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Putsch in Thailand: Militär hebt Ausgangssperre an Touristenorten auf

Eineinhalb Wochen nach dem Putsch in Thailand hebt das Militär die verhängte Ausgangssperre teilweise wieder auf: In den größten Touristenorten gelten künftig keine Beschränkungen mehr. In Bangkok bleibt das Ausgehverbot bestehen.

Touristen in Pattaya (Archiv): Kein Ausgehverbot mehr in Thailands Ferienorten Zur Großansicht
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Touristen in Pattaya (Archiv): Kein Ausgehverbot mehr in Thailands Ferienorten

Bangkok - An beliebten Reisezielen in Thailand dürfen die Menschen sich zu jeder Zeit wieder frei bewegen: Die Junta hat das Ausgehverbot an den Touristenorten Pattaya, Phuket und auf Koh Samui wieder aufgehoben. Der sogenannte Nationale Rat für Frieden und Ordnung (NCPO) teilte die Entscheidung über das Fernsehen mit.

Ziel sei die Schaffung eines "für den Tourismus förderlichen Klimas", sagte ein Militärsprecher. Damit wolle man die Beeinträchtigungen durch den Putsch in jenen Regionen des Landes gering halten, die "friedlich und frei von politischen Protesten" seien. Im Rest des Landes, also auch in der Hauptstadt Bangkok, bleibt die nächtliche Ausgangssperre weiterhin bestehen.

Nach ihrem Putsch am 22. Mai hatten die Streitkräfte ein Ausgehverbot für die Zeit zwischen 22 Uhr abends und 5 Uhr morgens verhängt, das dann von Mitternacht bis 4 Uhr verkürzt wurde. Ausnahmen galten unter anderem für Reisende, die einen Flug bekommen mussten, und für Sicherheitspersonal. "In Anbetracht der Uhrzeiten", heißt es in einer Mitteilung der Touristenbehörde, habe die Regelung jedoch keine Besucher davon abgehalten, "die Tage in der Sonne zu genießen" und Sehenswürdigkeiten wie Tempel, Berge und Strände zu besuchen.

Negative Auswirkungen auf den Tourismus

Der Putsch gegen die zivile Regierung sowie die damit einhergehenden Warnungen haben bereits negative Auswirkungen auf den Tourismus in Thailand, der mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Viele ausländische Regierungen passten ihre Reisehinweise für das beliebte Urlaubsland an. Das Auswärtige Amt etwa rät "nachdrücklich zu hoher Wachsamkeit".

Am Tag nach dem Machtwechsel gab es etwa 5000 Flugannullierungen, wie Reiseveranstalter mitteilten. In der vergangenen Woche erklärte das Militär, dass nach der Machtübernahme 20 Prozent weniger Urlauber eingereist seien. Der nun für Tourismus zuständige Marinechef versprach aber, dass die Zahlen bald wieder steigen würden. Im Jahr 2013 hatten 26,5 Millionen Urlauber das Land besucht.

Die thailändische Armee hatte die Macht nach monatelangen politischen Unruhen mit fast 30 Toten übernommen. Die bereits zuvor von der Justiz abgesetzte Regierungschefin Yingluck Shinawatra und andere führende Politiker wurden vorübergehend festgenommen.

Lockerungen beim Fernsehen, Ärger wegen "Tribute von Panem"

Gelockert wurden jetzt auch die Beschränkungen beim Fernsehen: Nachdem einen Tag lang zunächst die Übertragung aller Programme blockiert worden war und dann nur einige wenige Sender zu empfangen waren, ließ die Nationale Rundfunkkommission nun 40 von 600 gesperrten Satellitenkanälen wieder zu.

15 Satellitensendern, die eines der politischen Lager in Thailand unterstützt hatten, ist die Ausstrahlung weiterhin verboten. Dies werde auch so bleiben, bis eine "Übereinkunft erreicht sei", sagte ein Sprecher des Militärrats.

Zudem kündigte das Militär an, Bürger zu verfolgen, die das Handzeichen aus der populären Film- und Buchreihe "Die Tribute von Panem" als Protestgruß benutzen. Dabei werden Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand in die Höhe gestreckt. Gruppen, die so auftreten und Warnungen, den Arm zu senken, nicht folgen, sollen verhaftet werden.

