Ungeregelter Brexit Welt-Luftfahrtverband warnt vor Störungen im Flugverkehr

Sollte der Brexit-Deal mit der EU platzen, droht Reisenden bei Flügen nach und aus Großbritannien viel Ärger. Davor warnt der Welt-Luftfahrtverband IATA.

NEIL HALL/EPA-EFE/REX/Shutterstock


Flugpassagiere und Wirtschaft müssen bei einem ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU im Frühjahr mit ernsthaften Störungen im Flugverkehr rechnen. Davor warnt der Welt-Luftfahrtverband IATA. "Ohne Deal brauchen wir dringend einen Notfallplan, aber selbst das wird wahrscheinlich kaum reichen, um kurzfristig Störungen zu vermeiden", sagte IATA-Regionalmanager Rafael Schvartzman in Genf.

Der Verband begrüße die angekündigten Schritte der EU und Großbritanniens in die Richtung, aber die Airlines brauchten deutlich mehr Details. Aber: "Der Brexit ist für die Industrie nicht gut", sagte IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac.

Schvartzman rief die Unterhändler beider Seiten auf, sich zumindest auf die gegenseitige Anerkennung von Lizenzen sowie Sicherheits- und Industriestandards zu einigen. Andernfalls müssten etwa sämtliche Gepäckstücke von Passagieren, die über Großbritannien nach Europa reisen, nach dem Ende der britischen EU-Mitgliedschaft erneut durch die Sicherheitskontrolle, und lange Schlangen an der Passkontrolle seien unvermeidbar.

Bei dem von Großbritannien angestrebtem neuen Visa-System müssen sich EU-Bürger mit allen anderen in einer Schlange stellen - auch wenn sie wahrscheinlich kein Visum benötigen werden. Das schnellere Durchwinken an der Grenze mit gelegentlichen Stichproben wäre damit Vergangenheit. Vermutlich wird auch der Reisepass statt des Personalausweises Pflicht.

Mehr Touristen durch günstigeres Pfund

Großbritannien will Ende März 2019 die EU verlassen. Die 27 bleibenden EU-Staaten hatten zwar im November das mit London ausgehandelte Brexit-Vertragswerk gebilligt. Kern ist eine Übergangsphase bis mindestens Ende 2020, in der sich praktisch nichts ändert. Aber: Ein ungeordneter Ausstieg ist nach wie vor nicht ausgeschlossen, falls das Parlament in London den Brexit-Deal ablehnen sollte. Experten rechnen dann mit chaotischen Verhältnissen in allen Lebensbereichen.

Für Urlauber in Großbritannien könnte sich nicht nur die Einreisebedingungen ändern. Bei einem ungeregelten Brexit stünden auch Fahr- und Fluggastrechte - also die Entschädigungen bei Ausfällen und Verspätungen -, Roaming-Kosten und die Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen im Krankheitsfall zur Disposition.

Was den Tourismus im Land zurzeit ankurbelt, ist dagegen der schwächere Pfund-Kurs. Seit dem Referendum zum EU-Austritt vom Juni 2016 hat die britische Währung vor allem im Vergleich zum Euro deutlich an Wert verloren. Am Mittwoch lag er bei 1,11 Euro, im Juni 2016 noch bei etwa 1,30 Euro. Unter anderem das günstigere Pfund hat in den vergangenen Jahren zu einen deutlichen Anstieg der Touristenzahlen geführt. Für 2018 rechnet das Land mit etwa 41,7 Millionen Besuchern.

abl/dpa



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