Da möchte man seinen Weg rund um die Welt so friedlich, zügig und höflich wie nur möglich zurücklegen. Und dann werden diese Versuche von zahllosen Übeltätern torpediert, die einem massenhaft Steine in den Weg legen, Aggressionen auslösen und den Reisenden Zeit kosten.
Ganz oben auf eine solche Liste gehören die Menschen, die Rolltreppen und Laufbänder mit einer Unverfrorenheit blockieren, als hätten sie den ganzen Flughafen gepachtet. Kaum besser sind Eltern, die glauben, ihre gerade dem Krabbelalter entwachsenen Kinder müssten ein eigenes Rollköfferchen im "König der Löwen"-Design besitzen, um damit häufig frequentierte Gänge zu verstopfen.
Dazu kommen erwachsene Männer, die an der Sicherheitskontrolle aufkreuzen, als hätten sie noch nie in ihrem Leben ein Flugzeug betreten, und das Entleeren ihrer Taschen von allem Schnickschnack (den sie längst hätten entsorgen sollen, bevor sie sich in die Schlange stellen) fast schon zelebrieren.
Auch immer wieder ein Hit: Familien, die sich am Vorabend ihres Fluges über Topinambur hermachen und dann die ganze Strecke über den Atlantik ohne Pause vor sich hinfurzen. Und schließlich: Leute, die in einer überfüllten Kabine mit weit geöffnetem Mund kauen.
Übeltäter-Hitliste eines Vielfliegers
Am Donnerstagmorgen katapultierte sich im frisch in JFK gelandeten BA 112 eine neue Spezies auf einen der oberen Plätze dieser Übeltäter-Hitliste: der ignorante Kopfhörer-Träger. Auch wenn mir dieser Typus schon länger aufgefallen war, hatte er mich bisher nie groß gestört, solange die Kopfhörer die Musik absorbierten und deren Träger es unterließen, ihre Playlist laut mitzusingen oder vor sich hinzusummen. Um 6.44 Uhr änderte der schlaksige Herr mit den wieselartigen Gesichtszügen und dem glänzenden Anzug meine Einstellung jedoch nachhaltig.
Während die ersten Passagiere bereits der Crew zum Abschied zunickten, stopfte Mr. Kopfhörer erstmal die Stöpsel in seine Ohrmuscheln und fing dann an, in aller Ruhe seine Habseligkeiten zusammenzusuchen (wobei er die gen Ausgang strömenden Reisenden behinderte). Als andere mit einem "Entschuldigen Sie bitte" sanft vorbeizugehen versuchten, blieb Mr. Kopfhörer völlig ungerührt in seine Playlist-Welten versunken. War er wirklich so versunken? Später schlenderte er das Laufband entlang (erneut nachdrängende Reisende aufhaltend) und warf seinen Kopf im Rhythmus der Musik hin und her.
Diese Art von Benehmen wirft viele Fragen auf. Warum kapseln sich Leute gerade dann völlig von der Umwelt ab, wenn es sinnvoll wäre, ihr sogar mehr Aufmerksamkeit als üblich zu schenken? Wie kann man sich bloß inmitten eines der belebtesten Verkehrsknotenpunkte der Welt so unglaublich rücksichtslos verhalten? Und welche Melodie macht so süchtig, dass man ihre Abwesenheit keine Sekunde über die Landung des Flugzeugs hinaus erträgt?
Mr. Kopfhörer blockierte inzwischen die Rolltreppe - und mir gingen weitere Fragen durch den Kopf, die nach Antworten verlangen.
Wer hat den Fluggesellschaften bloß weisgemacht, dass blaues Kabinenlicht eine besonders beruhigende Wirkung entfalte?
Wenn es darum geht, Räume zu gestalten und eine Atmosphäre zu kreieren, befolge ich eine einfache Regel: Wer einen bestimmten Einrichtungsgegenstand nicht in seinem Wohnzimmer sehen will, möchte dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht im Hotelzimmer, in der Flugzeugkabine oder einem Restaurant.
Aber irgendjemand muss die meisten Fluggesellschaften davon überzeugt haben, blaue Lichter in den Kabinen zu installieren, um so eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Welche Art von Stimmung das sein soll - abgesehen von morbid und kalt -, ist mir schleierhaft, aber ich denke, es wäre an der Zeit, die Entscheidung zu überdenken.
Blaue Beleuchtung ist schlecht für den Teint und für die Seele. Ich werde meine Geschäfte hin zu Unternehmen verlagern, die die Vorzüge von Honigtönen und warmem Licht kennen. Leider fürchte ich, dass dies im Moment auf keine Fluggesellschaft zutrifft.
Ist Grünkohl das neue Wasser?
Nach ein paar Tagen in New York stellt sich die Frage nicht mehr. Grünkohl ist das neue Wasser - die Menschen können ohne das zähe Grünzeug offensichtlich nicht mehr leben. So wie jeder Amerikaner von der Furcht beherrscht wird, einer unerwartet einsetzenden Dürre ausgesetzt zu sein, und deshalb vorsichtshalber immer einen Liter Wasser mit sich herumschleppt, ist es plötzlich auch selbstverständlich, dass Restaurants zu allem und jedem Grünkohl servieren. Warum? Ich gönne dem Zeug seine kleine Sternstunde, aber inzwischen ist es zu einer wahren Pest geworden, die seltsamerweise klaglos ertragen wird.
Warum gibt es eigentlich keine Debatten über die Schäden der Sozialen Medien?
Medienexperten und diverse Technikgurus wiegen uns in dem Glauben, dass Zeitungen, Zeitschriften und andere Medien von diesem ganzen permanenten Posten und Tweeten profitieren würden. Tun sie das tatsächlich?
Ich bin der Meinung, dass Menschen, die bereits gut verdauliche Wörter-Cluster konsumiert haben, wenig Ambitionen zeigen, sich nun die Hintergründe einer Geschichte zu erarbeiten. Es ist erstaunlich (und besorgniserregend), wie einige Marken die Medienlandschaft für sich vereinnahmen, ohne dass dies die notwendige Skepsis auslöst.
Was machen all diese Menschen mit ihren Donut-großen Löchern in den Ohren, wenn Sie älter werden?
Ich hoffe doch sehr, dass meine Steuergelder nicht dazu missbraucht werden, operative Korrekturen für all diejenigen zu finanzieren, die so dämlich waren, sich riesige Krater in Ohrläppchen meißeln zu lassen, die an ihrem 70. Geburtstag wahrscheinlich auf ihre Schultern heruntergesackt sind.
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