Tour Montparnasse in Paris Frankreichs hässlichstes Hochhaus wird 40

Eine Schönheit ist das Montparnasse-Hochhaus ganz sicher nicht. Trotzdem zählt es zur Top Ten der meistbesuchten Attraktionen von Paris. Zu seinem 40. Geburtstag ist eine große Feier geplant - doch die Partylaune ist getrübt durch einen Asbest-Skandal.

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Paris - Mit einem Licht- und Klangspektakel sowie einem Gratiskonzert feiert der Pariser Montparnasse-Turm am Donnerstagabend seinen 40. Geburtstag. Der Wolkenkratzer aus den siebziger Jahren ist längst zu einem Wahrzeichen der französischen Hauptstadt geworden, auch wenn ihn viele nach wie vor als hässliche Bausünde sehen. In einem Blog wurde der Turm einmal zum zweithässlichsten Gebäude der Welt gekürt. Als bester Grund für eine Besichtigung wurde darin angegeben: "Es ist der einzige Ort, an dem man einen Blick über die Stadt hat, ohne den Tower sehen zu müssen."

Getrübt wird die Feierlaune aber nicht von solcher Kritik, sondern vor allem durch Asbeststaub: Der dunkle Wolkenkratzer ist mit dem krebserregenden Material verseucht. Seit knapp zehn Jahren wird versucht, der Asbestbelastung Herr zu werden - bislang mit geringem Erfolg.

Das auffällige Hochhaus, das keine drei Kilometer vom Eiffelturm entfernt 210 Meter in den Himmel ragt, hatte keine einfache Geburt. Von Anfang an habe es um den Montparnasse Streit gegeben, sagt Michèle Leloup, Mitverfasserin des Buchs "La Tour Montparnasse 1973-2013, je t'aime... moi non plus". Stadt und Staat hätten Paris damals verschönern und "von den Elendsquartieren dieses hochbetagten Viertels" im südlichen Zentrum befreien wollen. Ein heftiger Streit zwischen Modernisierern und Konservativen entbrannte. Es dauerte elf Jahre, bis die Bauarbeiten 1969 begannen. Nach Fertigstellung war das Montparnasse-Haus jahrzehntelang das höchste Gebäude Frankreichs.

Schon damals kamen Sorgen wegen des Isolierungsmaterials auf. "Wir wussten, dass dieses Produkt voller Asbest gefährlich war. Wir haben aber weiter gearbeitet", sagt der ehemalige Bauleiter Jean-Paul Lopez. Die erste Warnung kam dann 1995, als ein Anti-Asbest-Ausschuss den Montparnasse in eine Liste aufnahm. Alle der dort aufgeführten 150 öffentlich genutzten Gebäude waren demnach asbestbelastet. Erst knapp zehn Jahre darauf begannen die Arbeiten zur Asbest-Entseuchung des Turms, in dem mehr als 5000 Menschen arbeiten.

Bei Nacht schöner als am Tag

Bei Touristen ist der Wolkenkratzer wegen seiner Aussichtsplattform im obersten Stockwerk mit einem spektakulären Blick über ganz Paris beliebt. Der Montparnasse-Turm zählt zu den zehn meistbesuchten Attraktionen der Stadt, an klaren Tagen reicht die Sicht bis zu 40 Kilometer weit. Auch das "Le Ciel de Paris" im 56. Stock lockt als eines der höchsten Restaurants Europas viele Gäste an.

Feierlich wurde vor eineinhalb Jahren eine Lichtinstallation eingeweiht, die den Turm in der Pariser Nacht leuchten lässt. Dies sollte das Zeichen für "das Ende einer Etappe" sein, sagte ein Sprecher des Gebäudekomplexes im März 2012 der Zeitung "Le Figaro".

2012 sollte die Asbestbereinigung eigentlich beendet sein. Doch ein Jahr später wurden erneut die Grenzwerte für Asbest in dem Hochhaus überschritten. "Zwischen 9 und 18 (Asbest-)Fasern pro Liter" Luft stellte ein Verband der Eigentümer des Gebäudekomplexes in mehreren Stockwerken Ende Juni fest. Damit wurde der Grenzwert von fünf Fasern pro Liter zum Teil um mehr als das Dreifache überschritten. Ein Finanzdienstleister zog daraufhin Hunderte Angestellte aus dem Turm ab, gefolgt von einer Versicherung. Das gab der Debatte neuen Zündstoff.

"In diesem Turm gab es fast so etwas wie ein Gesetz des Schweigens", sagt Alain Bobbio von der landesweiten Asbestopfer-Vereinigung Andeva. "Den Leuten ist nicht gesagt worden, dass das gefährlich ist." Bobbio fordert nun jene radikale Lösung, die vor fast zehn Jahren vermieden werden sollte: "Das Beste ist es, alle Leute ausziehen zu lassen." Danach könne systematisch der Asbest aus dem Hochhaus entfernt werden und die Angestellten könnten später wieder einziehen. Im Moment sei der Montparnasse-Turm jedenfalls "eine Zeitbombe für die Gesundheit" der Menschen.

