zwei Monate gedauert, bis die Buchungen wieder den üblichen Stand erreicht hätten. Bei der Terrorserie am Freitag waren 129 Menschen getötet und 352 verletzt worden.

Auch der britische Billigflieger Easyjet registriert eine geringere Nachfrage nach Frankreich-Urlauben. Unternehmenschefin Carolyn McCall rechnet aber damit, dass sich das schnell wieder einpendeln werde. Es habe am Wochenende eine Anzahl von Passagieren gegeben, die ihre gebuchten Flüge nach Frankreich nicht antraten. Easyjet bietet seinen Kunden, die eine Verbindung nach Paris gebucht haben, an, ihre Tickets kostenlos zu stornieren oder umzubuchen.

Auch Lufthansa-Passagiere können nach Aussagen einer Sprecherin Tickets für Flüge nach Paris bis Mittwoch einmalig kostenlos umbuchen. Danach werde neu entschieden, sagte eine Sprecherin. Flüge in die französische Hauptstadt seien derzeit weniger gefragt, aber es gebe keinen Einbruch.

Die Tourismuskonzerne TUI und Thomas Cook bieten ihren Gästen kostenlose Stornierungen aus Kulanz an. Allerdings buchen bei den deutschen Reiseveranstaltern nur wenige Urlauber um oder sagen ihre Paris-Reise ganz ab. Die Tui spricht von sehr wenigen diesbezüglichen Anfragen. Insgesamt sei die Zahl der Paris-Touristen derzeit überschaubar. Die Leute, die gebucht haben, würden in der Regel auch reisen.

Auch Thomas Cook erklärte, die meisten Kunden würden ihre Reise in den nächsten Tagen antreten. DER Touristik teilte mit, einige Gäste machten von der Umbuchungs- und Stornooption Gebrauch, die meisten stellten ihre Reisepläne aber nicht grundsätzlich in Frage.

Viele Pariser Sehenswürdigkeiten, darunter der Louvre, die Philharmonie, der Grand Palais und das Centre Pompidou, seien bereits wieder geöffnet, teilte die Französische Zentrale für Tourismus mit.

Am Dienstag waren außerdem Versailles und das Moulin Rouge wieder offen. Disneyland Paris, der Zoo von Vincennes, das Aquarium von Paris sollen am Mittwoch wieder öffnen. Dann startet auch der Weihnachtsmarkt auf den Champs-Élysées - allerdings erstmal ohne festliche Beleuchtung. Der Eiffelturm wurde zunächst wieder geschlossen, nachdem er bereits wiedereröffnet worden war. Bis Mittwoch wird das Pariser Wahrzeichen nach Einbruch der Dunkelheit in den Farben der französischen Flagge beleuchtet.

Wer sich zurzeit im Urlaub oder auf einer Geschäftsreise in Paris aufhält, muss mit einigen Einschränkungen rechnen. Wie das Tourismusbüro von Paris mitteilte, könne es an den Flughäfen und am Gare du Nord wegen Polizeikontrollen zu Verspätungen kommen. Auch an den Grenzen zu Frankreich kann die Einreise länger dauern als gewohnt.

Zurzeit erwägt die französische Regierung das Aufstellen von Sicherheitsschleusen in Bahnhöfen. Bisher gebe es diese Maßnahme für einige internationale Züge wie den Eurostar, sagte die auch für Verkehr zuständige Umweltministerin Ségolène Royal dem Sender iTélé. Sie sei der Meinung, dass sie auch auf Züge bei innerfranzösischen Strecken ausgedehnt werden sollte, sagte Royal.

Deutsche Reisende müssen auf alle Fälle ein gültiges Ausweisdokument mitführen. Darauf weist die Lufthansa hin. Die Airline verweist auf einen Beschluss des französischen Innenministeriums: Demnach könne deutschen Reisenden, die keinen Reisepass oder Personalausweis dabei haben, die Einreise verweigert werden. Zudem werde eine Geldbuße fällig, so eine Sprecherin der Lufthansa. Die Regel gelte zunächst bis Mitte Dezember, dann werde die Lage neu bewertet. Auch das Auswärtige Amt rät, einen gültigen Ausweis mitzuführen.

Am Montag wirkten sich die Attentate an den europäischen Börsen deutlich auf Luftfahrt- und Touristik-Werte aus. Anleger befürchteten eine Stornierungswelle bei Urlaubsreisen. Der französische Hotelier Accor und Air France-KLM etwa gehörten mit Kursverlusten von bis zu 9,3 Prozent zu den größten Verlierern. Lufthansa und die British-Airways-Mutter IAG büßten jeweils mehr als zwei Prozent ein. Die Pauschalreisen-Anbieter TUI und Thomas Cook sowie die Kreuzfahrt-Veranstalter Carnival und Royal Caribbean notierten zwischen 2,1 und 4,8 Prozent tiefer.

abl/AP/Reuters/dpa



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