Hamburg - Im Urlaub zu Hause bleiben? Das kommt für viele Deutsche nicht in Frage: Für eine Reise in diesem Jahr sparen die Bundesbürger nach einer Tourismusanalyse möglichst jeden Cent. Sie würden lieber im Alltag den Gürtel etwas enger schnallen, als die "besten Wochen des Jahres" zu Hause zu verbringen, teilte die Stiftung für Zukunftsfragen am Mittwoch in Hamburg mit.
Doch das klappt nicht bei allen. Jeder Zweite, der 2011 daheim blieb, gab dafür finanzielle Gründe an. Vor fünf Jahren seien dies nur 41 Prozent gewesen. Die Stiftung befragte im Januar 4000 Menschen im Alter ab 14 Jahren zu ihren Reiseplänen für 2012.
Laut Tourismusanalyse haben 45 Prozent der Befragten fest geplant, in diesem Jahr mindestens fünf Tage zu verreisen. Ein Drittel sei zwar noch unsicher, ob es sich eine Reise leisten kann. Aber die Erfahrung zeige, dass sich von ihnen wiederum ein Drittel auf den Weg macht, sagte Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung. Somit wird die Zahl derer, die länger verreisen, wieder deutlich über 50 Prozent liegen.
15 Tage Urlaub kann sich nur jeder Zehnte leisten
Besonders Niedrigverdiener können sich immer seltener Urlaub leisten. Nur noch 32 Prozent der Deutschen mit einem Monatsnetto unter 1500 Euro sind im vergangenen Jahr mindestens fünf Tage verreist. 2001 leisteten sich noch 34 Prozent dieser Einkommensgruppe Ferien, 1991 waren es sogar noch 45 Prozent.
Denn Ausgaben für Fahrt, Unterkunft, Souvenir und Trinkgeld von durchschnittlich 1012 Euro pro Person (2011) können sich nicht alle leisten. Das waren rund 68 Euro mehr als 2010. Dieses hohe Niveau wird sich 2012 stabilisieren, prognostiziert der Wissenschaftler. Jeder Vierte könne sich eine Reise aber nur 500 Euro kosten lassen.
"Die Reise muss bezahlbar bleiben. Das ist das A und O für die unteren Einkommensschichten", sagte Reinhardt. Die Touristikbranche sollte daher nicht in immer mehr teure Zusatzangebote investieren, sondern Maß halten. Auch für Familien wird Urlaub zum Luxusgut: Ihr Anteil sei weiter zurückgegangen, und künftig könne sich nur noch jede zweite Familie diese Auszeit gönnen.
Bevor ein Urlaub jedoch ins Wasser fällt, wird die Dauer der Reise gekürzt. Dabei gab es erstmals in der 30-jährigen Geschichte der Tourismusanalyse einen Umbruch: Der Anteil derjenigen, die zwischen 5 und 13 Tagen verreisen, war mit 27 Prozent höher als der der Langzeiturlauber, die 14 Tage unterwegs sind (26 Prozent). Mehr als zwei Wochen fernab der Heimat konnte sich nur jeder Zehnte leisten.
Pro Jahrzehnt habe sich die Reisedauer um zwei Tage verkürzt, sagte Reinhardt. In acht Jahren (2020) werde die durchschnittliche Urlaubsdauer bei etwa zehn Tagen liegen (2011: 12,4 Tage). Als Konsequenz daraus müssten Hotels und Pensionen ihren üblichen Wochenrhythmus für Buchungen weiter aufgeben, um Gäste zu halten. In diesem Jahr könne sich die Branche aber noch auf stabile bis leicht steigende Gästezahlen einstellen, sagte der Wissenschaftler.
In Deutschland wurden 2011 nach Hochrechnungen des Deutschen Tourismusverbandes rund 393 Millionen Übernachtungen gebucht; 2012 erwartet der Verband ein Plus von zwei Prozent.
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