Gewaltsamer Rauswurf aus United-Maschine Nase gebrochen, zwei Zähne verloren

Die US-Fluggesellschaft United steht nach dem rabiaten Rauswurf eines Senioren aus einer Linienmaschine heftig in der Kritik. Nun erhebt der Anwalt des Betroffenen neue Vorwürfe, eine Klage soll folgen.

United-Airlines-Maschinen
REUTERS

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Nach dem rabiaten Rauswurf eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug von United Airlines hat der Anwalt des Mannes schwere Vorwürfe gegen die Luftfahrtbranche erhoben. Seit Längerem schikanierten Fluggesellschaften Passagiere, sagte Thomas Demetrio bei einer Pressekonferenz in Chicago.

Der Jurist erklärte, er werde wahrscheinlich Klage gegen United Airlines einreichen. Nach Darstellung seines Anwaltes zog sich der 69-jährige Passagier bei dem Vorfall eine schwere Gehirnerschütterung zu, außerdem brach er sich die Nase und verlor zwei Zähne.

United Airlines hatte den Passagier am Sonntag in Chicago gewaltsam aus der Kabine der Maschine entfernen lassen, weil der Flug überbucht war. Videos von dem Vorfall zeigten, wie Sicherheitsleute den Mann über den Boden des Kabinengangs zum vorderen Ausgang des Flugzeuges ziehen. Dies hatte weltweit Empörung ausgelöst.

Im Video: Passagier wird aus United-Airlines-Maschine gezerrt

Facebook/Audra Dickerson

Zuletzt hatte der betroffene Passagier die Basis für etwaige Klagen gegen die US-Fluggesellschaft gelegt. Seine Anwälte ersuchten am Mittwoch ein Gericht im US-Bundesstaat Illinois, die Sicherung von relevanten Dokumenten und Überwachungsvideos anzuordnen. Dazu gehörten auch Passagierlisten und Tonaufnahmen aus dem Cockpit.

Die US-Fluggesellschaft hatte am Mittwoch angekündigt, allen Passagiere des betroffenen Fluges 3411 den Wert ihres Flugtickets zurückzuzahlen. Laut einer Sprecherin dürfen die Passagiere entscheiden, ob sie Geld, Flugmeilen oder Gutscheine erhalten möchten.

United-Vorstandschef Oscar Munoz entschuldigte sich für den Vorfall und übernahm die volle Verantwortung. "Das wird nie wieder passieren", sagte Munoz dem US-Sender ABC. United werde keine Sicherheitsbeamten mehr in eine Maschine holen, um einen Passagier herauszuholen, der gebucht und bezahlt habe und im Flieger sitze. Er habe sich geschämt, als er die Videos gesehen habe.

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Brutaler Rauswurf: Was an Bord von United-Flug 3411 geschah

Munoz sprach außerdem von einem "Systemfehler". United habe für seine Führungskräfte kein Verfahren etabliert, das diesen ermögliche, ihren gesunden Menschenverstand zu benutzen. Kurz nach dem Vorfall hatte Munoz das Vorgehen der United-Mitarbeiter noch verteidigt.

Der demokratische US-Senator Chris van Hollen hatte nach dem Vorfall eine Gesetzesinitiative angekündigt. Demnach soll es künftig Fluggesellschaften verboten werden, Passagiere zwangsweise aus einer überbuchten Maschine zu holen. Die Airlines sollten mögliche Probleme bei überbuchten Fliegern außerdem vor dem Einsteigen der Passagiere ins Flugzeug lösen. (Lesen Sie hier mehr zu den Rechten von Passagieren bei Überbuchung.)

mxw/dpa

insgesamt 147 Beiträge
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zephyroz 13.04.2017
1. United hats verdient
Normalerweise lehne ich das amerikanische Rechtssystem mit seinen abnormalen Strafen ab. Aber in diesem Fall haben sich die United Manager eine fette Strafe mehr sls verdient.
Europa! 13.04.2017
2. Dranbleiben!
Dieser Skandal darf nicht in Vergessenheit geraten, bis die brutalen Schläger bestraft, der Passagier entschädigt und die Gesetzgebung geändert worden ist.
Spiegelleserin57 13.04.2017
3. die Lösung wäre doch viel einfacher...
die Maschine am Boden lassen, wegen Überladung fluguntauglich schreiben. Da wäre ganz schnell Platz in der Maschine!
Volker Kamin 13.04.2017
4. Soetwas passiert...
...wenn einfache Angestellte damit rechnen müssen den Job und damit ihre Existenz zu verlieren, wenn sie nicht blinden Gehorsam leisten. Die Berufung eines Richters in den Surpreme Court, der die Meinung vertritt, dass ein Angestellter auch den Kältetod riskieren muss, um seinen Job zu behalten, wird solches Verhalten in den USA in Zukunft noch mehr fördern.
HaraldKönig 13.04.2017
5. Keine Überbuchung!
Die Maschine war nicht überbucht. Es wurden lediglich außerplanmäßig 4 weitere Plätze für Crewmitglieder benötigt, die ihren Dienst am Zielflughafen antreten sollten.
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