Nach den Terroranschlägen Paris-Urlauber müssen mit Wartezeiten und Schließungen rechnen

In Frankreich herrscht nach den Terroranschlägen Staatstrauer, außerdem gilt der Ausnahmezustand. In Paris bleiben einige Sehenswürdigkeiten geschlossen, Reisende müssen dort an Flughäfen und Bahnhöfen mit Verspätungen rechnen.

Touristen am Eiffelturm: Sehenswürdigkeiten bleiben nach Anschlägen geschlossen
DPA

Touristen am Eiffelturm: Sehenswürdigkeiten bleiben nach Anschlägen geschlossen


Wer sich zurzeit im Urlaub oder auf einer Geschäftsreise in Paris aufhält, muss mit einigen Einschränkungen rechnen. Wie das Tourismusbüro von Paris mitteilte, könne es an den Flughäfen und am Gare du Nord wegen Polizeikontrollen zu Verspätungen kommen. Der Nahverkehr in der Stadt funktioniere aber wieder wie gewöhnlich. Für Touristen hat die Stadtverwaltung die Notfall-Hotline 00331/45503460 eingerichtet.

Die Pariser Flughäfen teilten mit, dass es verstärkte Kontrollen gebe. Reisende sollten sich deshalb früher als üblich am Schalter einfinden. Alle Flüge und Bahnverbindungen nach Paris werden nach Plan und wie üblich durchgeführt. Lufthansa-Passagiere können nach Aussagen einer Sprecherin Tickets für Reisen bis Mittwoch kostenlos umbuchen. Flüge in die französische Hauptstadt seien derzeit weniger gefragt, aber es gebe keinen Einbruch. Auch die Tourismuskonzerne TUI und Thomas Cook bieten ihren Gästen kostenlose Stornierungen aus Kulanz an.

Viele Sehenswürdigkeiten haben am Montag geschlossen. Die Französische Zentrale für Tourismus nennt als Beispiele städtische Museen, den Jardin du Luxembourg und den Jardin des Tuileries, die Spazierfahrten auf der Seine, die Cabarets ausgenommen das Moulin Rouge, den Zoo von Vincennes und das Aquarium von Paris.

Auch der Eiffelturm bleibt vorerst gesperrt, heißt es auf der offiziellen Webseite der Sehenswürdigkeit. Das Disneyland Paris bleibt nach eigenen Angaben während der dreitägigen Staatstrauer bis einschließlich Dienstag, den 17. November, geschlossen. Der Louvre dagegen will am Montag um 14 Uhr wieder öffnen.

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat landesweit der Ausnahmezustand verhängt, inklusive Grenzkontrollen: Das bedeutet, dass sich an den Flughäfen auch einreisende EU-Bürger ausweisen müssen - so wie in den Zeiten vor dem Schengenabkommen. Per Dekret werden die Bürgerrechte eingeschränkt, die Bewegungsfreiheit etwa. Personalkontrollen sind ohne Anlass erlaubt, Durchsuchungen auch ohne Richterbeschluss.

Das Auswärtige Amt erklärt in seinem aktualisierten Reisehinweis für Frankreich, wegen des Ausnahmezustands könne es im Reiseverkehr vorübergehend zu Einschränkungen kommen. Reisende sollten den Anweisungen der französischen Sicherheitsbehörden Folge leisten und sich ansonsten in Frankreich "umsichtig" bewegen.

Die Behörde weist darauf hin, dass es an Eingängen etwa von Museen zu Handtaschenkontrollen kommen kann. Bahnreisende sollten darauf achten, dass ihr Reisegepäck mit Namen und Anschrift gezeichnet ist. In vielen Bahnhöfen gebe es keine Möglichkeit der Gepäckaufbewahrung mehr.

Wer eine Pauschalreise nach Paris gebucht hat und nicht mehr fahren will, sollte sich an seinen Veranstalter wenden. Das rät der Reiserechtler Paul Degott aus Hannove. Ob man eine Reise kostenlos stornieren kann, hängt davon ab, ob ein Fall von höherer Gewalt vorliegt. "Das würde ich für die aktuelle Situation und vielleicht auch für die nächsten Tage schon eindeutig bejahen wollen", sagt Degott.

Paris befinde sich nach wie vor im Ausnahmezustand, sagt der Jurist. Aus seiner Sicht sorgt die Lage in der Stadt derzeit für mehr als nur rein subjektive Angst. Das geordnete touristische Leben werde in den nächsten Tagen kaum möglich sein. Die Reise wäre damit auch objektiv beeinträchtigt. Falls der Reiseveranstalter keine kostenlose Stornierung erlaube, muss im Streitfall ein Gericht entscheiden.

Individualreisende, die ihre Reise nach PAris nicht antreten wollen, seien auf die Kulanz des Hoteliers angewiesen, erklärt Degott. Das Gleiche gilt für individuell gebuchte Flüge: Hier liegt es im Ermessen der Airline, ob sie den Kunden ohne Stornogebühren aus dem Vertrag entlässt.

abl/dpa/Reuters



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