emt/dpa/AP

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Wundert es...
artusdanielhoerfeld 03.06.2014
...es außer mich denn niemanden, dass über den Militär-Putsch in Thailand nunmehr lediglich im "Reise-Ressort" berichtet wird? Wo bleibt die lautstarke Entrüstung der westlichen Politiker und deren Sanktionsandrohungen? Hallo?!
2. Es ist
hevopi 03.06.2014
nach wie vor friedlich in Thailand und sicher auch gut, dass die Ausgangssperre für Touristenorte aufgehoben ist. Diesen Unsinn mit dem "Handzeichen" können wir Europäer nicht nachvollziehen. Sehr positiv ist, dass jetzt endlich die Bauern für ihren Reis bezahlt wurden und diese "Hetzpolitik" der Parteien ein Ende hat, der ja viele Menschenopfer gefordert hat. Ich hoffe nach wie vor auf eine "echte" Demokratie und auf ein Ende des Stimmenkaufs und der Korruption (vor allen Dingen in der Politik).
3.
Hans58 03.06.2014
Zitat von artusdanielhoerfeld...es außer mich denn niemanden, dass über den Militär-Putsch in Thailand nunmehr lediglich im "Reise-Ressort" berichtet wird? Wo bleibt die lautstarke Entrüstung der westlichen Politiker und deren Sanktionsandrohungen? Hallo?!
Über Alltägliches, was sich in Thailand seit 1932 immer wieder wiederholt, ist Entrüstung nicht angesagt. Dieses mal haben zwar die USA reagiert, aber so "schwach", dass die Militärs wissen, es wird nichts gegen sie unternommen. Und solange in Touristenorten die Ausgangssperre aufgehoben wird, ist die Welt doch wieder in Ordnung.... auch Militärs haben die Wirtschaftskraft von Touristen nicht verkannt.
4. So ist es!
fxe1200 03.06.2014
Zitat von Hans58Über Alltägliches, was sich in Thailand seit 1932 immer wieder wiederholt, ist Entrüstung nicht angesagt. Dieses mal haben zwar die USA reagiert, aber so "schwach", dass die Militärs wissen, es wird nichts gegen sie unternommen. Und solange in Touristenorten die Ausgangssperre aufgehoben wird, ist die Welt doch wieder in Ordnung.... auch Militärs haben die Wirtschaftskraft von Touristen nicht verkannt.
Und die Reisbauern bekommen endlich ihr Geld. Die Armee hebt ein Waffenlager nach dem anderen aus, illegal geschlagenes Rosenholz wird beschlagnahmt, und es herrscht endlich Ruhe im Land. Weiter so General Prayuth!
5. Nix zu sehen
Sam M. 03.06.2014
Also die USA und andere haben da viel mehr Aufhebens gemacht als die Thais selbst. In knapp 2 Wochen habe ich keinen einzigen bewaffneten Soldaten in den Strassen Bangkoks gesehen. Und auch nach der Ausgangssperre kurven noch reichlich Autos rum. Ich denke mal, dass die abgesetzte Regierung unter Thaksin versucht, internationalen Druck aufzubauen, um dann ihr Lieblings-Projekt "Regierung in Exil" aufzuziehen. Sein Medien-Berater Robert Amsterdam in den USA hat das ja bereits angekuendigt,- und der hat astreine Beziehungen zu den US Medien... In der Zwischenzeit haben die Bauern Ihren Reis bezahlt bekommen (Soll noch 2 Wochen dauern, bis alle ihr Geld haben), den die abgesetzte Regierung aus eigener Dummheit nicht bezahlen konnte...
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Bevölkerung: 67,236 Mio.

Fläche: 513.120 km²

Hauptstadt: Bangkok

Staatsoberhaupt:
König Bhumibol Adulyadej

Regierungschef: Armeechef Prayuth Chan-ocha (außerdem: Chef des Rates für nationalen Frieden und die Aufrechterhaltung der Ordnung)

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Was bedeuten die Hinweise des Auswärtigen Amtes?
Reisehinweise
Sie enthalten zum Beispiel Informationen über die Einreisebestimmungen, die medizinische Situation und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten eines Landes. Solche Hinweise gibt das Auswärtige Amt für jedes Land.
Sicherheitshinweise
Solche Vermerke machen auf besondere Risiken für Reisende in einem Land und dort lebende Deutsche aufmerksam. Das betrifft zum Beispiel Gefahren durch Kriminalität oder Terrorismus. Das Auswärtige Amt kann wegen solcher Einschränkungen in einem abgestuften System von nicht unbedingt erforderlichen Reisen oder auch grundsätzlich von allen Reisen in ein bestimmtes Land abraten.

Reisewarnungen
Sie enthalten den "dringenden Appell", Reisen in ein Land oder in eine Region innerhalb des Landes zu unterlassen. Gewarnt wird dann, wenn "eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht", heißt es beim Auswärtigen Amt. Deutsche, die in dem betroffenen Land leben, werden dann zur Ausreise aufgefordert.

Haben die Hinweise rechtliche Bedeutung?
Die Hinweise des Auswärtigen Amtes seien teilweise undurchsichtig und nicht bindend, sagte Reiserechtler Ronald Schmid von den Technischen Universitäten Dresden und Darmstadt. Grundsätzlich müssten Veranstalter und Reisende auf der Grundlage seriöser Berichterstattung in den Medien im konkreten Einzelfall auch selbstständig prüfen, ob in der Urlaubsregion eine vorher nicht zu erwartende höhere Gewalt vorliegt.

Wird die Reise dadurch "erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt", können Urlauber den Vertrag laut Paragraf 651j des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kündigen.

Es könne sich im Einzelfall schon um höhere Gewalt handeln, wenn noch keine "echte" Reisewarnung vorliegt, sondern nur von Reisen abgeraten wird, so Schmid. "Denn der Hinweis, nicht notwendige Reisen zu unterlassen, ist wohl eher als eine abgeschwächte Reisewarnung zu bewerten", sagte der Experte.