Risiko-Karte für Geschäftsreisende Wie sicher ist die Welt?

Terrorgefahr, Seuchen, Naturkatastrophen: Geschäftsreisende können sich nicht immer aussuchen, wo sie unterwegs sind. Die Travel-Risk-Map eines Sicherheitsdienstleisters zeigt, wo Gefahren lauern.

Travel Risk Map von 2018
Travelriskmap.com

Travel Risk Map von 2018

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2011 bescherte der Arabische Frühling den Beratern viel Arbeit, 2015 waren es die Anschläge in Europa. In diesem Jahr sei die Welt ruhiger geworden, sagt Frédéric Balme, General Manager Germany von International SOS, dem SPIEGEL. Der Sicherheitsdienstleister für Geschäftsreisen gibt am Donnerstag gemeinsam mit Control Risks die "Travel Risk"-Weltkarte für 2019 heraus, auf der die Länder nach Höhe der Sicherheits- und medizinischen Risiken eingestuft werden (hier finden Sie die Karte).

Lediglich die Krise in Südkorea, ein für Deutschland wirtschaftlich wichtiges Land, habe Anfang 2018 für viele Anfragen von Unternehmen gesorgt, sagt Balme. Und auch einige Naturkatastrophen, etwa die Erdbeben in Indonesien oder die Hurrikane in den USA. Im Fokus bleiben Länder wie Brasilien und Venezuela. Dort haben politische Maßnahmen Flüchtlingsströme ausgelöst, was wiederum Auswirkungen auf die Stabilität der Region haben kann.

International SOS mit Sitz in London und Singapur sichert Geschäftsreisende ab - mit Vorbereitungen, Tracking und im Notfall weiteren Maßnahmen. Informanten vor Ort helfen bei der Einschätzung von Fragen wie: Wie hoch ist das Risiko durch Terror und Gewalt? Wie gefährlich der Straßenverkehr? Und wo gibt es medizinische Probleme wie Dengue-Fieber und Malaria?

Georgien so sicher wie Deutschland

2018 habe es aufgrund von Reiserisiken deutlich weniger Änderungen der Pläne von Geschäftsreisenden gegeben als zuvor, sagt Balme. Laut der Travel Risk Map ist das Sicherheitsrisiko in den Ländern wie Norwegen, Slowenien und der Schweiz "unbedeutend", in den USA, Chile, Namibia, Deutschland und sonstigen europäischen Ländern etwa ist es "niedrig". Positiv hat sich laut International SOS die Lage in folgenden Ländern entwickelt, was zu einer niedrigeren Risikoeinstufung führte:

  • Tripolis und der größte Teil des Bekaa-Tals in Libanon: von hoch auf mittel, da es zu weniger Angriffen und Gewaltausbrüchen zwischen rivalisierenden Gruppen kam;
  • Aserbaidschan: von mittel auf niedrig, da die Kriminalitätsrate in der Hauptstadt Baku niedrig bleibt und die Antiterrorfähigkeiten der Sicherheitskräfte wirksam sind;
  • Georgien: von mittel auf niedrig, da das Sicherheitsumfeld des Landes stabil ist;
  • Mombasa in Kenia: von hoch auf mittel, da es zu weniger militanten Aktivitäten und sozialen Unruhen kommt.

"Extrem hoch" bleibt das Sicherheitsrisiko in Ländern wie Somalia, Südsudan, Libyen, Jemen, "hoch" in Ländern wie Pakistan, Teilen Indiens oder Venezuela. Negativ hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr in diesen Ländern entwickelt:

  • in den Regionen Baja California, Colima, Tabasco und Veracruz in Mexiko: Die Risikoeinstufung änderte sich von mittel auf hoch, aufgrund organisierter Drogenkriminalität und Gewalt;
  • Hauptstadt Male und Addu City (Addu Atoll) in den Malediven: von niedrig auf mittel, aufgrund anhaltender politischer Spannungen und Unruhen;
  • Nicaragua: von mittel auf hoch, aufgrund anhaltender politischer Unruhen und Gewalt;
  • in den Provinzen Tapoa, Komandjari und Kompienga in Burkina Faso: von mittel auf hoch, aufgrund bewaffneter Überfäller und militanten Aktivitäten.

"Dengue-Fieber nicht zu stoppen"

2019 rechnet der General Manager Frédéric Balme mit instabilen Lagen zum Beispiel in:

  • Algerien: Dort wird der schwerkranke Präsident Abd al-Aziz Bouteflika im Frühjahr für eine fünfte Amtszeit kandidieren;
  • dem Mittleren Osten aufgrund der Rivalität zwischen Iran und Saudi-Arabien, die Folgen für die gesamte Region hat.
  • Brasilien hält Balme nach der Wahl des rechtsradikalen Jair Bolsonaro zum Präsidenten für unsicherer als Südafrika.

Anders als Gefährdungen durch politische Lagen, Terror oder Naturkatastrophen ändern sich medizinische Risiken im Allgemeinen nicht so schnell, sagt Stefan Eßer, Ärztlicher Leiter Zentraleuropa bei International SOS. Bei Sicherheitskrisen jedoch verschlechtere sich oft auch die Gesundheitsversorgung - zurzeit etwa in Venezuela. Verbessert habe sich das Gesundheitssystem in der Türkei und osteuropäischen Ländern wie Rumänien. Aktuell sieht Eßer diese Entwicklungen:

  • Die Ausbreitung des Dengue-Fiebers ist nicht zu stoppen, erste Fälle traten in Spanien und China auf.
  • Das Tuberkulose-Risiko ist in Ländern wie Russland oder China nicht im Griff.
  • Das Malaria-Risiko bleibt etwa in Länden Westafrikas hoch. Auch kommen erkrankte Reisende zurück, obwohl die Ansteckung durch Prophylaxe vermeidbar gewesen wäre.
  • Sogenannte Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Polio verbreiten sich heftig.

Die Travel Risk Map bietet nicht nur beruflich Reisenden und ihren Arbeitgebern einen Anhaltspunkt, sondern auch Urlaubern. Letztere sind mancherorts zum Teil allerdings höheren Risiken ausgesetzt, weil sie sich im Land bewegen und in weniger geschütztem Rahmen reisen. Beziehungsweise gibt es manche Länder auf der Welt, in die man wohl nur reist, wenn man dort arbeiten muss. Die Einschätzung des Auswärtigen Amts weicht daher für manche Länder ab.



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