sto/AFP



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z_beeblebrox 12.09.2013
1. Frechheit
---Zitat von SPON--- "Wir wussten, dass dieses Produkt voller Asbest gefährlich war. Wir haben aber weiter gearbeitet", sagt der ehemalige Bauleiter Jean-Paul Lopez. Die erste Warnung kam dann 1995, ... ---Zitatende--- Eine absolute Frechheit ist es, in 1969 in Frankreich / Paris noch ein Haus mit Asbest zu bauen. Bereits um 1900 wusste man schon von den erheblichen Gefahren dieses Werkstoffes: Asbest - Entdeckung der Gesundheitsgefahren (http://de.wikipedia.org/wiki/Asbest#Entdeckung_der_Gesundheitsgefahren) Eine Schande, dass die EU sage und schreibe über 90 Jahre gebraucht hat, diesen Werkstoff zu verbieten (wobei es immer noch vier Produkt-Ausnahmen gibt). Interessanterweise sind die Asbest-Alternativen auch nicht so ungefährlich, wie oft dargestellt. So werden z.B. die Aluminiumsilikatfasern (annähernd so schädlich wie Asbest) tonennweise in Auto-Katalysatoren oder im Ofenbau verbaut (auch in Deutschland). Selbst Mineral- (Stein-) und Glaswollen sind gesundheitlich sehr bedenklich. Das sollte manchem Häuslebauer zu denken geben - ergo unbedingt eine Atemschutzmaske verwenden. Eine Umwelt- und Gesundheitskatastrophe ist es, dass viele Länder (Russland, China etc.) und auch noch Kanada nach wie vor Millionen Tonnen an Asbest abbauen und Asbestteile produzieren, um sie dann hauptsächlich in "armen" Ländern wie Indien, China etc. tonnenweise zu verbauen. Ein absoluter Skandal und eine große Dreistigkeit ist es, dass die Produzenten den Weißasbest (Chrysotil) wieder salonfähig machen wollen - inkl. EU.
awild100 12.09.2013
2.
Zitat von z_beeblebroxEine absolute Frechheit ist es, in 1969 in Frankreich / Paris noch ein Haus mit Asbest zu bauen. Bereits um 1900 wusste man schon von den erheblichen Gefahren dieses Werkstoffes: Asbest - Entdeckung der Gesundheitsgefahren (http://de.wikipedia.org/wiki/Asbest#Entdeckung_der_Gesundheitsgefahren) Eine Schande, dass die EU sage und schreibe über 90 Jahre gebraucht hat, diesen Werkstoff zu verbieten (wobei es immer noch vier Produkt-Ausnahmen gibt). Interessanterweise sind die Asbest-Alternativen auch nicht so ungefährlich, wie oft dargestellt. So werden z.B. die Aluminiumsilikatfasern (annähernd so schädlich wie Asbest) tonennweise in Auto-Katalysatoren oder im Ofenbau verbaut (auch in Deutschland). Selbst Mineral- (Stein-) und Glaswollen sind gesundheitlich sehr bedenklich. Das sollte manchem Häuslebauer zu denken geben - ergo unbedingt eine Atemschutzmaske verwenden. Eine Umwelt- und Gesundheitskatastrophe ist es, dass viele Länder (Russland, China etc.) und auch noch Kanada nach wie vor Millionen Tonnen an Asbest abbauen und Asbestteile produzieren, um sie dann hauptsächlich in "armen" Ländern wie Indien, China etc. tonnenweise zu verbauen. Ein absoluter Skandal und eine große Dreistigkeit ist es, dass die Produzenten den Weißasbest (Chrysotil) wieder salonfähig machen wollen - inkl. EU.
Unfassbar, dass die EU vor Allem zwischen 1900 und 1957 so rein gar nicht dagegen gemacht hat. Wie soll man das nur verstehen und werden Sie mit dieser Erkenntnis zurechtkommen? :-)
TheGossip 13.09.2013
3. Partikelgröße
Zitat von z_beeblebroxEine absolute Frechheit ist es, in 1969 in Frankreich / Paris noch ein Haus mit Asbest zu bauen. Bereits um 1900 wusste man schon von den erheblichen Gefahren dieses Werkstoffes: Asbest - Entdeckung der Gesundheitsgefahren (http://de.wikipedia.org/wiki/Asbest#Entdeckung_der_Gesundheitsgefahren) Eine Schande, dass die EU sage und schreibe über 90 Jahre gebraucht hat, diesen Werkstoff zu verbieten (wobei es immer noch vier Produkt-Ausnahmen gibt). Interessanterweise sind die Asbest-Alternativen auch nicht so ungefährlich, wie oft dargestellt. So werden z.B. die Aluminiumsilikatfasern (annähernd so schädlich wie Asbest) tonennweise in Auto-Katalysatoren oder im Ofenbau verbaut (auch in Deutschland). Selbst Mineral- (Stein-) und Glaswollen sind gesundheitlich sehr bedenklich. Das sollte manchem Häuslebauer zu denken geben - ergo unbedingt eine Atemschutzmaske verwenden. Eine Umwelt- und Gesundheitskatastrophe ist es, dass viele Länder (Russland, China etc.) und auch noch Kanada nach wie vor Millionen Tonnen an Asbest abbauen und Asbestteile produzieren, um sie dann hauptsächlich in "armen" Ländern wie Indien, China etc. tonnenweise zu verbauen. Ein absoluter Skandal und eine große Dreistigkeit ist es, dass die Produzenten den Weißasbest (Chrysotil) wieder salonfähig machen wollen - inkl. EU.
Ich glaube, unabhängig vom Material ist eine bestimmte einzuatmende Partikelgröße durchweg geeignet, sich in der Lunge festzusetzen: abgeriebene Bremsbeläge, Dieselabgase, Asbeststaub, Feststoffe in Produktions-Abgasen allgemein, und natürlich der Feinstaub beim Kohleabbau oder beim Zersägen von Eternit-Platten.
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