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Unesco: Wattenmeer zum Weltnaturerbe ernannt

Das Great Barrier Reef, die Galapagos-Inseln - und jetzt auch das Wattenmeer. Die Unesco hat die Region in der Nordsee wegen ihres einzigartigen Ökosystems zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Sevilla/Hannover/Kiel - Als erste deutsche Naturlandschaft ist das Wattenmeer zum Welterbe der Menschheit erklärt worden. Das Welterbe-Komitee der Unesco stimmte laut Bundesumweltministerium am Donnerstag im spanischen Sevilla dem deutsch-niederländischen Gemeinschaftsantrag zu.

Der einzigartige Lebensraum steht nun auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Grand Canyon in den USA, den Galapagos-Inseln vor Ecuador oder dem Serengeti-Nationalpark im afrikanischen Tansania.

Das Komitee würdigte das Wattenmeer "als eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde". Das Gebiet sei ein einzigartiges Ökosystem mit einer besonderen Artenvielfalt. "Die Entscheidung des Komitees, den einzigartigen Wert des Wattenmeers als Welterbe anzuerkennen, verleiht den Bemühungen um die weltweite Vernetzung von Kultur- und Naturerbe neuen Auftrieb", sagte der Präsident der Deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche.

Das Watt ist das zweite Naturdenkmal Deutschlands. Die Grube Messel, eine Fossilienlagerstätte bei Darmstadt, trägt den Titel bereits seit 1995. Anders als das Watt ist sie aber keine Landschaft. In Teil zwei des Welterbes der Menschheit - dem Kulturerbe - ist Deutschland mit 32 Orten vertreten, etwa mit dem Kölner Dom.

Erfolg, aber auch Verpflichtung

"Das ist ein Dankeschön der Weltgemeinschaft an diejenigen, die das hier geschaffen haben", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Freitag in Cuxhaven. "Die Experten haben zum Ausdruck gebracht, dass die Nationalparkverordnung und die Arbeit in Deutschland und in den Niederlanden zum Schutz dieses Gebietes so gut ist, dass sie es nicht gefährdet sehen, sondern glauben, dass das für die ganze Menschheit erhalten wird."

In Schleswig-Holstein wurde die Nachricht mit Freude aufgenommen. "Das ist eine Auszeichnung für ganz Schleswig-Holstein", sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) in Kiel. "Die Anerkennung ist eine große Ehre für die Länder an der deutschen Nordseeküste sowie ein Meilenstein und Ansporn für die gemeinsamen internationalen Bemühungen für den Schutz des Wattenmeeres." Es werde deutlich, wie einzigartig das Wattenmeer sei. Der große Imagegewinn könne sich positiv auf den Tourismus auswirken.

Für Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) wurde mit der Unesco-Entscheidung der Einsatz der Wattenmeeranrainer zum Schutz dieses einzigartigen und faszinierenden Lebensraumes honoriert. "Naturschutz hat bei uns eine Tradition, die annähernd 100 Jahre zurückreicht. Mit der Anerkennung nehmen wir den Auftrag an, dieses Erbe auch für die folgenden Generationen zu erhalten." Das Beispiel Dresden zeige aber auch, dass man den Schutz dieses Welterbes nicht leichtfertig gefährden dürfe.

Zum Weltnaturerbe gehören nun das niederländische Wattenmeer-Schutzgebiet sowie die deutschen Wattenmeer-Nationalparks in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das Gebiet umfasst eine Fläche von mehr als 9500 Quadratkilometern. Fast die Hälfte davon, rund 4400 Quadratkilometer, liegt in Schleswig-Holstein. Hamburg hatte im Zusammenhang mit der geplanten Elbvertiefung seine Unterstützung für die Bewerbung zurückgezogen.

Ernennung ist Anerkennung bestehender Schutzbemühungen

Das Watt zwischen der holländischen Insel Texel und der Nordspitze Sylts steht nun in der Liste der weltweit knapp 200 einzigartigen und schützenswerten Naturdenkmäler. Auf ihren Erhalt hat die Menschheit aus Sicht der Unesco ein Anrecht. Strengere Vorschriften oder Naturschutzgesetze sind mit der Ernennung aber nicht verbunden. Die Welterbe-Auszeichnung gilt als Anerkennung bestehender Schutzbemühungen und ist mit weltweiter Aufmerksamkeit verbunden. Auch beflügelt sie meist den Tourismus.

Das Wattenmeer ist eine der letzten ursprünglichen Naturlandschaften Mitteleuropas und gilt als weltweit einzigartig. Es ist eines der größten Feuchtgebiete der Erde und Speisekammer sowie Laichstätte für Fische, Muscheln, Krabben und Garnelen. Auch Kegelrobben, und Seehunde sowie rund sechs Millionen Vögel wie Austernfischer oder Sumpfohreule haben hier ihre Heimat. In den Salzwiesen leben 2300 Tier- und Pflanzenarten. Jedes Jahr rasten im Wattenmeer außerdem zehn bis zwölf Millionen Zugvögel, die auf ihrem Weg aus dem Norden zu den Überwinterungsgebieten im Süden hier ihre Fettreserven anlegen.

Nach Auffassung des NABU Niedersachsen bleiben noch wichtige Zukunftsaufgaben. So seien bedeutende Hochwasserplätze der Zugvögel hinter dem Deich nicht ausreichend geschützt. Offshore-Windenergie wie Massentourismus seien eine Bedrohung. Künftig hätten aber die Ziele des Naturschutzes im Wattenmeer Vorrang. Nun sei der Aufbau eines professionellen Rangersystems zur Publikumsinformation nötig. Jagd-Aktivitäten im Nationalpark müssten beendet werden, und eine Bündelung der Kompetenzen bei der Nationalparkverwaltung sei notwendig.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sah die Auszeichnung als Ansporn für die Anrainerländer, für die Naturschutzbelange im Wattenmeer einzutreten und diese zu stärken. Ein klares Bekenntnis aller beteiligten Nationen für einen naturverträglichen, nachhaltigen Tourismus sei für den künftigen Tourismusmagneten Wattenmeer unerlässlich.

Wattenrat spricht von "Etikettenschwindel"

Die regionalen Naturschützer vom Wattenrat in Ost-Friesland sprachen von einem "Etikettenschwindel". Die Zahl von 30 Millionen Übernachtungen allein an Niedersachsens Küste werde ansteigen. Zunehmend würden Bootsliegeplätze und Kitesurfer-Flächen beantragt oder genehmigt. Im Watt zwischen Wangerooge und Cuxhaven seien ein Megawindpark (Nordergründe) mit 18 Anlagen direkt an der Nationalparkgrenze genehmigt und weitere Anlagen vor Emden geplant. Es gebe keine fischereifreien Zonen und nur fünf hauptamtliche Ranger ohne Kompetenzen.

In ihrem Antrag hatten Deutschland und die Niederlande auch auf die Aktivitäten im Wattenmeer verwiesen, die zu Beeinträchtigungen führen. Dazu zählen das Ausbaggern von Schifffahrtsrinnen oder Kabelverlegungen für Windparks. Flächen um Gas- und Öl-Förderstandorte etwa in Schleswig-Holstein und militärische Übungsgebiete in den Niederlanden sollten vom Weltnaturerbestatus ausgenommen werden.

abl/dpa/AP/AFP

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Forum - Wattenmeer als Welterbe: Welche Chancen und Risiken sind mit dieser Ehre verbunden?
insgesamt 57 Beiträge
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1. Klamauk
hook123 26.06.2009
Zitat von sysopDeutschlands erste Naturlandschaft kann den Titel Unesco-Weltnaturerbe tragen. Welche Chancen, aber auch welche Risiken sind mit dieser Ehre verbunden?
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass beim Bau eines neuen Boots-Anlegestegs auf irgendeiner Hallig im Wattenmeer sich größter Tumult entfacht und unter Ausstoß von mehreren Millionen Tonnen CO² wüste Konferenzen abgehalten werden von denen noch wüstere Drohungen und schrille Ankündigungen ausgehen. Experten scheiden unter größtem Getöse Wertes von Unwertem und proklamieren den Untergang des Abendlandes. Sinnlose Klagen werden angezettelt. Hysterische Politiker werden mahnen den Titel ja nicht aufs Spiel zu setzen und das Drama àla Dresden nimmt seinen Lauf. Was in diesem Zusammenhang sehr spaßig zu beobachten ist, dass die wichtigen Leute vom Welterbeverein nach dem Dresdendrama offensichtlich keinerlei Anstoß daran nehmen, dass die Küstenlinie des Wattenmeer bereits auf voller Länge von Windkraftanlagen verspargelt ist. Wenn man den ganzen Welterbeklamauk und das darum aufgebaute Getöse so betrachtet, dann muß man ja annehmen, dass es eine ganze Menge Menschen gibt die Ihr Urlaubsziel aufgrund des Titels auswählen und nicht weil es an dem betreffenden Ort schön oder interessant ist. Merkwürdige welt.
2. ...
straff&locker 26.06.2009
Na. Wow - da können wir uns ja was drauf einbilden. Ich mache sogar gleich extra eher Feierabend und gehe das mal groß feiern.
3.
delta058 26.06.2009
Zitat von sysopDeutschlands erste Naturlandschaft kann den Titel Unesco-Weltnaturerbe tragen. Welche Chancen, aber auch welche Risiken sind mit dieser Ehre verbunden?
Nichts gegen Naturschutzgebiete, aber wie kann ein natürlich entstandenes Gebiet *Kultur*erbe sein? Herr Gott, versuchs bei der nächsten Flut mal mit Hirn statt mit Wasser!
4. Wattenmeer
hegias 26.06.2009
Zitat von sysopDeutschlands erste Naturlandschaft kann den Titel Unesco-Weltnaturerbe tragen. Welche Chancen, aber auch welche Risiken sind mit dieser Ehre verbunden?
Höchste Zeit, eine Brücke quer durchs Wattenmeer zu bauen.
5.
delta058 26.06.2009
Zitat von delta058Nichts gegen Naturschutzgebiete, aber wie kann ein natürlich entstandenes Gebiet *Kultur*erbe sein? Herr Gott, versuchs bei der nächsten Flut mal mit Hirn statt mit Wasser!
Nachtrag: Welt*natur*erbe, ok da ist was anderes aber ob besser ist? Die UNO kann nicht mal garantieren das in 50 Jahren der Regenwald noch existiert und der ist wichtig. Trotz allem, bringt der Titel Geld? Naturschutzgebiet ist das Wattenmeer ja schon.
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