Netzwerke suchen neuen Slogan "United Airlines: Wir behandeln Sie wie Ihr Gepäck"

Aus einer einfachen Überbuchung wird der vermutlich größte Shitstorm in der Geschichte des modernen Fliegens. United Airlines ließ einen Passagier von Bord zerren - und das Image ist dahin.

Facebook/Audra Dickerson

Man nehme: institutionalisierte Willkür, brutale Sicherheitsmänner, implizierten Rassismus und eine lachhafte Entschuldigung durch einen Verantwortlichen. Man bekommt: den vermutlich größten Shitstorm in der Geschichte des modernen Fliegens.

Es sind brachiale Bilder, mit der die US-Fluggesellschaft United Airlines eine Image-Bruchlandung hinlegt: ein blutender, hilfloser Passagier, der brutal aus dem Flugzeug geschleift wird. Schreiende Passagiere, die das Sicherheitspersonal anflehen, von dem Mann abzulassen. Menschen, die die Szene aus verschiedenen Blickwinkeln filmen und sofort online stellen. Weinende Kinder an Bord, die Zeuge des Vorfalls wurden, wie Passagiere den Medien berichteten.

Die verstörenden Szenen, die sich auf United Flug 3411 von Chicago nach Louisville abgespielt haben, als ein Passagier aus dem überbuchten Flugzeug geschleift wurde, waren abschreckend. Bizarr ist aber auch die Erklärung von United-CEO Oscar Munoz: Dieser hatte sich entschuldigt, dass man Passagiere neu unterbringen ("re-accommodate") musste - und damit neuen Zorn entfacht.

Nun wird das Verhalten der United-Führungsebene zum PR-GAU - den Rest besorgen die sozialen Medien. Unter dem Hashtag #NewUnitedAirlinesMottos werden bei Twitter neue Slogans für die strauchelnde Fluglinie gesammelt.

"United Airlines! Wir behandeln Sie wie Ihr Gepäck", ätzt User George. Oder: "Bitte schalten Sie nun Ihr Smartphone aus, wir möchten kein Beweismaterial auf Video", schreibt ein anderer. "United! Our Service can't be beat" ("Unser Service ist unschlagbar"), schlägt der Nächste vor. Oder: "Jetzt neu: Freie Platzwahl."

User Ethan arbeitet mit dem berüchtigten "re-accommodate" - und passt neben dem Slogan auch das Logo an:

Als große nationale Fluglinie hat United auch "red eyes" im Programm, Nachtflüge, die wegen der roten Augen am nächsten Morgen so genannt werden. Nun wird hier jeder Flug zum "red eye":

Der Zwischenfall regt natürlich die Fantasie an. Zum Beispiel: Wie würde sich Indiana Jones als United-Flugbegleiter machen?

Wie klingt wohl mittlerweile die Begrüßung des Kapitäns an Bord?

Oder die Verabschiedung durch die Stewardessen?

Überhaupt, wie muss man sich die Ausbildung des Kabinenpersonals bei United vorstellen?

Immerhin: Einen gibt es immer, dem es noch schlechter geht als einem selbst. Vielleicht ist dies der Silberstreifen am Horizont, auf den sich die PR-Abteilung von United vorerst konzentrieren sollte.

ayy



insgesamt 77 Beiträge
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JerryKraut 11.04.2017
1. So funktioniert
US-Management. Habe es am eigenen Leibe erlebt :-(. Falls ich noch jemals in die USA fliegen sollte, dann nur mit meiner Franziska :-). Grüße aus Franken.
USBStick 11.04.2017
2. Alles richtig gemacht
Soweit man einen Artikel weiter oben liste, das der Aktienkurs dieser Fluggesellschaft gerade steigt, hat sie dann ja wohl alles richtig gemacht. Wer das Monopol hat, entscheidet wer mitfliegt, Rest egal. Ok, merken wir uns trotzdem mal, mit dieser Gesellschaft besser nicht zu fliegen.
hegoat 11.04.2017
3.
Gestern gab es hier im ersten Artikel zu dem Vorfall tatsächlich Kommentare, die das Verhalten der Crew guthießen. Da fielen Sprüche wie "den Anweisungen des Personals ist halt Folge zu leisten" oder "der Kapitän hat das Hausrecht". Dazu passen sehr gut die obigen Bilder/Videos von Samuel L Jackson und Leslie Nielsen. Gott sei Dank sind die Amis nicht so obrigkeitshörig wie manche Kommentatoren hier.
capote 11.04.2017
4. Was heisst hier
Das hört sich nach Panne oder Vershen an, da kann aber gar keine Rede von sein, 4 Angestellte der Linie wollten/sollten kurzfristig noch mitfliegen, die gar nicht gebucht waren, dann müssen zahlende Passagiere eben rausgeworfen werden, wenn die nicht freiwillig gehen.....
querulant_99 11.04.2017
5.
Zitat von USBStickSoweit man einen Artikel weiter oben liste, das der Aktienkurs dieser Fluggesellschaft gerade steigt, hat sie dann ja wohl alles richtig gemacht. Wer das Monopol hat, entscheidet wer mitfliegt, Rest egal. Ok, merken wir uns trotzdem mal, mit dieser Gesellschaft besser nicht zu fliegen.
Ach, man muss sich um United keine Sorgen machen. Die bieten den Flug in Zukunft einfach einen Dollar günstiger an als ihre Wettbewerber und schon herrscht wieder heilloses Gedränge in den Gängen ihrer Flugzeuge, und die Rausschmeißer haben wieder alle Hände voll zu tun...
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