Tipps für den Herbsturlaub Hier wird's grauslig - dort ist's schön

Nun hat der Herbst offiziell begonnen - kein Grund jedoch, zu Hause zu bleiben. Hier erzählen SPIEGEL-ONLINE-Redakteure von ihren Lieblingsreisezielen - vom Alentejo über Slowenien und Israel bis zum Hudson River

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Hudson River: Achtung, USA-Klischee!

Oktober ist für mich der schönste Monat in New York - nicht nur in der City, sondern vor allem im Bundesstaat. Von Manhattan braucht der Zug keine Stunde bis in die Idylle des Indian Summers mit seinen flammenden Hügeln, verwunschenen Tälern, Kürbisköpfen und Kolonialveranden. Die Bahn rattert am Hudson entlang, überall gibt es Antiquitätenläden, Galerien, Brauereien, Brennereien.

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Von Alentejo bis USA: Herbstreisetipps aus der Redaktion

Sleepy Hollow ist ein Märchenort, bekannt durch Horrorstorys und Gruselfilme. In Cold Spring kann man gemütlich shoppen und Kunst gucken, das Museum Dia:Beacon, fünf Gehminuten vom Bahnhof, hat Warhols und - schon wieder - einen tollen Blick. In Poughkeepsie führt die längste Fußgängerbrücke der Welt über, na klar, den Hudson. In Rhinebeck treffen sich im Oktober die Strickenthusiasten samt der Schafe, die ihnen die Wolle geben. Endziel ist Hudson, ein Künstlerstädtchen mit tollen Cafés. Wer lieber das Auto nimmt, schafft die ganze Tour hin und zurück an einem (langen) Tag und ist rechtzeitig zum Dinner wieder in Brooklyn.

Marc Pitzke, USA-Korrespondent in New York

Jantarnij: Strand des Bernsteins

Christina Hebel

Den Kopf frei bekommen - das kann ich am besten am Meer. Meine kleine Oase in Russland liegt ganz im Westen, in der Kaliningrader Region: Jantarnij heißt der Ort: zu Deutsch bernsteinfarben. Man erreicht ihn über mit Bäumen gesäumte Straßen. In Jantarnij werden 90 Prozent des weltweiten Bernsteinvorkommens abgebaut. Aber vor allem ist es der Kilometer lange weiße Sandstand entlang der Steilküste, der den Ort für mich so besonders macht. Hier laufe ich Stunden lang, schaue auf die tanzenden Schaumkronen der Ostsee und lasse mir den Wind um die Ohren pusten. Ab und an mache ich Pause und schaue in den Sand, hier liegt das Gold der Ostsee: kleine Stücke Bernstein.

Christina Hebel, Russland-Korrespondentin in Moskau

Marokko: 1001 Überraschungen und immer Minztee

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Auch Ende November empfängt Marokko seine Besucher mit freundlichen 23 Grad. Rund vier Stunden Flugzeit sind es bis Marrakesch, von dort etwa drei Stunden Busfahrt in das Küsten- und Künstlerstädtchen Essaouira. Hier verbrachte ich vergangenes Jahr eine Woche mit meinem besten Freund - der perfekte Ort, um den kalten Tagen in Deutschland ein wenig zu entfliehen.

Die Sonne schien, es war angenehm warm. Wir tranken Minztee in Straßencafés, entdeckten die in Gemäuer eingeschlossene und einem Labyrinth ähnelnde Altstadt, ständig neue Händler, Gerüche und das Hippie-Flair, das Jimi Hendrix und Bob Marley hinterließen. Bis in den Abend hinein konnten wir im T-Shirt auf der Dachterrasse unseres Riads, einem traditionell marokkanischen Haus mit Innenhof, verbringen. Die Nachmittage lagen wir am Strand, nur zum Baden im Meer war es dann doch zu frisch. Gesättigt mit marokkanischem Vitamin D kam mir der anschließende Winter in Hamburg gar nicht so lang und grau vor.

Mara Veigel, Social-Media-Redakteurin

Israel: Wandern in der Steinwüste

Veronique Brüggemann

Immer schön, aber im Herbst besonders für Wanderer perfekt: Israel. Es ist warm und sonnig, aber nicht mehr unerträglich heiß. Das ist großartig! Denn erst im Herbst lässt es sich sogar in der Wüste aushalten. Dann kann man zum Beispiel - wie laut der Bibel einst die Israeliten beim Auszug aus Ägypten oder später auch Jesus - durch die Steinwüste Negev wandern. Oder man erklimmt am Toten Meer die antike Festung Masada und besichtigt Mizpe Ramon, den "Grand Canyon Israels".

