Ölbohrungen vor der Küste: Tourismusbranche bangt um Image der Kanaren

Badestrände mit Bohrinsel-Blick? Spanien hat Probebohrungen nach Erdöl vor Lanzarote und Fuerteventura genehmigt - und die Touristiker sind in Aufruhr. Sie fürchten Umweltkatastrophen und ein beschädigtes Image der kanarischen Urlauberinseln. Doch die Regierung verweist auf die Arbeitslosigkeit.

Ölbohrungen vor den Kanaren: Touristiker sehen Urlaubsidylle in Gefahr Fotos
Transocean

Madrid - So schnell wird es vor den Kanarischen Inseln wohl kein Bohrinseln geben - dennoch herrscht in der Tourismusbranche auf den spanischen Ferieninseln große Sorge wegen der geplanten Probebohrungen nach Erdöl östlich von Lanzarote und Fuerteventura. "Entweder Tourismus oder Erdöl, beides zusammen lässt sich nicht miteinander vereinbaren", betonten die Fremdenverkehrsämter der Inseln.

Die spanische Regierung hatte dem Mineralölkonzern Repsol Ende voriger Woche Probebohrungen 60 Kilometer vor den Küsten von Lanzarote und Fuerteventura erlaubt. Das Unternehmen vermutet dort die größten Erdölvorkommen, die je in der Geschichte Spaniens entdeckt wurden. Das Öl könne zehn Prozent des gesamten spanischen Verbrauchs von 1,4 Millionen Barrel am Tag decken. Bisher muss das Land den Ölbedarf fast zu 100 Prozent mit Importen decken.

Die Madrider Regierung weist die Befürchtungen zurück, dass das Vorhaben verheerende Auswirkungen auf den Tourismus haben könnte. "Die Kanaren können nicht allein vom Fremdenverkehr leben, sie benötigen andere Einkommensquellen", betonte Industrieminister José Manuel Soria. Die Inselgruppe habe eine Arbeitslosenrate von 31 Prozent, obwohl sie im Vorjahr eine Rekordzahl von zwölf Millionen Urlaubern aufgenommen habe.

Potentielle Ölförderung frühestens in zehn Jahren

Die Tourismusbranche bangt um den Ruf der Kanaren als Ferienparadies. Die Regionalregierung kündigte an, das Vorhaben vor den Gerichten anfechten zu lassen. "Man behandelt uns, als wären wir eine im Atlantik verlorene Kolonie", beklagte sich der kanarische Regierungschef Paulino Rivero. Die Umweltschutzorganisation bezeichnete die Bohrungen als "unverantwortlich" und beschwor die Gefahr einer Umweltkatastrophe wie im Golf von Mexiko.

Ein TUI-Mitarbeiter warnte nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur Efe in einem Schreiben an die Inselverwaltung von Fuerteventura: "Eine Tragödie würde nicht nur eine Reisesaison ruinieren, sondern hätte auch zur Folge, dass potenzielle Besucher die Kanaren immer mit dem Öl in Verbindung bringen."

In der Zentrale des größten deutschen Reiseveranstalters sieht man dagegen die Lage eher entspannt. Allein die Tatsache, dass dort gebohrt werde, würde die Urlauber wohl noch nicht vertreiben, meinte eine Sprecherin. Das sei in der Nordsee ja auch nicht der Fall.

Aber auch nach der Genehmigung aus Madrid wird nicht morgen bei den Kanaren nach Öl gebohrt werden. Man schätzt, dass sich allein das administrative Verfahren noch zwei Jahre hinziehen wird. Die Erdölförderung dürfte wohl erst in etwa zehn Jahren aufgenommen werden.

Wie Limonade mit zwei Strohhalmen

Das Vorhaben ist auch nicht neu: Ende 2001 hatte die Regierung von José María Aznar schon einmal Probebohrungen bewilligt. Der Oberste Gerichtshof stoppte das Vorhaben 2004, weil er Verstöße gegen Umweltauflagen sah. Aznars Nachfolger José Luis Rodríguez Zapatero ließ die Pläne in der Schublade, weil er keinen Streit mit Marokko riskieren wollte.

Die vermuteten Erdölvorkommen liegen nämlich in einem Seegebiet, in dem die Grenzen nicht klar gezogen sind. Marokko hatte schon vor einiger Zeit einem Konsortium die Genehmigung zu einer Erkundung der Vorkommen erteilt. "Es macht doch keinen Sinn, wenn nur die Marokkaner dort Erdöl fördern würden", sagte der spanische Minister.

Vielleicht war es auch der Vorstoß Marokkos, der die Spanier zur Eile treibt. "Wenn Spanien zu lange wartet, kommt es am Ende zu spät", sagte der kanarische Wirtschaftsexperte Agustín Calzada der Zeitung "La Razón". "Das Erdölvorkommen ist wie ein Glas Limonade mit zwei Strohhalmen: Wer zuerst zu trinken beginnt, bekommt mehr Limonade ab."

Hubert Kahl, dpa

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Forum - Schluss mit der Urlauberidylle auf den Kanaren?
insgesamt 12 Beiträge
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1.
hjm 21.03.2012
Zitat von sysopUmweltschützer und Touristiker protestieren gegen Probeölbohrungen vor Fuerteventura und Lanzarote, doch die spanische Regierung argumentiert mit Arbeitsplätzen. Was ist Ihre Meinung?
In Sachen „Urlauberidylle“ spielt es keine Rolle, wer die Oberhand gewinnt. Sind es die Ölfirmen, darf man nicht mehr frei rumlaufen, weil überall Bohrtürme stehen. Sind es die Umweltschützer, darf man nicht mehr frei rumlaufen, weil vom Rumlaufen die Umwelt kaputt geht. Statt Idylle gibt es in beiden Fällen nur noch das eingezäunte Urlaubergehege mit Infotafel und Eisdiele. So wie es an der deutschen Nordseeküste heute schon ist. Als einziges Entscheidungskriterium bleiben dann die Ennahmen vom Öl, denen die andere Seite nichts entgegenzusetzen hat, und von denen man sich immerhin eine Reise an einen anderen Ort kaufen kann, wo man noch frei ist, die Natur zu genießen.
2. ¿y qué?
Hamberliner 21.03.2012
Zitat von sysopUmweltschützer und Touristiker protestieren gegen Probeölbohrungen vor Fuerteventura und Lanzarote, doch die spanische Regierung argumentiert mit Arbeitsplätzen. Was ist Ihre Meinung?
60 km sind weit genug weg von der Küste. Eine Weiterentwicklung von Sicherheitsstandards und deren Überwachung wär nicht verkehrt. In meiner Kindheit war es an bestimmten Stränden Spaniens normal, dass man hin und wieder einen schwarzen Klumpen unter der Fußsohle kleben hatte, was kein Hundekot war sondern Rohöl-Rückstände von Tankern. Damit rechne ich heute nicht mehr, auch nicht 60km von der nächsten Offshore-Ölförderanlage entfernt.
3. geologisch jung
Astir01 31.05.2012
Zitat von sysopUmweltschützer und Touristiker protestieren gegen Probeölbohrungen vor Fuerteventura und Lanzarote, doch die spanische Regierung argumentiert mit Arbeitsplätzen. Was ist Ihre Meinung?
Mich wundert, dass man dort überhaupt nach Öl suchen möchte. Obwohl die beiden genannten mit 22 bzw. 15 Mio. Jahren die ältesten Inseln der Gruppe sind, so wurden bei ihrer Entstehung durch Vulkanismus garantiert alle organischen Bestandteile des Gesteins buchstäblich "herausgekocht", und der (geologisch) kurze Zeitraum seither reicht wohl kaum aus, um die für die Erdölentstehung nötigen Sedimentations- und Umwandlungsprozesse von organischer Materie ablaufen zu lassen. Ich würde in den erloschenen Vukanen lieber nach Mineralien suchen.
4. Meine
chico 76 31.05.2012
Zitat von sysopUmweltschützer und Touristiker protestieren gegen Probeölbohrungen vor Fuerteventura und Lanzarote, doch die spanische Regierung argumentiert mit Arbeitsplätzen. Was ist Ihre Meinung?
Meinung ist, dass ein Staat, der derzeit eine hohe Arbeitslosenquote hat, das Recht hat, nach Öl zu suchen, wo er es für richtig hält. Arbeitslose in Spanien fallen wesentlich härter als bei uns. Die Ernährung einer Familie geht vor Umweltschutz. Wenn Umweltschutz Vorrang hätte, würden z.B. in China heute noch Menschen verhungern.
5. die beste Lösung
spon-facebook-642818316 04.12.2012
Zitat von sysopUmweltschützer und Touristiker protestieren gegen Probeölbohrungen vor Fuerteventura und Lanzarote, doch die spanische Regierung argumentiert mit Arbeitsplätzen. Was ist Ihre Meinung?
Kein Problem die beste Lösung mit dem Unternehmen Ihr Spezialist für Ausflugpackete in ganz Ägypten, aegypten ausfluege, Ägypten Reisen und Urlaub (http://www.aegypten-ausfluege.de)
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