Überfüllte ICE Sicherheitskontrollen belasten Bahnverkehr

Glücklich war, wer sitzen durfte: Aufgrund erhöhter Kontrollen ihrer ICE, hat die Deutsche Bahn am Wochenende viele Züge verkürzt auf die Strecken geschickt. In Frankfurt mussten Passagiere einen überfüllten Zug verlassen. Ausfälle habe es aber nicht gegeben, so ein Sprecher.


Hamburg - Wegen zusätzlicher ICE-Sicherheitskontrollen haben am Wochenende viele Fahrgäste in den Hochgeschwindigkeitszügen der Bahn stehen müssen. Auf einigen Strecken konnte nur mit verkürzten Zügen gefahren werden, wie ein Bahnsprecher am Sonntag auf Anfrage erklärte. Die Deutsche Bahn bedauere die "Überbesetzungen" und bitte die Fahrgäste um Verständnis.

ICE im Hauptbahnhof Hamburg: Verkürzte Züge, stehende Passagiere
DPA

ICE im Hauptbahnhof Hamburg: Verkürzte Züge, stehende Passagiere

Es habe aber keine Verbindung ausfallen müsse, sagte der Sprecher. Jeder Reisende sei an sein Ziel gebracht worden. Während Samstag ein "sehr entspannter Tag" gewesen sei, seien am Sonntag einige ICE-Verbindungen wieder sehr voll gewesen. Betroffen gewesen seien die Strecken Hamburg-Berlin-Leipzig-München sowie Verbindungen aus dem Ruhrgebiet in Richtung München oder Basel.

Die Bahn hoffe, dass die Belastungen für die Fahrgäste in einem erträglichen Maß geblieben seien, erklärte der Sprecher. In der kommenden Woche werde die Lage mit jedem Tag besser.

In Frankfurt am Main wurden am Sonntagabend Fahrgäste mit den Fahrzielen Würzburg und Aschaffenburg gebeten, aus einem völlig überfüllten Ersatzzug nach München auszusteigen. Das sei aus Sicherheitsgründen geschehen, erklärte ein Bahnsprecher. Der Zug sei mit 20 Minuten Verspätung in Frankfurt abgefahren.

Drei Monate nach einem Achsbruch war in einem Hochgeschwindigkeitszug erneut eine kritische ICE-Achse entdeckt worden. Deshalb wurden häufigere Sicherheitskontrollen bei 67 Zügen des Typs ICE-3 und 70 Zügen der Neigezugvariante ICE-T angeordnet.

Die Deutsche Bahn bedauere die Einschränkungen für die Fahrgäste, hieß es. Bislang hätten Kunden Verständnis für die Situation gezeigt, weil für sie die Sicherheit an erster Stelle stehe. Die Mitarbeiter in den Werkstätten seien für die Kontrollen derzeit rund um die Uhr im Einsatz. Nach und nach gingen die bereits überprüften Wagen wieder in den Verkehr, sagte der Sprecher.

Ursache für Achsbruch immer noch nicht gefunden

Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte kritisiert, dass zu wenig Ersatz-ICE bereitstünden. Häufigere Kontrollen der ICE-Achsen sind nach Ansicht des Bahntechnik-Experten Thomas Siefer von der Universität Hannover die richtige Antwort auf den gefundenen Riss. Mehr Untersuchungen erhöhten die Sicherheit. Er wies darauf hin, dass die Ursache für den Achsbruch bei einem ICE-3 in Köln am 9. Juli noch nicht geklärt sei. Solange dies so sei, müsse es Kontrollen in kürzeren Abständen geben.

fsc/AP/dpa



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