Tropensturm in Thailand Kein Geld zurück bei Flugausfall

Wer wegen des Tropensturms "Pabuk" in Thailand nicht wie geplant reisen kann, hat keine guten Aussichten auf Entschädigung. Airlines und Veranstalter können sich herausreden - doch in einigen Fällen gibt es Hoffnung.

SITTHIPONG CHAREONJAI/ EPA-EFE/ REX

Regionalflughäfen bleiben bis Samstag geschlossen, der Fährverkehr ist eingestellt: Der mit Sorge erwartet Tropensturm "Pabuk" beeinträchtigt auch den Verkehr in Thailand. Bei Flugausfällen können Individual- und Pauschalreisende in der Regel nicht mit einer Entschädigung rechnen. Darauf weist der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover hin.

Zwar sieht die EU-Fluggastrechte-Verordnung für abgesagte Flüge eine Ausgleichszahlung vor, die sich bei Langstrecken wie nach Thailand auf 600 Euro pro Person beläuft. "Aber die Fluggesellschaften können sich von der Zahlungspflicht entlasten, wenn sie sich auf außerordentliche Umstände beziehen können", erklärt Degott. "Dafür müssen sie konkret beweisen können, dass sie einen Flughafen nicht anfliegen konnten."

Das sei etwa der Fall, wenn die Flugsicherung vor Ort die Landungen begrenzt oder ein Flughafen komplett geschlossen wird. Vorsorgliche Absagen von Reisen durch die Airlines seien kein ausreichender Grund.

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Tropensturm in Thailand: Gestrandet auf den Inseln

Wer eine Pauschalreise auf eine vom Sturm gebeutelte Insel gebucht hat, ist ähnlich betroffen: Kann der Veranstalter außerordentliche Umstände für die Absage der Reise nachweisen, besteht kein Entschädigungsanspruch.

Fliegt der Veranstalter die Urlauber aber zum Beispiel erst mal nach Bangkok und legt dort einen Zwischenstopp ein, bleibe er in der Leistungspflicht, sagt Degott. Kann er dann die Reise nicht fortsetzen oder bietet Alternativen an, können Urlauber laut Degott den Reisepreis mindern. Auch wenn es dann an einen gleichwertigen Urlaubsort gehe, sei das möglich - es gehe hier nicht darum, ob ein minderwertiger Urlaub angeboten wird, sondern schlicht darum, dass es nicht der gebuchte Wunschort ist.

Verzögert sich die Abreise aus Europa wegen des Sturms zum Beispiel um einen Tag, darf der Urlauber von der Reise zurücktreten - ohne Stornierungskosten.

Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisehinweisen darauf hin, dass Thailand-Urlauber mit Beeinträchtigungen im Fähr- und Flugverkehr rechnen müssen. Sie sollten engen Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter beziehungsweise der Fluggesellschaft halten und die Anweisungen der lokalen Behörden unbedingt beachten.

Wo der Tropensturm bereits den Reiseverkehr lahmlegt

Alle Flüge von und nach Ko Samui wurden vorsorglich abgesagt, auch wenn der Regen zunächst noch mäßig war, sagte ein Flughafenmitarbeiter. Laut Katastrophenschutz wird die Situation dort noch nicht als Krise eingestuft. In Phuket habe es noch keinen Regen gegeben. "Es gibt keine Panik bei den Touristen. Aber falls irgendetwas passiert, sind wir gut vorbereitet", sagte der Chef des Katastrophenschutzes in Phuket, Prapan Kanprasang.

Auch der Airport in der Provinz Nakhon Si Thammarat ist seit Donnerstagabend geschlossen. Der Flugverkehr am Flughafen Surat Thani in der gleichnamigen Provinz sollte am Freitag ebenfalls eingestellt werden.

"Pabuk" ist der erste Tropensturm seit drei Jahrzehnten, der die Region außerhalb der Monsunzeit heimsucht. Nach Angaben von Meteorologen nahm er am Freitagmorgen an Stärke zu und erreichte eine Geschwindigkeit von 75 km/h. Dass "Pabuk" Taifunstärke erreicht, wurde allerdings nicht erwartet.

Allein auf der Urlauberinsel Ko Phangan sitzen derzeit nach Behördenangaben rund Zehntausend Touristen fest. Auf der besonders bei Tauchern beliebten Insel Ko Tao bereiteten sich die Menschen schon seit Tagen auf den Sturm vor.

jus/dpa/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
deeperman 04.01.2019
1. Korrektur
So ganz richtig ist das nicht: Bei wetterbedingtem Flugausfall gibt es zwar keinen Anspruch auf die Entschädigung, die gezahlten Kosten müssen aber durchaus zurückerstattet werden.
thomas0815-1 05.01.2019
2. "Airlines und Veranstalter können sich herausreden"
Was soll denn diese ( an Verleumdung grenzender) Aussage? Ich bin nun wahrlich ein Fan von Gerechtigkeit und habe auch schon gegen mehrere Airlines vor Gericht einen zustehenden Entschädigungsanspruch erstritten. Aber niemals würde ich auf die Idee kommen, wegen einer Maßnahme die meine Sicherheit an Leib und Leben betrifft, von einer Airline oder einen Reiseveranstalter eine "Entschädigung" zu fordern. Insofern braucht der Herr Reiserechtler Degott auch auf nichts "hinzuweisen", denn es handelt sich um eine Selbstverständlichkeit. Aber im Gegenteil, durch diese Art "Aufmachung" diese Themas (siehe auch oben) wird suggeriert, dass sich hier die Veranstalter und Airlines mit einem "fiesen Trick" aus der Verantwortung stehlen. Das ist aber nicht so! Da sollte eher SPON seiner Verantwortung gerecht werden (wie war das mit Faktencheck etc.!?).
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