Tourismus: Auf Mallorca herrscht nach Anschlägen Normalbetrieb

Business as usual: Mallorca-Reisende lassen sich von den Anschlägen auf der Ferieninsel ihre Urlaubslaune nicht verderben. Reiseveranstalter und Fluglinien melden nur vereinzelte Nachfragen nach Stornierungsmöglichkeiten.

Hannover/Oberursel/Frankfurt/Main - Das Image Mallorcas als eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen könnte nach den neuerlichen Bombenanschlägen einen Kratzer abbekommen. "Das führt sicher zu einem Nachdenken", sagte Ulrich Reinhardt, Tourismusexperte des B.A.T.-Freizeitforschungsinstituts in Hamburg, am Montag.

Stornierungen oder verfrühte Abreisen seien jedoch nicht zu erwarten. "Die Leute ändern vielleicht ihr Verhalten auf der Insel und meiden Massenveranstaltungen, aber kaum jemand wird seine Reise deshalb stornieren", sagte Reinhardt. Auch nach früheren Anschlägen hätten sich die Reisegewohnheiten nicht verändert.

Mit den Bombenanschlägen auf Mallorca ist erstmals eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen ins Visier der ETA geraten. Doch dürfte trotz der Anschläge Mallorca nach Ansicht von Reinhardt in der Gunst der Deutschen weiterhin vorne liegen - auch aus Mangel an Alternativen. Andere Reiseziele in der Umgebung böten kein entsprechendes Angebot an Restaurants, Bars und schnellen Flugverbindungen. "Um etwas Vergleichbares zu erleben, müsste man schon deutlich weiter weg fahren."

Auch Karl Born, Professor für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Harzin Wernigerode, befürchtet keine großen Auswirkungen der Anschläge auf die Reiselust der Deutschen. "Ich denke, das allein wird jetzt noch nicht dazu führen, dass morgen der Buchungsstrom nach Mallorca abbricht", sagte Born am Sonntag. Anders wäre es jedoch, "wenn die Balearen-Insel jetzt ein ganz neues Aktionsziel der ETA sein sollte, dann wird es irgendwann auch nicht ohne Auswirkungen bleiben".

Air Berlin: Keine Verunsicherung spürbar

Behörden, Reiseveranstalter und Fluggesellschaften bemühten sich um Beschwichtigung. "Wir haben keine Anzeichen dafür, dass es zu mehr Umbuchungen oder Stornierungen kommt", sagte die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Sibylle Zeuch, am Montag. Die Bundesregierung sieht auch weiterhin keinen Grund für eine Reisewarnung.

DRV-Sprecherin Zeuch berichtete von einer sehr besonnenen Reaktion der Touristen. Sie seien auch nicht im Visier. Nach Angaben des Spanischen Fremdenverkehrsverbandes halten sich derzeit rund 170.000 deutsche Touristen auf der Baleareninsel auf.

Ähnlich wie der DRV äußerte sich die Fluggesellschaft Air Berlin, die derzeit 380 Mal in der Woche von Deutschland nach Mallorca fliegt. Es sei keine allgemeine Verunsicherung spürbar. "Bis jetzt haben wir nur sehr vereinzelt Nachfragen nach Stornierungsmöglichkeiten", sagte Sprecherin Alexandra Müller.

Anders als beim letzten Anschlag im Juli war der Flugbetrieb nicht beeinträchtigt. Damals wurde der betriebsame Flughafen für Stunden geschlossen und die Insel abgeriegelt, um die Attentäter zu fassen.

Für die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa ist Mallorca ohnehin nur ein kleiner Nischenmarkt. Das Unternehmen bietet von allen ihren deutschen Flughäfen nur neun Flüge in der Woche auf die Insel an. "Bei uns ist das zu vernachlässigen", sagte Sprecher Thomas Jachnow.

Auch die deutschen Reiseveranstalter rechnen nicht mit Einbrüchen im Mallorca-Geschäft. Die touristische Infrastruktur sei durch die Anschläge der ETA am Sonntag nicht getroffen, sagte eine TUI-Sprecherin in Hannover. In der Tourismusbranche auf der spanischen Ferieninsel herrsche "Normalbetrieb". Die Sorge, dass viele Deutsche nun andere Sonnenziele vorziehen könnten, gebe es nicht.

"Die Gäste vor Ort sind sehr ruhig und gelassen", sagte TUI-Sprecherin Anja Braun. Mathias Brandes von Thomas Cook berichtete von einem normalen Betrieb am Flughafen in Palma de Mallorca. Es gebe von den Gästen keine Wünsche, vorzeitig zurückzukehren.

Auswärtiges Amt: Vorsicht vor Menschenansammlungen

Ähnlich schätzen auch andere Veranstalter die Lage ein: Viele Kunden erkundigten sich zwar nach möglichen Einschränkungen beim Urlaub, aber nur wenige überlegten, die Reise nicht anzutreten, sagte ein Sprecher von Neckermann in Oberursel.

Auch für die kommenden Wochen sei daher nicht von einem deutlichen Rückgang der Buchungen auszugehen. Bei den Gästen, die derzeit mit Neckermann auf Mallorca Urlaub machen, sei der Wunsch, vorzeitig abzureisen, überhaupt noch nicht zu hören gewesen.

Ähnlich bewerten FTI in München und Alltours in Duisburg oder die Veranstalter der Rewe Touristik in Köln die Lage in den Ferienzentren auf der Baleareninsel. Beeinträchtigungen für Urlauber gebe es praktisch nicht, sagte eine Sprecherin von FTI. Allenfalls die erhöhte Polizeipräsenz sei für die Urlauber bemerkbar. Es sei daher unwahrscheinlich, dass sich viele Deutsche von Reisen auf ihre Lieblingsinsel abhalten lassen. "Anders wäre es sicher, wenn die Anschläge Touristen getroffen hätte."

Für das Auswärtige Amt sind die neuerlichen Bombenanschläge kein Grund für eine Reisewarnung. "Es ist noch nicht die Situation, dass wir von Reisen nach Mallorca dringend abraten", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier dem Sender N24. Sein Ministerium rät aber, Menschenansammlungen zu meiden und sich umsichtig zu verhalten.

abl/dpa/AP

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