Überschwemmungen am Machu Picchu "Es hat geschüttet ohne Pause"

Übernachtungen im Bahnabteil, zerstörte Brücken, Dauerregen: Hunderte Peru-Touristen sitzen nach schweren Überschwemmungen in der Nähe von Machu Picchu fest. Auch mehrere Deutsche sind betroffen - auf SPIEGEL ONLINE berichtet eine Kölnerin von ihren Erlebnissen.

Von Stephan Orth


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Überschwemmungen in Peru: Evakuierung am Machu Picchu
Lima - Die Hauptstraße ist stark beschädigt, die Bahngleise unterspült: Auch nachdem sich das Wetter in Peru langsam gebessert hat, sind Zugfahrten von Aguas Calientes in Richtung Cusco weiterhin unmöglich. Die Bahn ist hier normalerweise die einzige Verbindung zur Außenwelt, eine Straße gibt es nicht. In dem kleinen Ort in der Nähe vom Machu Picchu, dem Wahrzeichen des Landes, herrscht nach schweren Überschwemmungen weiterhin der Ausnahmezustand, etwa 800 Touristen warten immer noch auf ihre Rettung per Hubschrauber.

"Die Einheimischen haben uns gebeten, Fotos von ihren zerstörten Häusern zu machen und sie ihnen per Mail zu schicken - sie haben keine Kameras und brauchen das für ihre Versicherung", sagt Pia P. Die 36-jährige Lehrerin aus Köln sitzt seit fünf Tagen in Aguas Calientes fest. Ihren Heimflug hatte sie für Donnerstag gebucht, am Montag wollte sie einen neuen Job an einer Kölner Schule antreten. Jetzt musste sie ihre Rückreise um eine Woche verschieben.

Die Rettungsbemühungen der peruanischen Regierung wurden stark kritisiert, weil nur wenige Hubschrauber im Einsatz sind. Am Donnerstag seien jedoch rund 1400 Menschen über eine Luftbrücke gerettet worden, teilte der lokale Tourismusminister Martin Perez mit. Durch die verbesserten Wetterbedingungen habe es insgesamt 93 Rettungsflüge gegeben. Die schlimmsten Regengüsse seit 15 Jahren haben im Januar in Peru bereits mehrere Todesopfer gefordert, auch auf dem berühmten Inka-Weg kamen zwei Wanderer ums Leben.

Sackhüpfen als Zeitvertreib

Die Touristen in Aguas Calientes, einem von Touristenort voller Pizza-Restaurants und Andenkenläden, arrangieren sich inzwischen mit der Situation. Mit "Fußball, Volleyball und Sackhüpfen" vertreiben sie sich die Zeit, berichtet P. per E-Mail. Viele Herbergsbetreiber hatten zunächst die enorme Nachfrage genutzt, um ihre Preise zu erhöhen. Am Mittwoch habe ein Vertreter des Ortes sie jedoch aufgerufen, die normalen Tarife zu nehmen. Mit Erfolg: "Danach wurden die Hostels tatsächlich wieder billiger."

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Inka-Pfad: Südamerikas berühmteste Wanderung
Viele Touristen haben Geldprobleme, weil die Bankautomaten nicht funktionieren. "Wir haben uns von Restaurantbesitzern mit EC-Karten Geld auszahlen lassen, die verlangten dafür aber bis zu 20 Prozent Gebühren und gaben uns nur 50 Soles - das sind 12,50 Euro", berichtet P.

Weil tagelang keine Abreise möglich war, waren viele Unterkünfte überfüllt. Hunderte mussten sogar in Zugabteilen übernachten, wie die Agentur Reuters berichtete. "Wir haben peruanische Träger des Inka-Weges auf der Straße im Regen schlafen sehen", sagt P. Bis zum Mittwoch seien noch Wanderer angekommen, die die viertägige Wanderung auf dem berühmtesten Trek Südamerikas unter extremen Bedingungen überstehen mussten. Die 45 Kilometer lange Wanderung beginnt mit der Überquerung einer Hängebrücke, die durch die Unwetter zerstört worden sei. Dadurch konnten die Wanderer im Dauerregen nicht umkehren, sondern mussten den gesamten Weg laufen.

Warten auf Rettung im Stadion

P. selbst begann am vergangenen Freitag die Tour auf dem Inka-Weg. "Es hat geschüttet ohne Pause - teilweise 20 Stunden am Stück", sagt sie. "Als wir am Montag endlich am Machu Picchu ankamen, mussten wir im Schnelldurchgang durch die Inkastätte laufen und konnten den Anblick kaum genießen." Ihr Guide habe die Anweisung gehabt, die Gruppe schnell ins Dorf zu bringen, da der Fluss im Tal ständig anstieg. Per Bus ging es dann auf gewundenen Straßen ins Tal, wo schließlich eine Brücke unpassierbar war - sämtliche Touristen mussten aussteigen und zu Fuß in den Ort laufen.

