Kauftipps für unterwegs: Das perfekte Rad für die Reise

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Kauftipps: Mit dem Fahrrad um die Welt Fotos
Velo de Ville

Stahl oder Aluminium? Ketten- oder Nabenschaltung? Wer das ideale Rad für eine längere Reise sucht, muss viele schwere Entscheidungen treffen. Hier finden Sie Kauftipps für Drahtesel, die viel mitmachen - vom Donauradweg bis hin zur Weltumrundung.

Es gibt viele Arten zu reisen. Der eine setzt sich ins Flugzeug, der andere ins Auto. Mancher packt den Rucksack, schnürt die Stiefel und wandert los. Und immer mehr entdecken den Reiz einer Radreise. Der Vorteil des Fahrrads liegt auf der Hand: Man sieht und erlebt die Landschaft unmittelbar - und kommt trotzdem zügig voran. 50 Kilometer am Tag, 100 oder auch 150 - alles ist möglich, je nach Kondition und Streckenprofil.

Egal ob man auf eigene Faust quer durch Skandinavien rollt oder sich sein Gepäck bei einer organisierten Tour von Hotel zu Hotel chauffieren lässt - richtig Spaß macht eine Radreise erst mit gutem Material. Man kann sehr viel Geld in ein Reiserad investieren - 3000 Euro und mehr. Aber in den meisten Fällen ist das kaum nötig.

"Für den Elbe- oder Donauradweg bekommt man auch schon für tausend Euro ein passendes Rad", sagt Jens Kockerbeck, Reiseradexperte beim Magazin "Aktiv Radfahren". Ein Rad dafür müsse ja nicht so ultrarobust sein wir für den Himalaja oder Patagonien.

Generell gilt: Das Rad sollte für eine hohe Nutzlast ausgelegt sein, um den Reisenden samt Gepäck problemlos tragen zu können. Wichtig sind auch stabile Gepäckträger. Die meisten Reiseradler schwören dabei auf das Material Stahl, weil es nicht so spröde ist wie Aluminium und daher auch bei Touren über Waldwege und Schotterpisten nicht so leicht bricht. Und falls doch, lässt es sich unterwegs schweißen - bei Aluminium geht das nicht. Stahlgepäckträger gibt es unter anderem von Tubus, Surly und Bruce Gordon.

Trekkingrad oder Low Rider?

Auch beim Rahmen wird häufig Stahl gewählt, weil der nicht ganz so steif ist wie Aluminium und daher meist mehr Komfort bietet. Und natürlich auch wegen der Möglichkeit, ihn im Notfall schweißen zu können.

Auf dem Elberadweg spielt das freilich kaum eine Rolle. Auf solchen Routen genügt meist ein Trekkingrad mit stabilen Gepäckträgern, wie man es bei Anbietern wie Velo de Ville, Stevens oder Rose bekommt. Wer viel Gepäck mitnimmt, sollte sogenannte Low Rider nutzen, die an der Gabel befestigt werden. So passen vier Taschen an das Bike, und das Gepäck ist gleichmäßiger verteilt, was das Rad insgesamt ruhiger laufen lässt.

Wer gern schnell und sportlich fährt, für den ist sicher ein sogenannter Randonneur die beste Option. Diese Modelle verfügen über einen Rennlenker, haben aber meist auch vorn einen Gepäckträger. Wegen der eher schmalen Bereifung eignen sie sich vor allem für glatte Asphaltstraßen.

Hersteller wie Patria, Utopia, Velotraum, Norwid oder tout terrain bauen Bikes speziell für die Bedürfnisse von Reiseradlern. Meist ist der Hinterbau - und damit der Radstand - etwas länger, was für Laufruhe sorgt und zudem verhindert, dass man beim Pedalieren immer wieder mit der Hacke an den hinteren Packtaschen schleift. Diese Spezialräder kosten dann aber auch mindestens 2000 Euro.

