Trends für den Wintersport Skier auf Diät

Die Skisaison läuft auf Hochtouren, und auf der Messe Ispo liegen schon die neuen Trends bereit: weniger Gewicht für Tourengeher, mehr Komfort für Problemfüße. Und auch die Optik ändert sich: Neon ist out, dafür kommt der Straßenlook auf die Piste.

Salewa / TMN

Statt bequem mit dem Lift den Berg hochzufahren, besteigen immer mehr Wintersportler selbst den Gipfel. Was sich langsam anbahnte, hat sich nun als ganz eigene Sportart durchgesetzt, sagt Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie.

Verstärkt werden sogar eigene Gebiete für die Tourengeher ausgewiesen. Und die Hersteller verbessern Jahr für Jahr die Ausrüstung, wie sich auf der Sportartikelmesse Ispo in München zeigt. Vornehmlich geht es hier um das Gewicht. Immer leichter sollen Skier und Schuhe sein.

Früher ging es um die Steigerung der "Performance" in der Abfahrt, wie Ebert es nennt. Man soll bestmöglich und bequem abfahren können. "Ob man 200 oder 300 Gramm mehr dabei hatte, war früher nicht wichtig." Heute aber soll ja erst einmal der Berg erklommen werden. Daher sind ein paar Gramm durchaus entscheidend - so wenig Gewicht und so viel Bewegungsfreiheit wie möglich.

  • Nur 987 Gramm wiegt zum Beispiel der neue Backland-Schuh von Atomic in der Aufstiegskonfiguration. Scott reduziert das Gewicht seiner neuen Skitouren-Stiefel Superguide Carbon durch den Einsatz von speziellen Carbon-Einlagen in der Schale. Zugleich verstärken diese die Steifheit.

  • Mit einer neuartigen, leichten Carbon-Bauweise drückt der Hersteller Blizzard beim Zero G Free Touring Ski das Gewicht. 945 Gramm je Brett kommen so bei der leichtesten Variante mit einer Mittelbreite von 85 Millimetern und einer Länge von 157 Zentimetern auf die Waage. Das Carbon ummantelt auch die Seitenwangen, was für Stabilität sorgt.

  • K2 hat in den vergangenen Jahren bereits das übliche Material des Skikerns wie Espe, Tanne oder Pappel durch das leichtere Holz der Paulownia ersetzt. Um 10 bis 15 Prozent wurde dadurch laut Hersteller das Gewicht reduziert. Die neue Generation mit dem Ski Wayback 82 ECOre hat nun einen Balsaholz-Kern mit integrierten Flachsfasersträngen. 1090 Gramm sind es je Brett mit 167 Zentimeter Länge.

  • Zudem verzichten die Hersteller teils zur Gewichtsreduktion auf Kanten an den Spitzen und Enden der Skier, erläutert die Messe München. Und Salomon ersetzt zum Beispiel an der Spitze des Skis MTN Lab den Holzkern durch eine leichtere wabenartige Verbundkonstruktion.

Bedenken bereitet Wintersportexperte Ebert aber die Frage: Wie lange halten die sehr leichten Materialien durch? Denn: Je leichter die Ausrüstung wird, desto eher kann es sein, dass ihr die rauen Bedingungen in den Bergen mit Nässe und Kälte etwas anhaben.

Skischuhe: Keine Blasen und Schwielen mehr

Mit Hilfe von individuell anpassbaren Innen- und Außenschuhen zum Skifahren sollten Schwielen und Blasen beim Wintersport keine Rolle mehr spielen. So ist es aber nicht immer. Daher bieten manche Hersteller nun auch noch Möglichkeiten an, den unter Einsatz von Wärme geformten Schuh zusätzlich gegen Druckstellen aufzurüsten.

Der innere Teil wird bereits in der Produktion in besonderer Weise vorgeformt. Es gibt eine Ausbuchtung an der Stelle, wo der Knöchel sitzt - eine besonders reizbare Hautregion. So vorgeformt ist diese Partie zum Beispiel mit Microcell-Material beim Modell Cochise Pro 130 für Freerider von Tecnica.

Wem das Anpassen des Innenschuhs nicht reicht, bekommt bei diesem Modell an den für Druckstellen kritischen Stellen um den Knöchel bis hin zum Mittelfuß zusätzlich Pads für extra Schutz. Oder ein Spezialist fräst an dieser Stelle Material ab. Das ist aber laut Unternehmen nur etwas für sogenannte Problemfüße. 90 Prozent der Sportler bräuchten gar keine Anpassung - weder durch Hitze noch durch den Spezialisten im zweiten Gang.

Den Knöchelbereich schützt auch Nordica besonders: Der neue Rennschuh Dobermann GP hat an diesen Stellen spezielle Polster aus Naturkork-Granulat, das mit Paraffin getränkt ist. Auch diese Innenschuhe werden erhitzt und schmiegen sich genau an den Fuß an.