All das geht bei 25 bis 30 Grad angenehmer als bei fast 40 Grad. Wer richtig ambitioniert ist, kann sich auf den Israel-Trail begeben, einen Fernwanderweg, der durch das ganze Land führt. Doch auch für Sightseeing in Jerusalem und Haifa, Kultur und Entspannung in Tel Aviv oder Schnorcheln am Roten Meer ist das Wetter im Herbst genau richtig. Kühl, grau und regnerisch wird es frühestens im Dezember.

Veronique Brüggemann, Social-Media-Redakteurin

Slowenien: Türkis, türkiser, Soca

Petra Maier

Grandiose Berge, Meer und tolle Städte - Slowenien war das perfekte Reiseziel für mich, da ich mich nie entscheiden kann. Zwölf Tage lang fuhr ich mit meiner Schwester im Auto durch das kleine Land, das nur so groß wie Hessen ist. Startpunkt war die Hauptstadt Ljubljana. Mit ihren pastellfarbenen Häusern, der Burg, dem Fluss und den Brücken ist die Innenstadt sehr hübsch - und ich war begeistert.

Aber schon wegen der Natur sollte man nach Slowenien - die Wandertouren durch die Vintgar-, Mostnica- und Tolmin-Klammen gehörten zu meinen Highlights. Nie zuvor habe ich so intensiv türkisblaues Wasser gesehen wie das der Soca, die Klettertour zu ihrer Quelle war für mich aber etwas zu abenteuerlich. Besser gefallen haben mir die Fahrt über den höchsten Pass des Landes, den Vrsšicpass, und der Bleder See, den ich vorher nur von Instagram kannte. Noch schöner fand ich seinen großen Bruder, den Bohinj-See, denn dort war es viel ruhiger. Die letzten Tage unserer Reise verbrachten wir im Küstenstädtchen Piran. Von der Pizza, die wir in der Gostilna Trattoria gegessen haben, schwärmen wir noch immer.

Petra Maier, Redakteurin bei Snapchat

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Koh Phayam in Thailand: Hängematte, Bier, Sonnenuntergang

Wer jetzt nicht versucht, diesen Jahrhundertsommer noch ein wenig zu verlängern, ist selbst schuld. Im Herbst zieht es mich immer wieder nach Südostasien: die Flüge sind erschwinglich, die Regenzeit ist gerade vorbei, und für nicht einmal zwei Euro brutzeln die leckersten Currys in den Woks der Garküchen. Viele zieht es auf die bekannten Inseln wie Koh Phi Phi, Phuket oder Koh Phangan - nicht mein Ding.

Etwas unberührter ist Koh Phayam, im Südwesten Thailands, in der Nähe der Grenze zu Myanmar. Weiße Sandstrände mit kleinen Strandhütten säumen die autofreie Insel. Hier kann man vor allem eines: entspannen. Wem das wie mir nach ein paar Tagen zu langweilig wird, sollte sich einen Roller mieten und Phayam erkunden. In einigen Cafés kann man seinen Kaffee selbst rösten, am Nachmittag vielleicht eine Yoga-Stunde machen oder Kajaks leihen und zu den kleinen vorgelagerten Inselchen fahren. Am Abend ist ein Abstecher zur Hippy Bar obligatorisch, einer aus alten Brettern zusammengezimmerte Bar. Das Abendprogramm: in die Hängematte legen, Bier bestellen, Sonnenuntergang genießen.

Katherine Rydlink, Reise-Redakteurin

Allgäu: Buttermilch zum Käsebrot

Maria Stöhr

Kommen Sie kurz mit in meine Heimat, die Allgäuer Berge? Dann könnten wir an einem Herbstmorgen im Tal die Wanderstiefel anziehen und sehen, dass die Sonne durch den Dunst bricht. Wir würden die Rucksäcke schultern und losstapfen hinauf zum Hochgrat (1843 Meter), dem ersten Berg dieser Gratwanderung, die uns über acht Gipfel entlang der Nagelfluh-Kette führt. Während wir oberhalb der Baumgrenze entlangwandern, leuchten von unten Föhren, Buchen, Bergahorn mit gelbem und rostrotem Laub. Wenn wir Glück haben, pfeift ein Murmeltier.

