Terrorgefahr Bundesregierung verschärft Reisehinweis für die Türkei

Terrorgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln: Weil in der Türkei verstärkt mit Anschlägen gerechnet werden muss, mahnt das Außenministerium Reisende zur Vorsicht - speziell bei Besuchen in Istanbul.

Istanbul: Terroranschläge sind zu befürchten
REUTERS

Istanbul: Terroranschläge sind zu befürchten


Die Bundesregierung befürchtet weitere Anschläge in der Türkei, insbesondere auch in der Metropole Istanbul. Nachdem das Auswärtige Amt bereits am Montag vor möglichen Terroranschlägen gewarnt hatte, hat es seinen Reisehinweis am Mittwoch erneut verschärft. "Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche Anschläge auf die U-Bahn und Bushaltestellen in Istanbul", heißt es nun dort.

Vize-Regierungssprecherin Christiane Wirtz sprach von einer "gewissen Instabilität" und der Gefahr, dass es zu einer Eskalation in der Türkei kommen könne. Laut Außenministerium besteht für Reisende in der Nähe der Grenze zu Syrien "die Gefahr von weiteren terroristischen Anschlägen und Entführungen von ausländischen Staatsangehörigen". In zahlreichen Provinzen bestehe ein erhöhtes Risiko für Reisende. Die aktuelle Berichterstattung sollte aufmerksam verfolgt werden. Unmittelbare Auswirkungen auf Ferienregionen gebe es aber bisher nicht, heißt es beim Auswärtigen Amt.

Hintergrund ist die Offensive der türkischen Armee gegen die radikalislamische IS-Miliz und die kurdische Arbeiterpartei PKK. Beide Organisationen haben Vergeltung angekündigt. Die Bundesregierung rief die Türkei erneut dazu auf, den Aussöhnungsprozess mit den Kurden und der PKK fortzusetzen und nicht abzubrechen.

Ein Reiseanbieter hat bereits auf die Situation reagiert: Bei Studiosus wurden alle Reisen in den Südosten der Türkei bis Ende September wegen der riskanten Sicherheitslage abgesagt, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. Betroffen sind Reisen in die Provinzen Batman, Mardin, Sanliurfa, Gaziantep und Hatay. Alle anderen Regionen werden weiter bereist. "Wir verfolgen die Lageentwicklung in der gesamten Türkei sehr aufmerksam und ergreifen bei Bedarf alle für die Sicherheit unserer Gäste erforderlichen Maßnahmen", hieß es bei Studiosus.

Zuvor hatte das Tourismus-Ministerium in Ankara mitgeteilt, dass die Zahl der ausländischen Besucher im ersten Halbjahr um 2,25 Prozent auf 14,89 Millionen zurückgegangen sei. Neben Deutschland haben auch andere Staaten wie die USA und Großbritannien ihre Reisehinweise für die Türkei seit Beginn der türkischen Militäraktionen gegen den IS und gegen Kurden in den vergangenen Tagen verschärft.

Ausgangssperren für Bundeswehr-Soldaten

Auch die Sicherheitsvorkehrungen für die in der Südtürkei stationierten Bundeswehrsoldaten wurden verschärft. "Wir haben allgemein unsere Absicherungsmaßnahmen erhöht", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. Das sei "im Zusammenspiel" mit den türkischen Streitkräften geschehen, die ebenfalls "weitere Maßnahmen" ergriffen hätten. Als Beispiele nannte der Sprecher Ausgangssperren und eine verstärkte Sicherung der Kaserne durch türkische Kräfte.

Es gebe jedoch derzeit "keine Anzeichen dafür, dass sich die Sicherheitslage verändert hat", fügte der Sprecher im Hinblick auf die Bundeswehrsoldaten hinzu. Nahe der südtürkischen Stadt Kahramanmaras, etwa hundert Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt, sind seit rund zweieinhalb Jahren deutsche Soldaten stationiert. Sie sollen mithilfe von "Patriot"-Flugabwehrraketen den Nato-Bündnispartner Türkei vor Beschuss aus Syrien schützen.

sto/Reuters/AFP/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
auf_dem_Holzweg? 29.07.2015
1. schau mal einer an
bisher war das die Aufgabe des Auswärtigen Amtes. Es scheint unsere Regierung macht ab jetzt alles selbst?!? Ist ja auch besser wenn man ein "Auge" auf alle Geschehnisse haben will...
A&O 29.07.2015
2. unbegreiflich
....wie man so blöd sein kann, das undemokratische Land Land des Herrn Erdogan auch noch als Urlauber mit Devisen zu versorgen. Da man ihn sonst anscheinend nicht zwingen kann, seine Unterstützung der Islamisten vom IS aufzugeben, dann eben über den Urlaubs-Boykott.
muellerthomas 29.07.2015
3.
Zitat von auf_dem_Holzweg?bisher war das die Aufgabe des Auswärtigen Amtes. Es scheint unsere Regierung macht ab jetzt alles selbst?!? Ist ja auch besser wenn man ein "Auge" auf alle Geschehnisse haben will...
"mahnt das Außenministerium" Worauf wollen Sie hinaus? Untersteht das AA nicht dem Außenminister?
sir wilfried 29.07.2015
4. Terrorgefahr in der Türkei weit verbreitet:
Nicht nur in Bussen. Überall, wo Erdogans Geheimpolizei politische Gegner greift und in Gefängnisse bringt. Überall, wo kurdische Dörfer stehen. Überall, wo Menschen öffentlich demonstrieren. Da hat sich eine faschistische Natter ihr Nest gebaut.
MrSpinalzo 29.07.2015
5. Mittlerer Osten
Ich fliege öfter in die Emirate. Seit dem Abschuss von MH17 meiden die Airlines aus nachvollziehbaren Gründen Krisengebiete. Daher werden Syrien und der Irak auf dem Weg in die Emirate nördlich umflogen. Wenn jetzt auch noch die östliche Türkei zum Kriegsgebiet wird, na dann! So langsam werden die Türen Richtung Emirate dicht gemacht...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.