50 bis 75 Prozent der Skifahrer in zu großen Schuhen

Wer sich nicht den ganzen Innenfuß individuell anpassen lässt, kann sich zumindest eine Einlegesohle beim Schuster anfertigen lassen. Das eignet sich auch für Skifahrer, die ihre Ausrüstung nur ausleihen. "Für mich ist die angepasste Innensohle ein Muss", sagt Alexander Dillig vom Deutschen Skilehrerverband.

Angepasste Innenschuhe hin oder her - das löst nicht das Problem, dass viele Skifahrer die falschen Schuhe tragen. "Ich schätze, dass 50 bis 75 Prozent der Skifahrer in zu großen Schuhen unterwegs sind", sagt Dillig. "Die Skischuhe haben eine recht harte Schale. Eine größere Größe ist einstweilen einfach komfortabler." Aber eben nicht gut für den Fuß. Ein Hinweis darauf zeigt der Verschluss: Wer die Schnallen auf den letzten beiden Rastern schließt, trage in der Regel zu große Schuhe.

Dillig rät zu einem Trick beim Anprobieren: Wer bei offenem Schuh mit den Zehenspitzen vorne fast anstößt, hat die richtige Größe gewählt. "Werden die Schnallen dann fixiert, wird der Fuß mit nach hinten gezogen, und er hat mehr Platz."

Mehr Komfort bei Brillen und Helmen

Auch für die Schutzausrüstung auf der Piste lassen sich die Hersteller einiges einfallen. "Brillen haben nun größere Sichtfelder", hat Alexander Dillig vom Skilehrerverband beobachtet. Seitlich reichen die Gläser weiter nach hinten. "Der Vorteil ist klar: Wenn ich seitlich ein recht großes Sichtfeld habe, sehe ich andere Skifahrer auf der Piste einen Tick früher."

  • Auch bei den Gläsern lassen sich die Firmen etwas einfallen: So haben manche Wechselgläser, die sich leicht aus der Fassung nehmen oder übereinanderziehen lassen. Andere setzen auf sich anpassende Gläser.

  • Uvex stellte auf der Ispo neu die stimu lens vor. Diese getönten Gläser sollen eine gefühls- und reaktionsbeeinflussende Wirkungen haben: Die grüne Scheibe mit dem englischen Namen alert für Alarm erhöht die Aufmerksamkeit bei Nebel, zugleich verstärkt die Scheibe den Lichteinfall.

  • Auf einen anderen, vermeintlichen Nebenaspekt legt K2 Wert, der aber ziemlich nervig sein kann an warmen Tagen: Die neuen Modelle Source und Source Z haben an der Oberseite des Rahmens einen Schutz, der verhindert, dass Schmelzwasser über die Scheibe läuft.

Auch die Helme werden immer leichter und damit komfortabler zu tragen. Wobei im Tourengehen auf die größtmögliche Gewichtsreduktion gesetzt wird:

  • Alpina hat beim Modell Snow Tour das Innenfutter auf ein Minimum reduziert. Der nur 330 Gramm schwere Helm kann sowohl zum Bergsteigen als auch für Skitouren benutzt werden. "Ich denke aber, dass mit dem Bereich um 300 bis 350 Gramm die Entwicklung ausgereizt ist", sagt Dillig. Mit dem Modell Vert will Salewa ebenfalls ohne Kompromisse bei der Sicherheit Kletter- und Skihelm verbinden.

  • Andere Hersteller setzen auf perfekten Tragekomfort: Uvex hat eine Art Haube in der Innenseite des Modells Jakk+. Sie passt sich wie eine eng anliegende Mütze optimal der Kopfform an, Rädchen zum Justieren braucht das Modell daher nicht. Head nimmt unter anderem die Brillenträger ins Visier, erklärt Produktmanager Max Thurner. Das Modell Knight kommt direkt mit fest integrierter Schutzbrille, so dass darunter bequem die Sehbrille getragen werden kann.

Und bei all der Technik, was ist mit der Wintersportmode? Die soll auch im Alltag tragbar sein. Das wünschen sich viele Sportler. Die Hersteller setzen das um, indem sie zum Beispiel die so farbenfrohen Jacken in Teilen mit Stoff in gedeckten Farben versehen.

Viele Kollektionen für die Saison 2015/16 sind aus Steingrau und Anthrazit, dunklem Grün, Tarnfarben sowie Mustern in Melange-Optik designt. Immer häufiger zu finden: Jeansoptiken für Hosen und Jacken. Der Straßenlook kommt auf die Piste.

Simone Andrea Mayer/dpa/tmn/beh

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Seite 1
jakam 07.02.2015
1.
Tarnoptik...aha...bei Unfällen im Wald also kaum noch auffindbar, wie bescheuert! Da wird sich die Bergwacht aber freuen, wenn sie Verunfallte vom Heli aus kaum noch sieht...lol. Naja, hauptsache man kann den Leuten jedes Jahr neuen Mist verkaufen, den kein Schwein braucht.
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