SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

04. Juli 2005, 11:17 Uhr

Urlaubsknigge

Wo Trinkgeld eine Beleidigung ist

Schmattes, Bakschisch oder Tip - Trinkgeld ist überall auf der Welt willkommen. Fast überall. Denn auch für das Dankeschön des Urlaubers gilt: andere Länder, andere Sitten. Ein Überblick über Trinkgeldregeln in beliebten Reiseländern.

Kellner auf dem Münchner Odeonsplatz: Im Ausland gelten oft andere Trinkgeld-Regeln
DPA

Kellner auf dem Münchner Odeonsplatz: Im Ausland gelten oft andere Trinkgeld-Regeln

Frankfurt/Main - Wenn der Taxifahrer hilfsbereit und der Service im Restaurant exzellent war, zeigen sich Urlauber gerne mit Trinkgeld erkenntlich. Was jedoch in einem Land als Anerkennung ausgelegt wird, gilt andernorts vielleicht als Beleidigung.

Ägypten: Wie in ganz Nordafrika sind Trinkgelder bei jeder Gelegenheit wichtig. Im Restaurant sind es 10 bis 15 Prozent. Im Taxi wird der Preis aufgerundet. Zimmermädchen, Gepäckträger und andere Dienstleister freuen sich über ein kleines Trinkgeld von umgerechnet 50 Cent oder einem Euro.

Australien: Bis vor wenigen Jahren war Trinkgeld in Down Under unüblich. Mittlerweile wird guter Service wie hierzulande nach eigenem Ermessen belohnt.

China und Japan: In China und Japan hat Trinkgeld keine Tradition und wird fernab internationaler Hotels oft als Beleidigung empfunden. In Chinas Touristenzentren nimmt das Servicepersonal aber gerne zehn Prozent, das Zimmermädchen zwei bis drei Yuan und der Reiseleiter einen Dollar. Wer in Japan guten Service anerkennen möchte, tut dies mit kleinen Geschenken oder ein bis zwei Dollar.

Frankreich: Im Restaurant oder Café werden 10 bis 15 Prozent gegeben. "Le pourboire", wie der Franzose sagt, wird einfach auf dem Tisch liegen gelassen. Im Hotel ist der Obolus keine Pflicht; der Gast kann aber etwas auf dem Nachttisch hinterlassen. Der Taxifahrer erhält zehn Prozent.

Griechenland: Üblich sind im Restaurant rund zehn Prozent, in der Taverna nur maximal ein Euro. Dem Zimmermädchen sollte eine kleine finanzielle Aufmerksamkeit am Abreisetag persönlich übergeben werden. Im Taxi wird aufgerundet.

Großbritannien und Irland: In Restaurants gibt man 10 bis 15 Prozent "tip", in Irland maximal zehn Prozent. Ist auf der Rechnung bereits eine "service charge" aufgeführt, darf es weniger sein. Wichtige Ausnahme: Im Pub wird an der Bar kein Trinkgeld gegeben. Wer den Barkeeper belohnen möchte, bietet ihm einen Drink an. Für Kofferträger im Hotel sollte der Gast rund ein Pfund locker machen und im Taxi aufrunden.

Italien: Trinkgeld ist in der Gastronomie nicht üblich. Oft taucht auf der Rechnung ein "coperto", eine Art Grundgebühr für das Gedeck und das Brot auf. Wer besonders zufrieden war, kann zusätzlich ein paar Münzen auf dem Tisch liegenlassen. In Espressobars gibt es dafür Tellerchen oder Sparschweine auf der Theke. Im Hotel sind fünf Euro pro Woche für das Zimmermädchen üblich. Im Taxi ist Trinkgeld kein Muss; der Betrag kann aufgerundet werden.

Österreich: Im Restaurant sind wie in Deutschland fünf bis zehn Prozent angebracht. Im Hotel erhält der Kofferträger meist einen Euro pro Gepäckstück, das Zimmermädchen ein bis zwei Euro pro Tag. Das Geld wird vor der Abreise direkt ans Personal übergeben. Friseure und Taxifahrer bekommen fünf bis zehn Prozent "Schmattes" oder "Schmatt", wie es im Landesdialekt heißt.

Portugal und Spanien: In der Gastronomie sind 10 bis 15 Prozent Trinkgeld üblich. Wenn der Kellner das Wechselgeld zurückbringt, lässt der Gast das Trinkgeld liegen. Im Taxi wird auf die nächsten 50 Cent oder den vollen Euro aufgerundet. Als äußerst unhöflich gilt es, Kleinstbeträge wie Zwei- oder Fünf-Cent-Stücke liegen zu lassen.

Thailand und Malaysia: Hier ist man schon sehr westlich eingestellt. Im Restaurant sind zehn Prozent angebracht. Weniger als zehn Bath Trinkgeld gelten als Beleidigung.

Türkei: In der Gastronomie sind zehn Prozent "Bakschisch" üblich. Nichts geben gilt als unhöflich. Für kleine Gefälligkeiten sollte man als Dankeschön eine Zigarette oder Ähnliches anbieten. Im Hotel verhält es sich wie in Deutschland und Österreich. Im Taxi sollte der Gast den Betrag nur aufrunden.

USA und Kanada: Der "Tip" von 15 bis 20 Prozent ist im Restaurant und beim Pizzaservice ein Muss, da er Bestandteil des Lohns ist. Manchmal ist der Obolus schon auf der Rechnung ausgewiesen. Der Kofferträger erhält einen kanadischen beziehungsweise ein bis zwei US-Dollar pro Gepäckstück, das Zimmermädchen ein bis zwei Dollar pro Nacht. Im Taxi werden 15 Prozent gegeben.

AFP

URL:



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH