Seebeben vor Indonesien: Tsunami-Angst berechtigt nicht zu kostenlosem Storno

Im Indischen Ozean hat die Erde gebebt, doch die Tsunami-Warnungen wurden aufgehoben.. Der größte deutsche Reisekonzern TUI hat seinen Krisenstab alarmiert. Urlauber können jedoch aus Furcht vor einer Naturkatastrophe ihre Reisen nicht kostenlos stornieren.

dapd

Hannover - Auf der Ferieninsel Phuket erklangen Warnsirenen, Urlauber wurden aufgerufen, die Strände zu verlassen, und auch der Flughafen wurde geschlossen: Im Indischen Ozean hat es am Mittwoch zwei starke Seebeben gegeben, die Tsunamis ausgelöst haben. An den Küsten von Thailand und Indonesien sind die Warnungen vor den Riesenwellen inzwischen aufgehoben. Nur kleine Flutwellen haben die indonesischen Küste erreicht.

Der größte europäische Reisekonzern TUI sondiere die Lage in den Urlaubsregionen am östlichen Indischen Ozean, hieß es am Mittwoch aus der Zentrale in Hannover. "Der Krisenstab ist sofort alarmiert worden, wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Leitern im Zielgebiet. Die Botschaft ist aber schon jetzt: Die Alarmsysteme funktionieren", berichtete eine Sprecherin. Derzeit befinden sich rund 2800 deutsche TUI-Gäste an der thailändischen Küste.

Die Urlauber in der Region seien dem Reiseveranstalter Alltours zufolge umgehend vor einem möglichen Tsunami gewarnt worden. Wie eine Alltours-Sprecherin am Mittwoch sagte, seien die Urlauber seien von den Hotel- und den Reiseleitern zu Sammelstellen gebeten worden. Von dort würden sie gegebenenfalls in höher gelegene Gebiete in Sicherheit gebracht. "Wir stehen in engen Kontakt mit den Reiseleitern." Alltours hat Thailand, Sri Lanka und die Malediven im Programm.

Erst bei Zerstörungen können Urlauber kostenlos von Reise zurücktreten

Angesichts eines solchen Erdbebens dürften sich viele Urlauber fragen, ob sie jetzt noch gefahrlos in die Region reisen können. Allerdings berechtigt die Angst vor weiteren Beben oder einem Tsunami nicht zum kostenlosen Rücktritt von gebuchten Reisen. "Will ein Urlauber seine geplante Reise aus Angst stornieren, muss er die normalen Stornogebühren zahlen", erklärte der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover.

Anders ist die Situation, wenn am Urlaubsort durch das Erdbeben massive Schäden entstanden sind. "Wurde zum Beispiel das Hotel zerstört, kann der Urlauber kostenlos von der Reise zurücktreten", sagte Degott. Auch der Reiseveranstalter könne die Reise mit Verweis auf höhere Gewalt absagen. Häufig streiten Urlauber und Veranstalter, wie stark die Zerstörungen sind, und ob der Urlaub dadurch massiv beeinträchtigt sei. "Dann haben Gerichte das letzte Wort", so Degott.

Grundsätzlich haben Pauschaltouristen laut dem Reiserechtler bei Naturkatastrophen bessere Chancen, ihr Geld zurückzubekommen, als Individualurlauber. "Wer individuell einen Flug zum Beispiel nach Phuket gebucht hat, kann nicht kostenlos stornieren, wenn der Flug ganz normal über die Bühne gehen könnte", erklärte Degott. Lediglich wenn der Flughafen durch das Erdbeben zerstört wurde, gebe es ein Rücktrittsrecht.

Touristen, die während des Erdbebens in der Katastrophenregion waren, bekommen bei massiven Zerstörungen das Geld für den noch ausstehenden Teil der Reise zurück. Mögliche Mehrkosten der Rückbeförderung teilen sich Urlauber und Veranstalter, erläuterte Degott.

abl/dpa

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