Ungeziefer in Hotels Was wirklich gegen Bettwanzen hilft

Dieses Souvenir wünscht sich kein Tourist: Bettwanzen sorgen in den Hotels der Großstädte immer häufiger für Ärger. Sie hinterlassen fies juckende Spuren und reisen manchmal sogar im Gepäck mit nach Hause. Betroffene werden die Biester nur schwer wieder los.

DPA / Harvard University / CDC / Piotr Naskrecki

Von Lisa Goldmann


Sie sind braun, flach und nur fünf Millimeter groß, aber sie sind gemein. Tagsüber verstecken sie sich in unzugänglichen Ritzen in Bett und Wand. Nachts kriechen sie aus ihrem Unterschlupf und gehen auf Beutezug. Dabei fressen sie schon mal das Dreifache ihres Körpergewichts. Ihre Nahrung: menschliches Blut. Am nächsten Morgen bleiben nur winzige Kotkrümel auf der Matratze und juckende Stiche am ganzen Körper zurück.

Bettwanzen, lateinisch Cimex lectularius, sind Ungeziefer, dem keiner gerne begegnen möchte. Blöderweise breiten sie sich aber immer mehr aus und werden für Hotelgäste weltweit zum echten Ärgernis.

Die Berichte über Wanzenprobleme in Großstädten häufen sich: In Paris und New York klagen immer mehr Hotelgäste über die widerstandsfähigen Widerlinge. Und die Plage nimmt kein Ende. Das amerikanische Hotelbewertungsportal raveable.com hat sogar eine eigene Rubrik eingerichtet: Unter "Bed Bug Watch" sind alle Hotels aufgelistet, in denen Nutzer Bettwanzen gesichtet haben.

Ein bahnbrechendes Jahr für Wanzen

Laut Betreiber der Seite gibt es 2011 schon jetzt sechsmal mehr Wanzenmeldungen als im Vorjahr. In einem soeben veröffentlichen Ranking stehen die Städte Las Vegas, New York City und San Francisco auf den Spitzenplätzen, sie sind die Wanzenmetropolen. "Es ist ein bahnbrechendes Jahr für Bettwanzen", sagt Philip Vaughn, Geschäftsführer von raveable.com.

In deutschen Unterkünften scheinen sich die Wanzen auch wohl zu fühlen. "Wir müssen immer häufiger ausrücken, um Bettwanzen zu beseitigen", sagt Jens Heuter, Marketing-Manager beim Schädlingsbekämpfer Rentokil. "Betroffen sind sowohl Privathaushalte als auch viele Hotels." Die Menschen würden immer mehr reisen, das sei einer der Gründe für die Ausbreitung. Außerdem werde übers Internet vermehrt mit alten Möbeln gehandelt, in denen die kleinen Tierchen sich verstecken und auf den nächsten großen Auftritt warten. Bettwanzen können viele Wochen ohne Nahrung überleben.

Auch Birgit Habedank, Parasitologin beim Umweltbundesamt, bestätigt, dass es in Deutschland immer mehr Hinweise auf Bettwanzen gibt: "Sie können überall eingeschleppt werden, egal, ob eine Wohnung gepflegt ist oder nicht, auch Hotels aller Kategorien können betroffen sein." Es sei zu beobachten, dass Wanzen zunehmend resistent gegen die gängigen Pestizide sind, was eine erfolgreiche Bekämpfung schwierig mache.

Beim Dehoga, dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband, gibt es jedoch keine Statistiken. "Wir können dazu nichts sagen. Die Hotels geben uns keine Rückmeldung, wir reichen jedoch Informationsbroschüren über Bettwanzen an die Hoteliers weiter", sagt Pressesprecherin Stefanie Heckel.

Braune Krümel auf weißer Wäsche

Informationen brauchen auch die Hotelgäste. Denn viele wissen wenig oder nichts über Bettwanzen. Die gute Nachricht: Wanzenbisse sind relativ harmlos. Zwar können die Insekten theoretisch Krankheiten übertragen, dafür müssten aber so viele unwahrscheinliche Faktoren zusammenkommen, dass es praktisch kaum möglich ist. Bei manchem Gebissenen bilden sich unangenehme und stark juckende Quaddeln auf der Haut, bei vielen jedoch nur kleine rote Punkte. Dagegen helfen Salben mit Antihistaminika, die den Juckreiz lindern.

Die Unscheinbarkeit der Insekten ist aber auch Teil der schlechten Nachricht: Es ist sehr schwer zu erkennen, ob man von Bettwanzen gestochen wurde. "Die Stiche ähneln Mücken- oder Flohbissen, häufig findet man mehrere dicht beieinander. Wanzen sind nachtaktiv, und man bekommt sie selten zu Gesicht", sagt Habedank.

Doch die Insekten hinterlassen Spuren. Denn kurz nach der Nahrungsaufnahme folgt auch schon die Nahrungsausscheidung, winzige schwarz-braune Kotkrümel auf Bettwäsche, Fußboden oder Möbeln. "Man sollte gezielt nach Kotspuren suchen. So lassen sich oft auch die Verstecke der Parasiten ausfindig machen", sagt Habedank.

Wenn der Hotelgast erst einmal erkannt hat, dass sein Zimmer von Wanzen befallen ist, sollte er sofort das Hotel informieren und unbedingt das Zimmer wechseln.

Oft reiche das schon aus. "Die Wanzen halten sich in der Nähe des Wirtes auf. Nachdem sie nachts Blut gesaugt haben, verkriechen sie sich meist in geschützte Verstecke wie Ritzen und Spalten am Bett oder in der Tapete, hinter Leisten, Bilderrahmen, Steckdosen oder auch in Holzmöbeln", sagt Habedank. Dass sie in Kleidung oder Koffer kriechen, passiere eher selten und vermutlich vor allem dann, wenn diese auf dem Wanderweg der Bettwanzen liegen.

