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Urlaub im Krisenland Ägypten: "Keiner fragt mehr nach den Haien"

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Parallelwelt am ägyptischen Strand: Noch immer sind rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter in den Retortenstädten am Roten Meer, trotz der Proteste in den Metropolen will kaum einer abreisen. Sorgen bereitet den meisten nur die Versorgungslage - mit Bier und Zigaretten.

Tourismus in Ägypten: Leere Liegen, einsame Pyramiden Fotos
DPA

Die Lage in Ägypten ist, wie sie immer war - zumindest in den Touristenhochburgen Hurghada, Scharm al-Scheich und Marsa Alam: Weit weg vom europäischen Winter genießen Zehntausende Urlauber Strand, Sonne und die reiche Fauna des Roten Meers. Gleichzeitig aber ringen aufgebrachte ägyptische Demonstranten um eine neue Regierung und vielleicht sogar um eine neue Gesellschaftsordnung. Nur ein paar hundert Kilometer entfernt, aber - wie es scheint - in einer anderen Welt.

Die mitten in die Wüsten gebauten Retortenstädte, in denen sich 90 Prozent der rund 1,2 Millionen deutschen Ägypten-Urlauber jährlich erholen, waren jedoch schon immer von der einheimischen Kultur abgeschnitten. Und auf ihren Straßen ist es auch jetzt auffallend ruhig. In Scharm al-Scheich auf der Sinai-Halbinsel gibt es zurzeit keine Demos, sagt eine deutsche Tauchlehrerin, die schon seit zwei Jahren dort arbeitet. Weder gibt es Plünderungen noch Übergriffe. "Die Ägypter hier haben daran auch kein Interesse, hier lebt jeder vom Tourismus."

Vor einigen Tagen wollten Demonstranten aus der nahen Stadt El-Tur in den Touristenort marschieren, doch sie wurden vom Militär gestoppt, erzählt Ralf Fetter, der bis vor kurzem Besitzer der Tauchbasis Sunshine Divers war und von Deutschland aus den Kontakt hält. Seitdem würden Soldaten die beiden Zufahrtsstraßen aus El-Tur und Dahab abriegeln, in der Innenstadt aber seien sie nicht sichtbar. Aus Hurghada berichten die Besitzer der Tauchbasis Blue Water Dive Resort, dass am Dienstag auf den Straßen demonstriert wurde, allerdings friedlich: "Völlig entspannt tun sie ihren Unmut kund", schreiben sie auf ihrer Website. Hier stehen die Panzer an den Straßenkreuzungen.

Nur eine Handvoll will nach Hause

Strand- und Tauchtouristen wollten ihren Urlaub nicht abbrechen, meint Fetter. Der Deutsche Reiseverband (DRV) bestätigt die Einschätzung des Tauchlehrers: Nur etwa hundert der rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter, die noch im Land sind, wollten vorzeitig heimreisen, sagte Sprecher Torsten Schäfer. Auch der größte deutsche Veranstalter TUI redet von lediglich einer Handvoll ihrer zurzeit 5000 Gäste in Ägypten, die beunruhigt abfliegen wollten.

Etwas mulmig würde manchen Tauchtouristen schon werden, sagt Fetter. Die Sicherheit sei dabei nicht das Problem, eher dass die Logistik zusammenbrechen könnte. Und die Frage: Gibt es noch genügend Bier und Zigaretten? Tatsächlich ist die Versorgungslage momentan das einzige Problem in den Urlaubresorts. Benzin würde von den Tankstellen nur in kleinen Mengen abgegeben, frisches Obst, Gemüse und Fleisch gebe es kaum zu kaufen oder nur gegen genügend Bakschisch, berichten die beiden Tauchlehrer. Ansonsten aber seien die großen Supermärkte und die Bufetts der größeren Hotels gut gefüllt.

"Die Versorgungslage ist weiterhin gut", versichert DRV-Sprecher Schäfer. Da zurzeit keine Pauschalurlauber über die großen Veranstalter mehr anreisen und die Hotels daher immer leerer werden, werde es auch absehbar nicht zu Engpässen kommen, meint er. Seitdem das Auswärtige Amt von Reisen in das nordafrikanische Land abrät, haben TUI und Co. ihre Angebote bis Mitte Februar abgesagt. Am Dienstag noch seien Angestellte der Deutschen Botschaft aus Kairo in die Touristenorte am Roten Meer geflogen, sagt Schäfer. Ihre Einschätzung der Lage spiegelt sich im Reisehinweis des Auswärtigen Amtes wider: In Hurghada, Marsa Alam und Scharm al-Scheich sei es derzeit ruhig.

Widerstandsfähiger Wirtschaftszweig Tourismus

Tauchlehrer Ralf Fetter befürchtet allerdings für die nächsten zwei bis drei Monate einen Einbruch bei den Buchungen bei seiner ehemaligen Tauchbasis, mit der er wirtschaftlich verbunden bleibt: "Zurzeit gibt es keine Anfragen", dabei beginnt die Hochsaison schon Anfang März. Die Erfahrung zeige aber, dass die Urlauber schnell wieder da sind. "Nach den Anschlägen in Scharm al-Scheich hat es ein halbes Jahr gedauert", erzählt er. Wenn sich jetzt die politische Lage bald kläre, könnte das diesmal auch schneller geschehen.