"Die Komponenten und das Material sind dafür auch hochwertiger", sagt Kockerbeck. Oft könne man sich den Rahmen maßfertigen lassen, die Geometrie also genau auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. "Eine gute Ergonomie ist wichtig, wenn man stundenlang unterwegs ist." Zur Ergonomie gehören natürlich auch ein guter Sattel und speziell geformte Griffe, die verhindern, dass die Hände einschlafen.

Nicht zu unterschätzen: die Laufräder

Eine wichtige Frage ist die Größe der Laufräder. "Viele Reiseräder rollen mit 26-Zoll-Rädern", sagt Markus Hübner, Technikexperte vom ADFC. Diese seien in der Regel stabiler als 28-Zoll-Laufräder. Inzwischen gibt es jedoch sogar Reiseräder mit 29-Zoll-Reifen, zum Beispiel vom niederländischen Hersteller Koga. Diese Größe kommt vom Mountainbiking. Die Räder haben den Vorteil, dass sie wegen ihres großen Durchmessers leichter über Unebenheiten rollen.

Für das ganz große Abenteuer gibt es vollgefederte Reiseräder - etwa von Giant oder riese und müller. Die kosten dann aber auch mindestens 3000 Euro - und nicht immer lässt sich an der Federgabel vorn noch Gepäck befestigen.

Die Gretchenfrage für viele Reiseradler ist die nach der Schaltung. Die einen bevorzugen eine leichtgängige Kettenschaltung, die anderen schwören auf die wartungsarme, aber dafür auch teurere Rohloff-Nabenschaltung. Wer keine steilen Berge erklimmen will, kann auch zu Shimanos günstiger Nabenschaltung Nexus greifen. Letztlich ist es eine Frage der eigenen Vorlieben.

Entscheidend für ein Reiserad sei die Entfaltung, also die Strecke, die ein Rad im leichtesten und im schwersten Gang bei einer Kurbelumdrehung zurücklege, sagt ADFC-Experte Hübner. Der Übersetzungsbereich sollte möglichst groß sein, damit man zügig fahren kann, aber auch nicht an jedem kleinen Hügel absteigen muss.

Bei der Beleuchtung müssen Radler dank leichtlaufender Nabendynamos kaum noch Kompromisse machen. "Ich würde ein Reiserad immer damit ausrüsten", sagt Testfachmann Kockerbeck, "das hat eigentlich nur Vorteile." So habe man immer gutes Licht an Bord. "Und mit einem modernen USB-Anschluss kann man unterwegs sogar sein Smartphone oder das GPS-Gerät aufladen."

