Überschwemmungen in Peru Touristen müssen in Bahnwaggons übernachten

Stromausfälle, defekte Geldautomaten, Übernachtungen in Bahnwaggons: Nach den schweren Überschwemmungen müssen Peru-Touristen in Aguas Calientes weiterhin unter schwierigen Bedingungen ausharren. Auch Deutsche sitzen in der Nähe von Machu Picchu fest.


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Peru: Überschwemmungen am Machu Picchu
Cusco - Die Rettung der nach heftigen Unwettern bei der alten Inka-Stadt Machu Picchu in Peru gestrandeten Touristen soll nach Regierungsangaben bis zum Wochenende abgeschlossen sein. Seit Montag brachten Hubschrauber rund 1200 Urlauber in Sicherheit, allein am Mittwoch wurden laut Perus Ministerpräsident Javier Velásquez 600 Menschen ausgeflogen. Die Regierung wies Kritik an der Dauer des Rettungseinsatzes zurück.

"Wir haben 600 Touristen herausgebracht", sagte Velásquez am Mittwoch. Mehr als 1500 Urlauber saßen demnach weiter in Aguas Calientes fest. Unter den eingeschlossenen Touristen sind dem Auswärtigen Amt in Berlin zufolge auch Deutsche. Eine Ministeriumssprecherin konnte am Donnerstag allerdings keine Angaben zu der Zahl der Betroffenen machen. Eine deutsche Touristin vor Ort berichtete SPIEGEL ONLINE, dass mindestens 34 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Aguas Calientes seien. Laut US-Außenministerium warteten allein rund 400 US-Bürger auf Rettung, auch bis zu 170 Australier waren nach Regierungsangaben aus Sydney gestrandet.

In der Nacht auf Mittwoch mussten etwa 300 Menschen in einem Zugabteil schlafen, weil sie keine andere Unterkunft finden konnten. Die Geldautomaten sollen häufig nicht funktionieren, immer wieder kommt es zu Stromausfällen. "Die Menschen hier sind gereizt", sagte Dennis Clarke, ein kanadischer Tourist. "Viele verpassen Anschlussflüge, wollten schon längst woanders sein." Manche Händler verdreifachten die Preise für Lebensmittel, die Ressourcen reichen nur noch für wenige Tage.

An der Luftbrücke sind ein Dutzend Hubschrauber von Polizei und Armee beteiligt, darunter auch vier US-Helikopter. Nach einem 20-minütigen Flug von Aguas Calientes in den Ort Ollantaytambo werden die Touristen per Bus in die Provinzhauptstadt Cusco gefahren. Perus Außenminister José Antonio Garciá Belaunde sagte, die Rettungsmaßnahmen würden bis Samstag abgeschlossen sein, sollten sich die Wetterbedingungen nicht verschlechtern. Das Leben der eingeschlossenen Urlauber sei nicht in Gefahr.

Wanderer sitzen auf dem Inka-Pfad fest

Sorgen bereiteten den Behörden aber die Rucksack-Touristen, die auf dem von Erdrutschen blockierten Inka-Wanderpfad ausharren. Die Route war nach dem Tod einer 23-jährigen Argentinierin und eines peruanischen Führers am Montag gesperrt worden. Die Wanderung auf dem engen Gebirgspfad dauert vier Tage. Über die Zahl der dort festsitzenden Urlauber gibt es widersprüchliche Angaben. Ein Sprecher des Reiseveranstalters Llamapath, der Wanderungen auf dem Inka-Weg organisiert, sagte SPIEGEL ONLINE, dass sich sämtliche Kunden in Sicherheit in Aguas Calientes befänden.

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Inka-Pfad: Südamerikas berühmteste Wanderung
Die peruanische Regierung war in die Kritik geraten, weil der Rettungseinsatz nur langsam in Gang gekommen war. Tourismusminister Martín Peréz erwiderte am Mittwoch, die schwersten Regenfälle in 15 Jahren hätten die Organisation der Luftbrücke erschwert. "Wir hätten auch nicht gedacht, dass die Evakuierung so lange dauert", sagte er. "Wir tun unser Möglichstes."

Regierungschef Velásquez wies unterdessen Vorwürfe zurück, die Regierung kümmere sich in erster Linie um westliche Touristen. Zunächst würden Ältere, Kinder und Kranke in Sicherheit gebracht, sagte er. Der Ministerpräsident dementierte Berichte chilenischer Besucher, nach denen einige US-Touristen Bestechungsgelder zahlten, damit sie gemeinsam mit Kindern und Alten ausgeflogen werden.

Nach heftigen Regenfällen und Erdrutschen ist die Gegend um die berühmte Ruinenstadt Machu Picchu unzugänglich. Die einzige Bahnverbindung nach Cusco ist blockiert. Insgesamt kamen bislang sieben Menschen durch Erdrutsche und Überschwemmungen ums Leben. Rund 13.000 Menschen verloren dem peruanischen Zivilschutz zufolge ihr Hab und Gut. Über die Andenregion Cusco wurde für 60 Tage der Notstand verhängt. Machu Picchu ist eine der größten Touristenattraktionen Südamerikas, jedes Jahr kommen mehr als 400.000 Besucher.

sto/AFP/Reuters



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