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Trojanerattacke: Flugzeugabsturz möglicherweise von Computerschädling mitverursacht

Eine Schadsoftware könnte mitverantwortlich an einem der schlimmsten Flugzeugabstürze in Spanien sein. Aufgrund eines Befalls mit Trojanersoftware soll ein Überwachungsrechner nicht rechtzeitig Alarm geschlagen haben. Ein Richter hat nun eine genaue Auswertung entsprechender Daten angeordnet.

Wrackteil der abgestürzten MD-82: Ist ein Computerschädling mitschuld am Absturz? Zur Großansicht
DPA

Wrackteil der abgestürzten MD-82: Ist ein Computerschädling mitschuld am Absturz?

Vor fast genau zwei Jahren, am 19 August 2008, stürzte der Spanair-Flug JK 5022 kurz beim Start in Madrid ab, 154 der 172 Menschen an Bord starben. Es war eine der schlimmsten Flugzeugkatastrophen, die sich in Spanien bislang ereignet hatten. Die Suche nach den Gründen für den Absturz hält bis heute an. Neue Informationen deuten darauf hin, dass eine Schadsoftware, ein sogenannter Trojaner, für das Unglück mitverantwortlich sein könnte.

Wie die spanische Tageszeitung " El Pais" (Freitagsausgabe) berichtet, hat möglicherweise ein Rechner, der in der Spanair-Firmenzentrale auf Mallorca steht, aufgrund eines Trojanerbefalls versagt. Die Aufgabe dieses Computers ist es, den technischen Zustand von Spanairs Flugzeugflotte zu überwachen. Sobald ein technisches Probleme in ähnlicher Weise dreimal hintereinander auftritt, soll das System eine Warnung auslösen welche die Piloten der fraglichen Maschine auf das Problem hinweist.

Nun hat eine interne Untersuchung ergeben, dass der fragliche Computer am Unglückstag von einer Trojanersoftware befallen war, die möglicherweise verhindert hat, dass das System solche Warnmeldungen rechtzeitig ausgeben konnte. Andernfalls, so El Pais, wäre der Start des Flugzeuges möglicherweise verhindert worden.

Hintergrund: McDonnell-Douglas-82
Das Flugzeug mit dem Registrationscode EC-HFP hob 1993 erstmals für Korean Air ab, ging 1999 dann in den Besitz von Spanair über. Der Fluggesellschaft zufolge absolvierte die MD-82 ihren jährlichen Check am 24. Januar. mehr zur MD-82 auf SPIEGEL WISSEN...
Die MD-80-Baureihe gilt im Prinzip als zuverlässig, blieb allerdings von schweren Unfällen mit insgesamt Hunderten Toten nicht verschont ( Liste der Unglücke auf Airsafe.com... ). Inzwischen haben viele Fluggesellschaften begonnen, Maschinen dieses Typs auszumustern und gegen moderne, spritsparendere von Airbus oder Boeing zu ersetzen. Vor Monaten musste American Airlines seine MD-80-Flotte zeitweise stilllegen, nachdem die US-Luftfahrtbehörde FAA Wartungsprobleme bei Verkabelungen bemängelt hatte. mehr zur MD-82 auf SPIEGEL WISSEN...
Länge: 41,26 Meter. Spannweite: 32,88 Meter. Die McDonnell-Douglas-82 bietet bis zu 172 Passagieren Platz, fliegt maximal 925 Kilometern pro Stunde und hat bis zu 4500 Kilometer Reichweite. Vor allem in den USA ist die MD-80-Familie noch stark im Einsatz. mehr zur MD-82 auf SPIEGEL WISSEN...
Zweistrahliges Düsenflugzeug. Die Triebwerke vom Typ Pratt and Whitney befinden sich am Heck. Die MD-82 gehört zu den vielen Varianten der MD-80-Familie, die 1977 konzipiert wurde und als erfolgreichste Variante der früheren DC-9-Reihe gilt. Zur MD-80-Familie gehören auch die Varianten MD-81, MD-83, MD-87, MD-88 und MD-90. mehr zur MD-82 auf SPIEGEL WISSEN...
Besonders Anfang der achtziger Jahre war die MD-80er-Baureihe sehr gefragt. Speziell die MD-82 machte der Boeing 727-200 Konkurrenz. 1997 wurden die McDonnell-Douglas-Werke in Long Beach in Kalifornien von Boeing übernommen. Quelle: dpa mehr zur MD-82 auf SPIEGEL WISSEN...
Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge hatte ein Problem mit den Flügelklappen zu dem tragischen Absturz geführt. Die sogenannten Flaps an der Flügelrückseite sowie die Slats an dessen Vorderseite erhöhen bei Start und Landung den Auftrieb der Tragflächen, so dass das Flugzeug bei vergleichsweise geringer Geschwindigkeit flugfähig wird. Einer Auswertung der Flugschreiber zufolge waren diese Klappen am Unglückstag aber nicht ausgefahren worden, ein Fehler auf den die Piloten normalerweise durch akustische und optische Warnmeldungen hingewiesen werden müssten. Der fehlende Auftrieb, glauben Experten, könnte letztlich dazu geführt haben, dass die Maschine nicht abheben konnte und am Boden zerschellte.

Angehörige der Opfer des Absturzes haben nach bekanntwerden der Computerprobleme bei Spanair eine genaue Untersuchung der Umstände gefordert. Der zuständige Untersuchungsrichter Juan David Perez hat daraufhin angeordnet, dass die Fluggesellschaft alle relevanten Daten den Untersuchungsbehörden zur Verfügung stellen muss. Bisher umfassen die Untersuchungsakten bereits 46 Bände mit insgesamt 12.000 Seiten. Ein abschließender Bericht soll zum Ende des Jahres vorliegen.

mak

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Unglück in Madrid: Verzweiflung nach dem Absturz

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.