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Reiseräder?
Hugh 16.05.2013
Zitat von sysopStahl oder Aluminium? Ketten- oder Nabenschaltung? Wer das ideale Rad für eine längere Reise sucht, muss viele schwere Entscheidungen treffen. Hier finden Sie Kauftipps für Drahtesel, die viel mitmachen - vom Donauradweg bis hin zur Weltumrundung. Urlaub im Sattel: Das perfekte Rad für die Reise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/urlaub-im-sattel-das-perfekte-rad-fuer-die-reise-a-899521.html)
Was mir auffällt ist, dass man offensichtlich vom klassischen Reiserad mit seinem langen Hinterbau abgekommen ist. Bei den gezeigten Rahmen handelt es sich um mehr oder weniger modifizierte Moutainbikerahmengeometrien mit kurzem Hinterbau. Um dabei aber die jetzt fehlende Fersenfreiheit zu bekommen, befinden sich die hinteren Packtaschen nun zum großen Teil oder vollständig hinter der Hinterachse, statt darüber/davor. Das ergibt zwar kurze kompakte Rahmen, hat aber deutliche Nachteile. Die Stellen, an denen der Gepäckträger befestigt sind und auch der Gepäckträger selbst werden dabei stärker durch seitlichen Schwingungen belastet, als wenn man bei der alten Form des Randonneurrahmen geblieben wäre. Wobei man dann auch für den Gepäckträger nicht solch dicke Rohre gebraucht hätte. Auch anderes halte ich für nicht ausreichend durchdacht. Die Fronttaschen z.B. bei dem Rad auf Bild 2 werden sich zum großen Teil vor der Vorderachse befinden, das macht die Lenkung sehr leicht und unsicher (das Gepäck lenkt mit). Würde man die Lowrider nach hinten kippen und sich damit der Schwerpunkt des Gepäcks hinter der Vorderachse befinden, liefe das Rad wie auf Schienen. Auch da würden dann dünnere Rohre genügen. Und dass irgend ein Dorfschmied einen gebrochenen Alurahmen wird instandsetzen können, oder ein Mechaniker unterwegs die im Rahmen eingebaute Schaltung, bezweifle ich doch sehr.
2. Alles Beutelschneiderei
smithyk 16.05.2013
Die meisten dieser sogenannten "Expeditionsräder" fahren kaum weiter als zum nächsten Biergarten. Als Studentin habe ich in den 90ger Jahren meine Fahrradreisen auf einem alten Oparad gemacht. Selbstgefrickelte Säcke aus LKW-Plane und eine Rolle aus PVC-Folie für Zelt und Schlafsack auf dem Gepäckträger. Einmal musste ich mir in Kenia den Rahmen schweißen lassen, weil er gebrochen war. Ich mache heute noch gerne Radreisen. Ein Rad von der Stange tuts auch. Ich nehme am liebsten robuste Stahlrahmen und eine Einfachgangschaltung ähnlich wie beim neueren Schweizer Armeerad. 7 Gänge sind völlig ausreichend. Gute Bremsen sind wichtiger als alles andere. Und genau da hapert es. Ich verwende V-Brakes mit Bowdenzügen, die sich unterwegs leicht reparieren lassen. Alurahmen haben nur eine begrenzte Haltbarkeit und der Energieaufwand zur Alu-Herstellung ist deutlich höher als bei Stahl. Immer wieder aufs Neue sind die "Beschläge" ein Ärgernis, also die Bremsen, Zahnräder, Gangschaltun, Tretlager usw. aus asiatischer Produktion. Ich wünschte mir, dass es heute noch Sachen aus deutscher Produktion gäbe, wie die robusten Nabenschaltungen der alten Fahrräder. Im Grunde muss man heute ein Fahrrad alle 3-4 Jahre neu kaufen, weil es keine passenden Ersatzteile mehr gibt. Teils liegt das daran, dass Shimano die Teile von aufeinanderfolgenden Serien offenbar absichtlich so ändert, dass man sie nicht als Ersatzteil für eine alte Serie verwenden kann. Ich bin z.B. jahrelang mit einer umgekehrt funktionierenden Gangschaltung herumgefahren, weil es von Shimano kein passendes Ersatzteil gab, und die Schaltung der neueren Serie revers funktioniert. Ich hätte also gleichzeitig noch die gesamten Schaltungsgriffe am Lenker austauschen müssen. Auch die Rahmenhersteller versuchen einen ständig zum Neukauf zu zwingen. Teils nur wegen einfacher änderungen. Bei Cantileverbremsen hatte man einen längeren Bügel, andem die Frontleuchte befestigt wurde. Bei V-Brakes gibt es kürzere Bügel. Aber gleichzeitig wurde die Art der Befestigung verändert. Man kann also bei einem alten Rahmen nicht einfach die Frontleuchte und den Befestigungsbügel tauschen ...