Die 36-Jährige berichtet von zunächst chaotischen Zuständen in Aguas Calientes: "Wir wurden alle ins Stadion geleitet, dort sollten uns angeblich Flugzeuge abholen - im Nachhinein klingt das wie ein Witz, etwa 2000 Menschen warteten dort auf dem Rasen." In einem anderen Teil des Ortes seien dann die ersten Hubschrauber gelandet, um Verletzte und alte Menschen auszufliegen. Mit einem Flugzeug hier zu landen, ist nicht möglich.

"Es ist völlig chaotisch. Es gibt Probleme mit der Organisation der Evakuierungen und Schwierigkeiten, Nahrung und Medikamente zu verteilen", sagte Randall Molina, ein Schweizer Tourist, der seit Sonntag hier festsitzt.

P. wartet jetzt zusammen mit ihrem Freund und den etwa 800 verbliebenen Touristen weiter darauf, dass sie per Helikopter ausgeflogen wird. Sie habe in den vergangenen Tagen mehr als 20 weitere Deutsche getroffen und einen "unglaublich guten Zusammenhalt" erlebt: "Wir konnten uns von fremden Leuten Geld leihen und bei anderen Deutschen im Zimmer übernachten."

Derzeit regnet es nur noch nachts, bald könnte Pia P. draußen sein. Der peruanische Außenminister José Antonio Garciá Belaunde hat versprochen, die Rettungsmaßnahmen bis Samstag abzuschließen - wenn das Wetter hält.

Mit Material von AFP und Reuters



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Seite 1
Achim 29.01.2010
1. Vergleich
Wenn ich - unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes des jeweiligen Landes - die Maßnahmen nach dieser Unwetterkatastrophe in Peru mit dem vergleiche, was hier nach ein paar Zentimeterchen Neuschnee und fünf Grad unter Null los war oder ist, dann habe ich den Eindruck, dass man sich jede Kritik am peruanischen Katastrophenmanagement verkneifen sollte.
taiga, 29.01.2010
2. ---
Zitat von sysopÜbernachtungen im Bahnabteil, zerstörte Brücken, Dauerregen: Hunderte Peru-Touristen sitzen nach schweren Überschwemmungen in der Nähe von Machu Picchu fest. Auch mehrere Deutsche sind betroffen. Überschwemmungen am Machu Picchu: "Es hat geschüttet ohne Pause" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,674753,00.html)
Nach meinen Informationen haben wir einen El Niño, siehe Kalifornien und jetzt Peru. Ganz typisch.
sikasuu 29.01.2010
3. So ein Mist
Zitat von sysopÜbernachtungen im Bahnabteil, zerstörte Brücken, Dauerregen: Hunderte Peru-Touristen sitzen nach schweren Überschwemmungen in der Nähe von Machu Picchu fest. Auch mehrere Deutsche sind betroffen. Überschwemmungen am Machu Picchu: "Es hat geschüttet ohne Pause" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,674753,00.html)
Da bin ich in den Hochanden, einige 100 km von allem weg, lass meine Plünnen von Einheimischen schleppen und kann nicht wie in Vergnügungspark weggehen wann und wie ich will. Nicht mal der Geldautomat funktioniert! . Eine Zumutung ist das. Die Nummer kenn ich auch hier. Mit der Seilbahn auf 3.000m. Dann in Short und Sandalen eine kleine Wanderung und sich von der Bergwacht bzw. bergsteigenden Mitmenschen bei Nebel/Schnee/Starkregen retten/durchbringen lassen. Darwin lässt gruessen. Aber der Mailverkehr/das Handy schein ja noch zu funktionieren. Tourris schlimmster Güte!
ArbeitsloserMathematiker 29.01.2010
4. Deutschland steht still
Zitat von AchimWenn ich - unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes des jeweiligen Landes - die Maßnahmen nach dieser Unwetterkatastrophe in Peru mit dem vergleiche, was hier nach ein paar Zentimeterchen Neuschnee und fünf Grad unter Null los war oder ist, dann habe ich den Eindruck, dass man sich jede Kritik am peruanischen Katastrophenmanagement verkneifen sollte.
Korrekt! In Deutschland schneit es "ganz überraschend" im Januar und es wird -5°C kalt. 10 cm Neuschnee legen das Land lahm.
Medevac 30.01.2010
5. Lehrer mal wieder
Zitat von sysopÜbernachtungen im Bahnabteil, zerstörte Brücken, Dauerregen: Hunderte Peru-Touristen sitzen nach schweren Überschwemmungen in der Nähe von Machu Picchu fest. Auch mehrere Deutsche sind betroffen. Überschwemmungen am Machu Picchu: "Es hat geschüttet ohne Pause" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,674753,00.html)
oh mann, die Sorgen und Rockefellers Geld. Bestätigt voll und ganz meine Erfahrungen mit Lehren; immer schön dramatisieren und nicht mehr fähig, ein naturnahes Leben zu führen. Aber Schuld sind ja immer die anderen, oder das Wetter....
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