Wir legen neben einer verlassenen Alpe Rast ein und spülen ein Käsebrot mit Buttermilch hinunter. Dann blicken wir nach Osten zur Zugspitze und blinzeln ein bisschen schadenfroh nach Westen zum Bodensee, der jetzt viel öfter von Nebel geplagt ist als das Allgäu. Wir raffen uns zum letzten Gipfel der Tour auf, dem Mittagberg. Fotografieren noch ein Edelweiß und fallen dann unten im Tal in ein Gasthaus ein. Dann warten wir auf den Muskelkater, der im Allgäu nie so schlimm ausfällt wie anderswo.

Maria Stöhr, Politik-Redakteurin

Portugal: Ein Strand für sich

imago/ Gerhard Buthmann

Wer im Herbst in den Sommerurlaub fahren will: Ab an die Westküste Portugals! Südwestlich von Lissabon erstrecken sich in der Alentejo-Region tolle Strände, im Hinterland kann man hervorragend wandern. Städtchen wie Vila Nova de Milfontes oder Porto Covo, die der Fernwanderweg Rota Vicentina streift, sind zum Verlieben schön, und dort kann man in einem der vielen Restaurants die Fischkarte durchprobieren.

Im September ist der Alentejo noch sehr sommerlich, aber keinesfalls überlaufen - ja, man kann sogar einen Strand ganz für sich haben. Wer weiter in den Süden fährt, könnte vielleicht enttäuscht sein, denn an der Algarve sieht es anders aus: Am Kap St. Vincent, dem südwestlichsten Punkt Europas, gibt's einen Bratwürstchenstand ("den letzten vor Amerika"), die Restaurants sind hochpreisiger aber nicht besser. Doch auch hier gibt es natürlich tolle Strände.

Mara Veigel, Social-Media-Redakteurin

Manchester: Musik überall

Getty Images

Manchester ist Musik. Die Zeiten von Haçienda, Madchester, Britpop und Rave sind vorbei, doch dieser Geist macht die Pubs und Kellerklubs der Stadt noch immer zu magischen Orten. Dort stehen an jedem Abend der Woche Musiker auf den zahllosen Bühnen und träumen davon, die nächsten Oasis, Joy Division oder The Smiths zu werden. Erleben lässt sich das besonders gut im Northern Quarter, zwischen dem Night and Day Café, dem Jimmy's, der Soup Kitchen und unzähligen anderen Läden.

Besonders an Wochenenden hat man hier das Gefühl, sich mitten in einem Klubfestival zu befinden. Irgendwo gibt es immer Livemusik. Zur Stärkung empfehle ich einen Besuch im Northern Soul Grilled Cheese - mit - na klar - viel Käse. Natürlich werden auch die Straßen des Viertels fleißig gentrifiziert. Doch Manchester hat sich dabei bisher seine liebenswerte Schrabbeligkeit erhalten. Und wenn der Herbst kommt und die Menschen vom späten Frühstück über den Plattenladen direkt in die Pubs treibt, gibt es wohl wenige Großstädte, die so gemütlich sind.

Tim Pommerenke, Sport-Redakteur

Fünen: Flucht aus der Großstadt

Egeskov Castle

Herbsturlaub in Dänemark und das in einem Ferienhaus - ein Evergreen. Bei mir hängen daran Kindheitserinnerungen von stürmischen Tagen am Meer, Nachmittagen vor einem Ofen, in dem Holz knackt und Kartoffeln backen, und Bastelstunden, bei denen am Ende Feuersteine, Treibholz und Finger zusammenkleben. Um einiges besser war das Wetter auf dem herbstlichen Fünen ein paar Jahrzehnte später, nur 300 Kilometer nördlich von Hamburg. Die dänische Küste taugte immer noch für eine kleine Flucht aus der Großstadt.

Vor der nördlichen Inselspitze, am Fyns Hoved, schnauften die kleinen Schweinswale durch die Wellen. In Odense geht es im kulturellen Zentrum des Hauptorts, der Brandts Klaedefabrik, etwas alternativ zu - samt Kunstmuseum, Kino, Cafés und kleinen Shops. In Kerteminde zeigt das Johannes-Larsen-Museum, warum die dänische Plein-Air-Malerei so großartig ist. Und das Schloss Egeskov prahlt mit seiner riesigen Oldtimer-Sammlung und einer außergewöhnlichen Gartenanlage, die alle fünf Sinne ansprechen soll. All das hinterließ neue, sehnsuchtsvolle Herbsterinnerungen.

Antje Blinda, Ressortleiterin Reise

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