3. Laufräder
Cephalotus 16.05.2013
26" Räder mögen stabiler sein als 28" Räder, mir ist aber kein fall in der Reiseradpraxis bekannt, wo das eine Rolle gespielt hätte. Vielleicht bei Tandems? 28" Felgen und Reifen bekommt man aber in vielen Teilen der Welt nur schlecht, wohingegen 26" überall zu bekommen ist. 29" hat übrigens derselbe Felgendurchmesser als 28", die 29" Räder sind nur eine Marketingerfindung aus dem MTB Bereich für 28" Räder mit breiten Reifen. Solange die Felgenbreite passt und im Rahmen genug Platz ist kann man 28" und die angeblichen 29" Reifen beliebig tauschen... Meine Ansicht nach konzentrieren sich die Leute viel zu sehr darauf, Geld in Fahrrad zu stecken, im Grunde genommen halte ich das aber für überflüssig, solange man nicht gerade das 200 Euro Teil vom Baumarkt kauft. Die Lager und Laufräder, Reifen und Griffe sollten hochwertig sein, die Preisklasse von Bremsen und Schaltung ist hingegen für ein Reiserad fast egal, man muss die Dinger halt richtig einstellen können. Bei einer Tour mit viel Gepäck würde ich das Geld eher ins Gepäck stecken und statt dem 2kg Schlafsack ein 1kg Modell nehmen, statt dem 5kg Zelt eines für 2,5kg (wenn es das Klima zulässt), usw, usf... Früher bei ich mit 30kg auf dem Gepäckträger in Europa herum gefahren, heute wäre ich nicht mehr so blöd. Selbst bei einer Weltreise muss ich die Ausrüstung für die Arktis nicht unbedingt in der Wüste herum fahren...
4. Stahl unterwegs schweißen?
Steve B 16.05.2013
Zitat von sysop"Auch beim Rahmen wird häufig Stahl gewählt, weil der nicht ganz so steif ist wie Aluminium und daher meist mehr Komfort bietet. Und natürlich auch wegen der Möglichkeit, ihn im Notfall schweißen zu können. " Urlaub im Sattel: Das perfekte Rad für die Reise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/urlaub-im-sattel-das-perfekte-rad-fuer-die-reise-a-899521.html)
Das Thema "komfortabler Stahl, hartes Aluminium" berühre ich mal lieber nicht. Aber wie weit trägt das Argument der Schweißbarkeit heute wirklich noch? Oder anders gefragt: Was ist das für eine Gegend, in der es zwar keinen Ersatzrahmen gibt, aber eine KFZ-Werkstatt oder ein Dorfschmied die heutigen Rohrformate vernünftig zusammenbraten kann? Die Rohre sind doch nicht ohne Grund konifiziert. Ich persönlich bin von aufgestützten Unterarmen/Ellenbogen recht angetan und habe mir den Lenker entsprechend gestaltet. Jedenfalls am Trekkingrad. Zu den Bildern: Außer beim Patria und beim Norwid bieten die Lenker meiner Meinung nach für Reiseräder zu wenig Variationen. Es gibt doch Bullbars und Yuma-Lenker, die wenigstens die Griffpositionen "vorn", "hinten" und "längs" bieten! Warum sind da an den meisten Rädern simple "Besenstiele" mit allenfalls noch kleinen Endknäufen verbaut? Auch die Gepäckträger lohnen einen zweiten Blick, da wirken die Konstruktionen am Giant und am Patria nicht ganz durchdacht - wobei das beim Patria schon fast egal ist, denn einen Randonneur fahren wohl nicht viele als schwer beladenen Packesel... Gruß, Steve
5. Die Probleme hier...
giovanniconte 16.05.2013
Zitat von sysopStahl oder Aluminium? Ketten- oder Nabenschaltung? Wer das ideale Rad für eine längere Reise sucht, muss viele schwere Entscheidungen treffen. Hier finden Sie Kauftipps für Drahtesel, die viel mitmachen - vom Donauradweg bis hin zur Weltumrundung. Urlaub im Sattel: Das perfekte Rad für die Reise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/urlaub-im-sattel-das-perfekte-rad-fuer-die-reise-a-899521.html)
...möchte ich mal haben! Und andere Leser haben Sie auch nicht. Und wer über den Mainstream hinausgeht, ist eh schon versorgt. Alles in allem ein Frühstücksschmöker das hier, nicht mehr.
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