Frankfurt/Den Haag - Auf einem Flug von Ägypten nach Amsterdam soll ein Pilot am Steuer eines Passagierflugzeugs mehrere Minuten lang fest geschlafen haben. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Vereinigung Cockpit bereits am 20. September 2012. Der Co-Pilot war alleine im Cockpit gewesen, weil sein Partner zur Toilette gegangen sei, teilte die Gewerkschaft mit. Als sich dieser nach der kurzen Pause zurück ans Steuer setzen wollte, sei ihm die Tür zum Cockpit durch den Co-Piloten nicht geöffnet worden.
Anrufe über das Bordtelefon seien erfolglos geblieben, erst gemeinsam mit der Kabinenbesatzung habe sich die Tür öffnen lassen. "Das Flugzeug war in der Zwischenzeit minutenlang führerlos", sagte Jörg Handwerg, der Sprecher der Vereinigung Cockpit. Die Maschine wurde über einen Autopiloten gesteuert.
Laut der Flugsicherheits-Webseite Aviation Herald war das Flugzeug eine Boeing 737-800 der niederländischen Transavia Airlines. Die Fluggesellschaft mit Heimatbasis in Amsterdam ist ein Tochterunternehmen von Air France/KLM.
Die Maschine war auf dem Weg von Hurghada in Ägypten nach Amsterdam. Nach Angaben der Pilotenvereinigung wird der Zwischenfall, der sich in der Nähe der griechischen Urlaubsinsel Kreta ereignet haben soll, durch die niederländische Behörde für Flugunfalluntersuchung als schwere Störung eingestuft. Der Pilot muss laut Aviation Herald trotzdem keine Strafe befürchten.
"Eingeschlafene Piloten bedeuten eine Gefährdung für die Flugsicherheit", sagte Handwerg. "Flugdienstzeiten müssen grundsätzlich so sein, dass Piloten ohne gefährliche Übermüdung arbeiten können. Das sind sie zurzeit leider nicht."
Zu diesem Ergebnis kam auch die European Cockpit Association (ECA) im Herbst vergangenen Jahres. In einer Studie kam ans Licht, dass jeder dritte Pilot in Europa schon einmal während eines Fluges eingeschlafen ist - ohne dass der Co-Pilot davon wusste. Auch in der Erhebung des portugiesischen Instituts für Zivilluftfahrt (Inac) kam kürzlich heraus, dass das Personal im Cockpit oft übermüdet ist. Von den 456 befragten Piloten gab jeder Zweite zu, schon einmal während eines Fluges ungewollt eingeschlafen zu sein. 91 Prozent der Studienteilnehmer räumten sogar ein, sie hätten aufgrund von Übermüdung im Cockpit Fehler gemacht.
Die Vereinigung Cockpit setzt sich für verbesserte Arbeitsbedingungen der Piloten ein. Die Gewerkschaft hatte zuletzt eine neue Dienstzeitenregelung der EU scharf kritisiert, die ab Mitte 2013 gelten soll.
jus/sto/dpa
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