Nach gewaltsamen Rauswurf Passagier bereitet Klage gegen United Airlines vor

Die US-Fluggesellschaft United muss sich auf eine Klage einstellen: Anwälte des am Sonntag gewaltsam aus einer Maschine gezerrten Passagiers haben die Sicherung von relevanten Dokumenten und Videos beantragt.

United-Airlines-Maschinen
REUTERS

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Am Sonntag war ein Passagier mit Gewalt aus einer überbuchten Maschine von United Airlines gezerrt worden. Der Vorfall hatte weltweit Empörung ausgelöst. Nun hat der 69-jährige Mann die Basis für etwaige Klagen gegen die US-Fluggesellschaft gelegt.

Seine Anwälte ersuchten am Mittwoch ein Gericht im US-Bundesstaat Illinois, die Sicherung von relevanten Dokumenten und Überwachungsvideos anzuordnen. Dazu gehörten auch Passagierlisten und Tonaufnahmen aus dem Cockpit.

Außerdem kündigten die Anwälte an, dass sie am Donnerstag in Chicago vor die Presse treten wollten. Auch ein Verwandter des betroffenen Mannes werde sich zu dem Vorfall äußern.

United Airlines hatte den Passagier am Sonntag in Chicago gewaltsam aus einer Kabine entfernen lassen, weil das Flugzeug überbucht war. Videos von dem Vorfall zeigten, wie Sicherheitsleute den Mann über den Boden des Kabinengangs zum vorderen Ausgang des Flugzeuges ziehen. Dies hatte weltweit Empörung ausgelöst.

Im Video: Passagier wird aus United-Airlines-Maschine gezerrt

Facebook/Audra Dickerson

Die US-Fluggesellschaft teilte am Mittwoch mit, dass alle Passagiere des betroffenen Fluges 3411 eine Kompensation in Höhe des Preises ihres Flugtickets erhalten werden. Laut einer Sprecherin dürfen die Passagiere entscheiden, ob sie Geld, Flugmeilen oder Gutscheine erhalten möchten.

United-Vorstandschef Oscar Munoz entschuldigte sich unterdessen erneut für den Vorfall. "Das wird nie wieder passieren", sagte Munoz dem US-Sender ABC. United werde keine Sicherheitsbeamten mehr in eine Maschine holen, um einen Passagier herauszuholen, der gebucht und bezahlt habe und im Flieger sitze.

Munoz sagte, er habe sich "geschämt", als er die Videos gesehen habe. Er sprach außerdem von einem "Systemfehler". United habe für seine Führungskräfte kein Verfahren etabliert, das diesen ermögliche, ihren "gesunden Menschenverstand" zu benutzen. Kurz nach dem Vorfall hatte Munoz das Vorgehen der United-Mitarbeiter noch verteidigt.

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Brutaler Rauswurf: Was an Bord von United-Flug 3411 geschah

Nach Kritik auch am Krisenmanagement der Airline sowie Boykottaufrufen in sozialen Netzwerken hatte sich Munoz am Dienstag dann in aller Form für den Vorfall entschuldigt und die Verantwortung übernommen. Er kündigte außerdem eine Überprüfung des Falls an. Dazu gehöre, wie United künftig mit Überbuchungen von Flugzeugen umgehe. Die Ergebnisse sollen bis Ende April vorgelegt werden.

Am Mittwoch wurden zudem zwei weitere Sicherheitskräfte des Flughafens beurlaubt. Bereits zwei Tage zuvor war ein Mitarbeiter, der den Passagier durch die Kabine gezogen haben soll, bis zum Abschluss der Untersuchung des Vorfalls beurlaubt worden.

Unterdessen kündigte der demokratische US-Senator Chris van Hollen laut Medienberichten eine Gesetzesinitiative an. Demnach soll es künftig Fluggesellschaften verboten werden, Passagiere zwangsweise aus einer überbuchten Maschine zu holen. Die Airlines sollten mögliche Probleme bei überbuchten Fliegern außerdem vor dem Einsteigen der Passagiere ins Flugzeug lösen. (Lesen Sie hier mehr zu den Rechten von Passagieren bei Überbuchung.)

max/Reuters/AP/dpa

insgesamt 54 Beiträge
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jomai 13.04.2017
1. Systemehler?
Durchaus möglich dass die Sicherheitsleute den Passagier nicht gewarnt hatten dass sie Gewalt anwenden falls er seinen Platz nicht verlässt. Das wäre dann vermutlich durchaus ein Systemfehler. Denn zumindest in diesem Fall hat sich United an ihr System gehalten und vorher angekündigt dass sie Notfalls Handschellen verwenden werden http://www.latimes.com/business/lazarus/la-fi-lazarus-united-low-priority-passenger-20170412-story.html
dereuropaeer 13.04.2017
2.
Solch eine Behandlung von Passagieren ist unendschuldbar. Alle an dieser Aktion beteiligten Angestellten von United Airlines sollten lebenslanges Arbeitsverbot bei Fluggesellschaften bekommen. So geht man nicht mit Kunden um. Aber, das ist Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
uhu_13 13.04.2017
3. United muss lernen
United muss lernen. Nach meiner Erfahrung benimmt sich diese Airline wie die schlimmsten Vorurteile über ein Amt. Ist aber in den USA bei vielen dieser Großkonzerne so, kein Unterschied ob United, Comed, Comcast, oder der Staat selbst. Alle haben unterirdische Bewertungen in Kundenzufriedenheit. Das passiert halt wenn sich Oligopole herausbilden und der Markt nicht mehr funktioniert.
peter-k 13.04.2017
4. Firmen müssen wieder für Kunden arbeiten, nicht für Shareholder
Sobald ich meinen gebuchten Platz eingenommen habe könnten die mich auch nicht mehr so einfach wegzerren. Wenn ich beim Check-In bin oder unter Umständen auch noch am Gate bin ich gerne bereit über derartige Vorschläge nachzudenken. Die Lufthansa und Singapore Airlines haben mir stets vernünftige Vorschläge gemacht. So etwas muss illegal werden, und zwar weltweit. Zumal es sich in diesem Einzelfall nicht um eine Überbuchung handelte, wie einige andere schon geschrieben haben. Der Mann dürfte gute Chancen auf eine angemessene Entschädigung haben. Meine Empfehlung: United und Delta meiden!
eunegin 13.04.2017
5. gesunder Menschenverstand
Zitat "United habe für seine Führungskräfte kein Verfahren etabliert, das diesen ermögliche, ihren "gesunden Menschenverstand" zu benutzen." Als Deutsch-Amerikaner muss ich leider sagen, dass das in den USA ohnehin weniger verbreitet ist als in Deutschland. Dort geht es weit mehr nach "rules and regulations" als bei hier, auch wenn das manche nicht glauben wollen (die, die nie in den USA waren). "It's the law" - dahinter versteckt man sich in den USA gerne. Und das unnachgiebig. In meinem Unternehmen versuche ich gerade junge Mitarbeitern immer wieder zu motivieren, mitzudenken (übrigens schlecht ins Englische zu übersetzen...).
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