"Do you speak touriste": Paris soll freundlicher werden

Charme-Offensive an der Seine: Nach reichlich Negativschlagzeilen sorgt man sich in Paris um das Image als Touristenmetropole. Die Einwohner sollen die ausländischen Gäste besser behandeln. Eine Anleitung im Internet gibt Ratschläge - und erklärt die Deutschen.

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Pferdekutsche vorm Eiffelturm: Die Pariser sollen die Touristen besser behandeln

Paris - Nach anhaltenden Klagen über die unfreundliche Behandlung ausländischer Touristen will die französische Hauptstadt die Geschäftsleute dazu bringen, ihr Verhalten zu ändern. "Do you speak touriste" heißt die Kampagne, die vom Fremdenverkehrsamt der Region Paris zusammen mit der französischen Industrie- und Handelskammer am Dienstag gestartet wurde. Auf die verschiedenen Nationalitäten soll künftig einfühlsamer eingegangen werden.

"Wir wollen gegen den Ruf als schlechte Gastgeber ankämpfen", erläutert der Chef des Fremdenverkehrsamts Jean-Pierre Blat. Die Geschäftsleute im Tourismussektor - ob Hoteliers, Restaurantbetreiber oder Taxifahrer - müssten stärker auf die Bedürfnisse ihrer ausländischen Kundschaft eingehen. "Man empfängt einen Japaner nicht auf die gleiche Art und Weise wie einen Italiener, es gibt kulturelle Codes."

Hintergrund der Kampagne sind nicht nur die schwächeren Zahlen bei den französischen Besuchern. Auch bei den ausländischen Gästen gibt es eine Verschiebung: Den höchsten Zuwachs mit einem Plus von 15 Prozent verzeichneten die Behörden im vergangenen Jahr bei chinesischen Touristen - aus den Eurokrisenländern Spanien und Italien, die den Franzosen kulturell sehr viel näher stehen, kamen hingegen deutlich weniger Besucher. Weltweit lagen Paris und sein Umland mit 29 Millionen Besuchern im Jahr 2012 an der Spitze der touristischen Ziele.

Mehr Sicherheit für Touristen

Zuletzt machte die Seine-Metropole im Ausland allerdings mit einer ganzen Reihe Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam: Die Mitarbeiter im weltberühmten Louvre-Museum streikten wegen organisierter Taschendieb-Banden, ganze Gruppen von chinesischen Besuchern wurden systematisch ausgeraubt und ein Touristen-Bus von randalierenden Fußballfans am Eiffelturm attackiert.

Vor allem die Chinesen lassen viel Geld in der französischen Hauptstadt: Schätzungen zufolge geben sie 60 Prozent ihres Reisebudgets bei Einkäufen aus, vor allem in Luxusboutiquen. Kein Wunder also, dass 75 renommierte französische Modehäuser, darunter Chanel, Dior und Yves Saint Laurent, Ende Mai verschärfte Sicherheitsmaßnahmen forderten. "Diese Unsicherheit ist ein direkter Angriff auf die Arbeitsplätze" der Branche, hieß es. Die Polizei verstärkte im Juni ihren Einsatz, bereits zuvor waren täglich 200 Beamte in der Metro und rund um die wichtigsten Touristenziele auf Streife.

Nun sollen auch die Geschäftsleute ihren Teil beitragen, damit Paris attraktiver wird. Seit Dienstag werden Broschüren verteilt, in denen praktische Informationen zum Umgang mit den Fremden gegeben werden. Auch im Internet sind die Empfehlungen für elf Nationalitäten abrufbar. Bei den Deutschen etwa, so steht zu lesen, sei der Händedruck zur Begrüßung üblich. Auch klare und präzise Informationen, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie Sauberkeit seien den Nachbarn von der anderen Rheinseite besonders wichtig.

Die Geschäftsleute der Tourismusbranche erfahren außerdem, dass die Deutschen ihr Frühstück im Durchschnitt später einnehmen als andere Nationen: zwischen 8.30 Uhr und 10 Uhr, während die Chinesen schon zwischen 7 und 8 Uhr in den Tag starten. Wer es besonders ernst meint mit seinen Anstrengungen, die ausländischen Besucher zu bezirzen, der kann sich auf der Internetseite sogar die Sprache des jeweiligen Landes anhören und versuchen, so ein paar Brocken Deutsch, Spanisch, Niederländisch, Japanisch oder Chinesisch zu lernen.

dkr/afp

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Englisch wäre schon hilfreich
bitboy0 18.06.2013
Die Weigerung der Franzosen auch englisch sprechen zu WOLLEN ist das größte Hindernis in meinen Augen. wirklich überall in Europa kann man sich mit etwas Englisch helfen, aber nicht in Frankreich ... höchstens ganz junge Menschen sind da auf einer offeneren Basis.
2. Mehr Freundlichkeit überall vonnöten
raber 18.06.2013
Als weltweite Touristenstadt Nr. 1 sollte Paris freundlicher zu den Touristen (=Geldbringer) sein und auch mehr englisch können. Ich habe auch schon erlebt wie Pariser einem Touristen antworteten, daß sie kein englisch können und ich wusste 100%-ig, daß diese Personen es beherrschten. Andererseits sollten deutsche Städte mit ihrer mickrigen Touristenanzahl erst recht ihre Freundlichkeit gegenüber Touristen und Ausländern stark verbessern; siehe Bundeshauptstadt Berlin, Hamburg, München.
3.
maledicto 18.06.2013
Zitat von sysopParis soll freundlicher werden
Lol. Viel Glück.
4. Messieursdames,
danubius 18.06.2013
vous êtes en France ... In Deutschland wollen wir, dass der Ausländer deutsch spricht - et maintenant? Bonne chance
5. Es ist kein Sprachproblem...
parismatique 18.06.2013
...sondern die genetische Unfähigkeit der Pariser, Fremden gegenüber freundlich oder gar herzlich sein zu können (selbstverständlich nehme ich hier ausdrücklich meine Nachbarn und die Leute in meinem Quartier aus, aber wir kennen uns schon seit 27 Jahren). Mir ist es ohnehin lieber, wenn Franzosen französisch sprechen, denn sie verändern jede Art von Fremdsprache ins Unkenntliche. Es gibt Ausnahmen, aber die sind dann so schlagend, dass sie allein wegen ihrer Fremdsprachenkenntnisse einen Topjob in der Regierung bekommen -- wie Mme Lagarde, die als Wirtschafte- und Finanzministerin weder von Wirtschaft noch von Finanzen eine Ahnung hatte. Dass sie mehrere zusammenhängende, für das jeweilige Gegenüber verständliche Sätze in Englisch äussern konnte, beeindruckte den kleinen Nicolas Sarkozy derart, dass er sie sogar dem Weltwährungsfonds aufs Auge drückte. Verständlich, denn der ehemalige Präsident musste sich einst diplomlos aus dem Studium verabschieden, weil sein Englisch schon damals so katastrophal war wie heute immer noch. PS: Von den 29 Millionen Paris-Touristen muss man übrigens 16 Millionen Disneyland-Besucher abziehen, die oft in der Tat nur das "Umland" von Paris besuchen.
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