Gerichtsurteil Kein Schmerzensgeld wegen defekter Zugtoilette

Ein Passagierin forderte Schmerzensgeld, weil in einer Regionalbahn kein Klo funktionierte. In erster Instanz bekam sie Recht - jetzt wurde das Urteil revidiert.

Waggon einer Regionalbahn: Kein "Rechtsanspruch auf eine Toilette"
DPA

Waggon einer Regionalbahn: Kein "Rechtsanspruch auf eine Toilette"


Die Deutsche Bahn muss einer Reisenden, die wegen einer defekten Zugtoilette in die Hose gemacht hat, kein Schmerzensgeld zahlen.

Dies entschied das Landgericht Trier und revidierte damit ein Urteil des Amtsgerichts, das der Frau 200 Euro zugesprochen hatte.

Die Begründung damals: Die Fahrt eines Nahverkehrszuges ohne eine einzige funktionierende Toilette sei eine Pflichtverletzung der Bahn. Zudem sei auf den Defekt vor dem Betreten der Regionalbahn nicht hingewiesen worden. Diese Ansicht der ersten Instanz teilte das Landgericht nicht.

Die Bahn hatte argumentiert, es gebe keinen Rechtsanspruch auf eine Toilette in solchen Zügen.

Die Frau war im Oktober 2014 mit einer Regionalbahn in Rheinland-Pfalz von Koblenz nach Trier gefahren und hatte am Ende der fast zweistündigen Fahrt ihren Harndrang nicht mehr unterdrücken können.

Das Landgericht entschied, "eigenverantwortliches Handeln" der Frau hätte das Geschehene verhindern können - zwischen Koblenz Hauptbahnhof und Trier Hauptbahnhof befinden sich 29 Haltestellen.

sto/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
CommonSense2006 19.02.2016
1. das käme drauf an
Ich finde es schon eine ordentliche Frechheit, wenn nicht eine einzige Toilette im Zug funktioniert. Und es käme sehr darauf an, wann denn der nächste Zug käme, wenn man, um den Notstand zu beheben, aussteigen und auf eine Bahnhofstoilete gehen müsste, wobei man auch da vorher niciht weiß, ob a) überhaupt eine existiert und b) diese vielleicht auch geschlossen ist. Dafür auszusteigen und eine Stunde aufden nächsten Zug warten zu müssen, hätte ich auch nicht gemacht. Sich vom Dienstleister in so eine prekäre Lage brigen zu lassen, sollte schon mit ein paar Hundertern abgestraft werden. (Übrigens, wieso stellen die nicht einfach einen Eimer in eine der Toiletten, für die ringendsten Fälle?)
D_v_T 19.02.2016
2.
Der Hinweis auf die 29 Haltetellen sagt doch wohl alles. Wie alt war die Frau? Jeder erwachsene Mensch sollte doch wohl in der Lage sein, seine Notdurft über mehrere Stunden hin hinauszuzögern. Falls medizinische Gründe vorlagen, ist die Eigenverantwortung noch mehr gefragt.
spon_2999637 19.02.2016
3. Folge....
"Das Landgericht entschied, "eigenverantwortliches Handeln" der Frau hätte das Geschehene verhindern können - zwischen Koblenz Hauptbahnhof und Trier Hauptbahnhof befinden sich 29 Haltestellen. " Aha - aussteigen, Toilette aufsuchen, nächsten Zugnehmen und sich dann mit dem Personal rumschlagen inkl. Anzeige wg. Schwarzfahrens weil man ja den falschen Zug benutzt (Sparticket, Fahrschein bereits im anderen Zug entwertet...). Auch lustig, landet dann auch vor Gericht.
Drschlaumeierxy 19.02.2016
4.
"... zwischen Koblenz Hauptbahnhof und Trier Hauptbahnhof befinden sich 29 Haltestellen" Wer so argumentiert, fährt nur Auto. Die Bahn hat sich doch so kaputt gespart, dass die Toilette - nicht selten - nicht funktioniert oder absichtlich verschlossen wird. Wer dann "gezwungen" wird für sein Bedürfnis auszusteigen, kann wiederum aufgrund der anderen Sparmaßnahmen manchmal 2 Stunden auf den nächsten Zug warten. Soll das die Straßen leerer machen?
der_grillmeister 19.02.2016
5. Ein Blick auf den (aktuellen) Bahn-Fahrplan ...
... zeigt, dass im Wechsel mit der RB, die 1:54 braucht auch ein RE fährt, der 1:24 braucht. Der RE hält immerhin 6 mal und kommt 19 Minuten später in Trier an und selbst auf dem letzten Bahnhof hätte die Frau noch 24 Minuten Zeit gehabt. Die Auskunft hätte ihr ein befragter Zugbegleiter problemlos geben können, der ihr auch ggf. ein zuggebundenes Ticket entsprechend gestempelt hätte. Natürlich ist es sehr blöd, wenn alle WCs defekt sind, aber sich in die Hose zu machen und dafür Schmerzensgeld zu erhalten, halte ich auch für überzogen.
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