Aber es kommt vor. Und der Gast nimmt die kleinen Biester mit - ins nächste Zimmer, ins nächste Hotel und womöglich mit nach Hause. Was dann?

Ab ins Gefrierfach

Wer den Verdacht hat, Wanzen im Gepäck zu haben, sollte zu Hause den gesamten Kofferinhalt auf einem weißen Laken gründlich untersuchen. Dann hilft Hitze oder Kälte. Wäsche sollte bei mindestens 45 Grad gewaschen und am besten vorher einige Stunden in Seifenlauge eingeweicht werden. Den feinen Kaschmirpulli kann man auch gut in Plastik verpackt für ein paar Tage ins Gefrierfach legen.

Für einen Koffer oder Rucksack ist dort meist kein Platz. Gepäckstücke kann man luftdicht in Plastik einpacken und einige Wochen an einer warmen Stelle lagern. Die robusten Tiere lassen sich zwar nur schwer aushungern. Aber wenn man den Koffer danach auf einem weißen Tuch wieder enthüllt, kommen die nach Blut lechzenden Tiere sehr schnell heraus und auf den Menschen zugekrabbelt. Habedank rät, sofort alle Wanzen einzusammeln, am besten in einem Glas, mit kochendem Wasser zu übergießen und im Klo runterzuspülen.

Ob sich die Tiere bereits in der Wohnung ausgebreitet haben, lässt sich mit weißer Bettwäsche oder stark haftendem, doppelseitigem Klebeband testen. "Dann hilft leider nur noch ein Profi", sagt Habedank. Und selbst für den Schädlingsbekämpfer stellt das Ungeziefer eine kleine Herausforderung dar. "Er sollte Erfahrung mit der Bekämpfung von Bettwanzen haben, ihre Verstecke vor Ort suchen und noch einige Wochen lang überwachen, ob wirklich alle Wanzen getilgt wurden. Gegebenenfalls muss er noch einmal eingreifen." Denn nur wenn jede Wanze getötet wird, breiten sich die Biester nicht weiter aus.



insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
willi2007 09.09.2011
1. Fernseher
vielleicht hilft es ja, einen Fernseher vor dem Bett aufzustellen und nach Eintritt der Dunkelheit das RTL-Programm laufen zu lassen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Bettwanzen spätestens nach drei Nächten genervt aufgeben und abwandern.
gatsue 09.09.2011
2. Bettwanzen
Wir haben diese Plage gerade selber in der Wohnung in Hamburg. Wie es scheint, haben wir die Bettwanzen nicht über ein Hotel eingeschleppt, sondern sie krochen aus einem alten, lange nicht genutzten Kamin, als dort Breitband Kabel verlegt wurden, und die Dosen sehr wacklig befestigt wurden. Unsere Bettwanzen gehen ausschließlich auf meine Frau und unser Baby los. Man erkennt die Bettwanzenstiche sehr gut: Sie sind zumeist in einer Reihe oder kreisförmig angeordnet und man bekommt mehrere ausschließlich nachts. Unterlegt man das Bett mit einem weißen Tuch und beobachtet nachts, kann man die Tiere entdecken. Das meiste in dem Artikel ist zutreffent. Falsch ist, dass man die Tiere mit doppelseitigem Klebeband fangen kann. Die spazieren drüber hinweg. Leider muss ich auch sagen, dass unsere Wohungsgenossenschaft sich extrem ungenossenschaftlich verhält, und uns alles selbst überlassen wird. Aber das ist typisch Hamburg
fluxkompensator, 09.09.2011
3. Die Bahn
Ich kann nur dazu raten, nicht im Schlafwagen der Bahn zu fahren, schon gar nicht in den 40 Jahre alten blauen Waggons, die seit Jahrzehnten zwischen Moskau und Lissabon pendeln. Bin einmal fast ausgesaugt worden. Seitdem: Nie wieder Schlafwagen.
1_punch_mickey 09.09.2011
4. Kammerjäger ist Pflicht
Selbst bekämpfen können Sie gleich vergessen. Lieber sofort den Kammerjäger rufen. Ich musste diese Plage mal am eigenen Leib erfahren und will das nie wieder erleben! Bei mir waren die Viecher damals bereits in der Wohnung als ich eingezogen bin. Die Vormieterin hatte nämlich mit Pferden zu tun. Doch bis ich dann mal die üblichen Verdächtigen (Allergien, Mückenstiche) ausgeschlossen hat, weigerte sich der Vermieter den Kammerjäger zu bezahlen. Der zweimalige Einsatz hat übrigens locker 1500 € gekostet. Zuerst wurde nur eine Spotbehandlung gemacht (Steckdosen, Bettgestell, Fußleisten usw.), später dann die ganze Wohnung vergast. Lebensmittel durfte ich dann allerdings entsorgen. Danach wurde vom Kammerjäger der uralte Teppichboden rausgenommen. Die Viecher waren echt überall, sogar in Büchern, in dem Spalt zwischen Wand und Dübel... Das sieht man ann hinterher an den Kotspuren. Schon allein deshalb hilft hier wirklich nur der Kammerjäger. DAss das mit den Klebebändern nicht hilft, kann ich bestätigen. Ganz besonders stark betroffen von dieser Plage sind Hostels. Ich empfehle http://bedbugregistry.com/ (leider nur Amerika).
tinamibia 09.09.2011
5. Bettwanzen
Man muß mindestens 2 x gegen Bettwanzen vorgehen. Da die Larven gegen das Gift oftmals resistent sind, muß man nach 3 Monaten nochmal sprühen. Dann sollte es aber gut sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.