Nicht nur die Tauchbasis mit bis zu 5000 Schülern jährlich, auch TUI rechnet wegen der Krise nur mit vorübergehenden Einbußen im Tourismusgeschäft. "Die Anziehungskraft von Abu Simbel, Giseh, Karnak und dem Tal der Könige ist stärker als die Bilder kurzfristiger politischer Aufstände", schrieb der TUI-Chef Michael Frenzel im "Handelsblatt". Ägypten habe viele Krisen in seiner 7000-jährigen Geschichte gemeistert, dies wird auch diesmal gelingen. Das Land der Pharaonen sei den Menschen in den vergangenen Jahren "sympathisch und vertraut" geworden, der Wirtschaftszweig Tourismus sei gerade in Ägypten widerstandsfähig. "Auch nach dem verheerenden Anschlag in Luxor 1997 und anderen Störfeuern auf der Halbinsel Sinai kam die Nachfrage wieder in Gang", schreibt Frenzel.

Hoffnung auf neuen Tourismus

In Scharm al-Scheich hoffen die Ägypter nun auf neue Freiheiten, erzählt Fetter. Experten wie Heinz Fuchs vom Informationsdienst Tourismwatch in Bonn wünschen dem Land aber auch, dass sich mit einer Demokratisierung die Art des Urlaubs ändert. Bisher habe der Tourismus zwar Devisen ins Land gebracht und Arbeitsplätze geschaffen, sagte Fuchs der Deutschen Presse-Agentur, für die Bekämpfung der Armut in Ägypten sei er aber nicht wesentlich gewesen. Er hoffe auf mehr kleinere und mittelständische Unternehmen sowie Ausbildungsmöglichkeiten für touristische Fachkräfte.

Dass manche Touristen auch während der Unruhen noch darauf bestehen, ihren Urlaub in Ägypten ganz auszukosten, erstaunte Fuchs. Er verstehe dieses Verhalten aber auch. "Menschen haben eine hohe Wertschätzung für ihren Jahresurlaub und spüren wahrscheinlich von den Unruhen in den touristischen Hochburgen wenig." Ein Gutes hat das Ganze, sagt Tauchlehrer Fetter: "Keiner fragt mehr nach den Haien!" Vor der Sinai-Halbinsel hatten im Dezember einige Haiattacken für Unruhe gesorgt, viele Strände waren von den Behörden gesperrt worden.

Mit Material von dpa

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insgesamt 59 Beiträge
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1. kein Wunder
kneppers 03.02.2011
Wer in solchen Retortenressorts absteigt der interessiert sich doch meist eh nicht für Land und Leute.
2. Hier könnte Ihre Werbung stehen
Pepito_Sbazzagutti 03.02.2011
Zitat von sysopParallelwelt am ägyptischen Strand: Noch immer sind rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter in den Retortenstädten am Roten Meer - trotz der Proteste in den Metropolen will kaum einer abreisen. Sorgen bereitet den meisten nur die Versorgungslage mit Bier und Zigaretten. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,743374,00.html
3.
Pepito_Sbazzagutti 03.02.2011
Zitat von sysopParallelwelt am ägyptischen Strand: Noch immer sind rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter in den Retortenstädten am Roten Meer - trotz der Proteste in den Metropolen will kaum einer abreisen. Sorgen bereitet den meisten nur die Versorgungslage mit Bier und Zigaretten. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,743374,00.html
Touristen auf Ballermann-Niveau interessieren sich nicht für politische Verhältnisse - weder zu Hause noch im Urlaub.
4. Ägyptenurlauber mit Biersorgen
aviso 03.02.2011
Lasst die doch einfach da! Das merkt doch keiner!
5. warum denn auch?
altersack88 03.02.2011
Zitat von Pepito_SbazzaguttiTouristen auf Ballermann-Niveau interessieren sich nicht für politische Verhältnisse - weder zu Hause noch im Urlaub.
Warum sollten sie sich denn auch dafür interessieren? Sie sind im Urlaub und nicht wie hier, in einem Diskussionskreis. Und warum die Arroganz wg. "Ballermann-Niveau"?
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Ägypten: Urlauberziel im Ausnahmezustand

Was bedeuten die Hinweise des Auswärtigen Amtes?
Reisehinweise
Sie enthalten zum Beispiel Informationen über die Einreisebestimmungen, die medizinische Situation und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten eines Landes. Solche Hinweise gibt das Auswärtige Amt für jedes Land.
Sicherheitshinweise
Solche Vermerke machen auf besondere Risiken für Reisende in einem Land und dort lebende Deutsche aufmerksam. Das betrifft zum Beispiel Gefahren durch Kriminalität oder Terrorismus. Das Auswärtige Amt kann wegen solcher Einschränkungen in einem abgestuften System von nicht unbedingt erforderlichen Reisen oder auch grundsätzlich von allen Reisen in ein bestimmtes Land abraten.

Reisewarnungen
Sie enthalten den "dringenden Appell", Reisen in ein Land oder in eine Region innerhalb des Landes zu unterlassen. Gewarnt wird dann, wenn "eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht", heißt es beim Auswärtigen Amt. Deutsche, die in dem betroffenen Land leben, werden dann zur Ausreise aufgefordert.

Haben die Hinweise rechtliche Bedeutung?
Die Hinweise des Auswärtigen Amtes seien teilweise undurchsichtig und nicht bindend, sagte Reiserechtler Ronald Schmid von den Technischen Universitäten Dresden und Darmstadt. Grundsätzlich müssten Veranstalter und Reisende auf der Grundlage seriöser Berichterstattung in den Medien im konkreten Einzelfall auch selbstständig prüfen, ob in der Urlaubsregion eine vorher nicht zu erwartende höhere Gewalt vorliegt.

Wird die Reise dadurch "erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt", können Urlauber den Vertrag laut Paragraf 651j des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kündigen.

Es könne sich im Einzelfall schon um höhere Gewalt handeln, wenn noch keine "echte" Reisewarnung vorliegt, sondern nur von Reisen abgeraten wird, so Schmid. "Denn der Hinweis, nicht notwendige Reisen zu unterlassen, ist wohl eher als eine abgeschwächte Reisewarnung zu bewerten", sagte der Experte.

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