TV-Bericht Schlechte Wartung soll Grund für ICE-Störungen sein

Eine bessere Wartung hätte möglicherweise die Ausfälle bei der Bahn in der Weihnachtszeit verhindern können. Das zumindest berichtet eine Fernsehsendung. Das Unternehmen bezeichnet diese Anschuldigungen als "blanken Unsinn".


Berlin - Die derzeitigen Verspätungen und Zugausfälle bei der Bahn sind einem Magazinbericht zufolge vor allem auf eine unzureichende Wartung zurückzuführen. Bei den ICE-Zügen im Fernverkehr hätten Kurzschlüsse an den Zugunterseiten zu massenweisen Ausfällen geführt, berichtet das ARD-Magazin "Kontraste" unter Berufung auf Bahnkreise.

Dies hätte demnach durch eine bessere Wartung der Züge verhindert werden können. Zur Weihnachtszeit hatte die Bahn die Ausfälle und Verspätungen vor allem mit dem kalten Wetter begründet.

Die ICE-Züge rollten teils mit defekten und deshalb ausgeschalteten Bremsen über die Schienen, berichtete "Kontraste" unter Berufung auf Unterlagen. Aus diesem Grund reduziere die Bahn die Geschwindigkeit der betroffenen Züge, was wiederum zahlreiche Verspätungen zur Folge habe. Mitarbeiter in den Reparaturwerken der Bahn klagen über zu wenig Personal und fehlende Ersatzzüge, berichtete die Sendung. Ein Sprecher der Bahn wies den Bericht als "blanken Unsinn" zurück. Kein Zug verlasse die Werkstatt, "der nicht gemäß aller eisenbahntechnischen Regelwerke gewartet und überprüft wurde".

Das Unternehmen hatte zuvor bereits darauf hingewiesen, dass die geringe Fahrzeugreserve mitschuldig an den Ausfälle sei. Wegen häufiger Ultraschalluntersuchungen an den Achsen seien die Züge häufig in der Werkstatt.

In einem internen Rundbrief erklärte der Vorstand des Konzerns gegenüber seinen Mitarbeitern laut "Kontraste": "Im Zeitvergleich beobachten wir heute einen spürbar instabileren Betrieb. Da fehlen uns manchmal die Ressourcen, die Fahrzeuge in den Zustand zu bringen, den ein verlässlicher und hochwertiger Betrieb erfordert."

Nach Informationen des Hessischen Rundfunks ist an manchen Tagen nur noch jeder dritte Zug pünktlich. Bahnchef Grube sagte dem Sender am Donnerstag zu den ICE-Problemen: "Die Hersteller haben nicht die Qualität geliefert, die bestellt und bezahlt war." Man habe sich mit Teilen der Industrie auf eine Schadensregulierung geeinigt. "Es muss ja einen guten Grund für die Bereitschaft der Hersteller geben, einen Teil der Ausfallkosten zu tragen." So müssten beispielsweise die Radsatzwellen der ICE-Züge innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden.

Schon im Dezember hatte der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter der Bahn Fehlplanungen vorgeworfen. Er hatte den Verdacht geäußert, dass es mangelnde Wartungskapazitäten gebe.

sto/AFP/dpa



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