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Datensammlung bei Urlaubern: Der gläserne Tourist

Immer mehr Reisende buchen Hotel und Flug online, laden Reiseführer als App aufs Handy und veröffentlichen Fotos vom Urlaub im Internet. Kaum einer denkt an die Daten, die er dabei von sich preisgibt. Was Datenschützern Sorgen macht, erfüllt Reiseanbieter mit Freude.

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Big Data: Wer reist, hinterlässt eine lange Datenspur

Berlin - Noch ist es nur eine Möglichkeit, aber vielleicht wird der "Checkpoint of the Future" bald Realität: Wer als Reisender viel von sich preisgibt und nach Prüfung dieser Daten unverdächtig erscheint, kommt am Flughafen schneller durch den Sicherheitscheck. Die Überlegungen des internationalen Airline-Verbands Iata, was in Zukunft machbar sein wird, sind nur ein Beispiel dafür, wie die Technologie das Reisen verändern könnte.

Ein anderes: Wer heute in einer Suchmaschine "USA-Urlaub" eingibt und dort morgen "Wohnmobil" sucht, erhält gleich ein Mietangebot für einen Caravan in Kalifornien. Ob beim Recherchieren, Buchen oder Bezahlen, am Flughafen, im Online-Reiseführer oder beim Posten der Urlaubsfotos während einer Reise und danach - Touristen hinterlassen immer mehr Daten. Und mit Hilfe von Computern kann aus diesen Informationen leicht ein Profil des einzelnen Reisenden erstellt werden: Das Zusammenführen der Daten zeigt Muster, durch die künftiges Verhalten besser vorhergesagt werden kann.

Was in der Reisebranche für Freude sorgt, macht Datenschützern Sorge. Name, Geburtsdatum, Informationen über Krankheiten und je nach Unternehmungen und Reiseziel auch die politischen Interessen - noch nie wurde eine solche Masse an Informationen erhoben und archiviert. Und der Datenschatz wächst stetig. Noch sind die Potenziale kaum ausgeschöpft: Der IT-Branchenverband Bitkom sieht in "Big Data" einen Milliardenmarkt. Denn Daten sind Geld: Wer seine Kunden gut kennt, kann sie gezielter ansprechen.

"Reisende sind Datenmagneten"

Touristiker hatten immer schon Zugriff auf viele Daten, sagt Harald Eisenächer, Vizechef des Reservierungssystem-Anbieters Sabre, auf der Reisemesse ITB in Berlin. Aber erst heute sei es möglich und bezahlbar, sie gezielt auszuwerten und zu nutzen. "Reisende sind Datenmagneten", sagt Eisenächer. Beide Seiten - Unternehmen und Kunden - profitierten von der Auswertung. So könnten Apps Passagiere warnen, dass sie ihr Gate im falschen Terminal suchen, oder sie bieten einem Nutzer Bücher seines Geschmacks an, wenn er den Buchladen passiert. Die Angebote sind passgenauer.

Dem Datenschützer Peter Schaar ist dabei nicht wohl. "Es kann nicht sein, dass ich nur noch reisen kann, wenn ich einwillige, dass alle meine Daten ausgewertet werden", sagte Schaar auf der ITB. Er warnt auch die Unternehmen: Schnell seien Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse bedroht, wenn die Kundeninformationen in falsche Hände geraten. Viele teilen sein Unbehagen. Nach einer repräsentativen Umfrage für die Telekom will etwa nur jeder zehnte seine Daten für personalisierte Werbung preisgeben.

"Die Big-Data-Bewegung ist nicht aufzuhalten", heißt es in einem aktuellen Papier der Deutschen Bank. Kosten ließen sich senken und Kunden gezielter ansprechen. Die Forschungsabteilung der Bank hält aber auch eine Warnung vor der "ungezähmten Macht" für angebracht: "Durch unverhältnismäßiges Datensammeln einiger Akteure könnte das Vertrauen in digitale Kanäle verlorengehen, zumindest spürbar sinken."

Datenschützer Schaar appelliert an die Kunden: "Gehen Sie mit offenen Augen durchs Leben. Geben Sie nicht unnötig alles preis, was der andere wissen will." Auch und besonders beim Reisen.

Burkhard Fraune/dpa/leh/emt

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1. Datenschützer . . .
ArnoNym 08.03.2014
Zitat von sysopDPAImmer mehr Reisende buchen Hotel und Flug online, laden Reiseführer als App aufs Handy und veröffentlichen Fotos vom Urlaub im Internet. Kaum einer denkt an die Daten, die er dabei von sich preisgibt. Was Datenschützern Sorgen macht, erfüllt Reiseanbieter mit Freude. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/urlaub-online-apps-und-internet-schaffen-glaeserne-touristen-a-957363.html
Im Prinzip ist das richtig, aber wenn ich einen Flug buche, muß ich zumindest meinen vollen Namen und mein Geburtsdatum angeben. Ohne bekomme ich kein Ticket. Mit diesen Daten bin ich eindeutig identifizierbar. Wo ich wohne, kann man damit leicht herausfinden. Und wohin ich wann fliege, weiß die Fluggesellschaft sowieso. Aber *generell* ist die Empfehlung schon richtig, stets und überall so wenig wie möglich über sich preiszugeben. Das fängt schon mit der Bezahlung in Geschäften an: Wer vorzugsweise mit Karte zahlt, macht es demjenigen, der auf diese Daten Zugriff hat, sehr leicht, sein ganzes Einkaufsverhalten auszuspionieren. Und wer sowas wie dieses unsägliche Payback verwendet, ist sowieso absolut schmerzfrei.
2. Handy- und Smartphone Daten löschen!
Butenkieler 08.03.2014
Wer in solche Länder reist oder angibt reisen zu wollen, sollte alle sicherheitsrelevanten Themen löschen (vorher auf speichern) und wenn wieder zuhause, zurückspielen! Dann können irgendwelche Institutionen das Gerät gerne betrachten.
3. Das kenne ich!
mamasliebling 08.03.2014
Nachdem ich eine Reise in ein Europäisches Land gesucht und gebucht hatte bekam ich regelmäßig Angebote, auch per Post, aus für dieses Land. Teilweise konnte ich mir nicht erklären wie diese Firmen an meine Daten kamen. Das hat mich doch sehr nachdenklich gemacht! Mich regt diese auf mich zugeschnittene Werbung auf. Ich möchte gerne mal was Neues sehen. Das ist viel spannender. Ich glaube diese Datensammelei ist Augenwischerei, denn was ich hatte brauch ich ja nicht mehr und für Neues hat es kein Platz! Werbeindustrie wache endlich auf!
4.
!!!Fovea!!! 08.03.2014
Herr Schar sollte bzgl. Datenschutz. den Mund halten. wer hat den freimütig. der GEZ Anfang. 2013 ca. 82 Millionen Daten ohne Häme. preisgegeben?
5. ...
toledo 08.03.2014
Zitat von !!!Fovea!!!Herr Schar sollte bzgl. Datenschutz. den Mund halten. wer hat den freimütig. der GEZ Anfang. 2013 ca. 82 Millionen Daten ohne Häme. preisgegeben?
Nicht nur das.. durch den nicht notwendigen Registrungszwang auch für Prepaid Handys werde ich durch deutsche Behörden datentechnisch an alle Schnüffler weltweit ausgeliefert. Könnte man Prepaidhandys anonym benutzen, wäre schon viel gewonnen und den Lauschern ein Mittel aus der Hand geschlagen! An Telefonzellen konnte man früher auch ohne Ausweis vorzeigen anonym telefonieren! Warum nicht mit dem Handy?
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