Unter vollen Segeln: Wassertourismus hat noch Wachstumschancen

Ob mit Segelboot, Surfbrett oder Kajak - über 6,3 Millionen Deutsche sind aktive Wassersportler. Anspruch und Wirklichkeit der wassertouristischen Infrastruktur klaffen jedoch noch weit auseinander. Laut einer Studie hat der Wirtschaftszweig ein "riesiges Potenzial".

Alstergrachtenfahrt über Hamburger Binnenalster: "Voll im Trend"
DDP

Alstergrachtenfahrt über Hamburger Binnenalster: "Voll im Trend"

Hamburg - Freizeitaktivitäten im, am und auf dem Wasser haben in Deutschland einen hohen Stellenwert, und auch die Ausgangsbedingungen klingen viel versprechend: Mehr als 10.000 Kilometer lang ist das zusammenhängende Wasserwegenetz. "Es gibt viele reizvolle Binnenseen und 23.000 Quadratkilometer Seewasserstraßen", erläutert Mathias Feige vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) in Berlin. Aber mit den Möglichkeiten steht es noch nicht zum Besten: Der Wassertourismus ist ausbaufähig - das hat eine Studie im Auftrag des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), der Hamburg Messe und des Bundesministeriums für Wirtschaft ergeben.

Es gebe noch ein "riesiges Potenzial", sagt Hartmut Rein vom BTE-Institut aus Berlin, das die Untersuchung zusammen mit dem dwif vornimmt. "Wassertourismus ist ein Wirtschaftszweig, dessen Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft sind", ist sich Rein sicher. Die "Grundlagenuntersuchung Wassertourismus in Deutschland", deren erste Ergebnisse im Vorfeld der Internationalen Bootsausstellung Hanseboot in Hamburg (bis 3. November) vorgestellt wurden, soll nun klären helfen, wie die Perspektiven aussehen.

Wassersport liege bei deutschen Urlaubern "voll im Trend": Die Zahl der Deutschen, die Wassersport ausüben, variiert laut Feige stark: "Die 6,3 Millionen, von denen wir ausgehen, dürften eher eine vorsichtige Schätzung sein." Doch nur wenige Bundesländer haben bisher Entwicklungskonzepte für Wassertourismus vorgelegt - darunter Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Dabei würden allein in Brandenburg nur durch den Kanutourismus jährlich Einnahmen von 7,6 Millionen Euro erzielt, zusätzlich zu den 3,6 Millionen Euro durch den Motorboottourismus. In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel stehen knapp 9 von 20 Millionen Übernachtungen jährlich im Zusammenhang mit Wassertourismus.

"Wassersport und Wassertourismus ziehen aber noch selten an einem Strang", klagt Feige. Manchmal sind es aber auch praktische Probleme, die "Wasserratten" zu schaffen machen, etwa die Schleusenkapazitäten. "In Fürstenberg in Brandenburg liegt die Wartezeit bei bis zu fünf Stunden", sagt Feige. An manchen "zentralen wassertouristischen Knotenpunkten" ergeben sich auf diese Weise störende Engpässe. Aber auch die touristische Infrastruktur sei noch ungenügend: "Es fehlt zum Beispiel oft an Übernachtungsmöglichkeiten und an einer vernünftigen Verkehrsanbindung." Auch die Ausschilderung lasse häufig zu wünschen übrig.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Reise
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Aktuell
RSS
alles zum Thema Urlaub auf dem Wasser
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite