Reiserecht: Blitzeinschlag keine Entschuldigung für verspäteten Abflug

Sorry, aber wir sind vom Blitz getroffen worden: So begründete eine Airline den verspäteten Abflug einer ihrer Maschinen - und verweigerte den Passagieren jegliche Ausgleichszahlungen. Zu Unrecht.

Erding - Die Maschine wurde beim Flug von einem Blitz getroffen? Eine dadurch entstandene Verspätung müssen die Passagiere nicht hinnehmen. So ein Vorfall gelte nicht als außergewöhnlicher Umstand im reiserechtlichen Sinn, urteilte das Amtsgericht Erding. Das Risiko, das die Fluggesellschaft eingeht, wenn sie eine Maschine auf mehreren Strecken mit einem engen Zeitplan einsetzt, dürfe keine Nachteile für Passagiere haben, berichtet die Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

In dem verhandelten Fall war die Maschine drei Stunden zu spät gestartet und auch entsprechend zu spät am Ziel angekommen. Die Airline wies alle Ansprüche auf Ausgleichszahlungen zurück und begründete das damit, das Flugzeug sei auf dem Flug zuvor von einem Blitz getroffen worden. Eine Reihe technischer Kontrollen sei deshalb notwendig gewesen. Nach Ansicht des Unternehmens sei ein Blitzeinschlag ein "außergewöhnlicher Umstand", so dass schon deswegen kein Ausgleichsanspruch für die Fluggäste bestehe.

Das sah das Gericht anders: Selbst wenn es direkt beim vorherigen Flug einen Blitzeinschlag gab, sei nicht klar, ob die Fluggesellschaft alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen habe, um die Verspätung zu vermeiden. Der bloße Hinweis, eine andere Maschine aus der eigenen Flotte sei nicht zu bekommen gewesen, reiche nicht. Die Airline hätte zum Beispiel auch versuchen müssen, eine Maschine zu chartern.

Aktenzeichen Amtsgericht Erding 3 C 719/12

dkr/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Gut und schon
tommirf 05.04.2013
Aber was nützt das den Passagieren am Ende? Wir alle wissen, die Airlines dürfen keine Zusatzgebühren bei einer Buchung mit einer Kreditkarte erheben. Aber sie tun es. Wer einen Flug mit mehreren Teilstrecken gebucht hat, darf nach der Rechtslage auch Teilstrecken nicht in Anspruch nehmen. Aber wenn man die erste Strecke nicht geflogen ist, wird man auf der zweiten nicht mitgenommen. Sie tun es einfach. Ersatzansprüche können immer nur auf dem Klageweg durchgesetzt werden, und welches Risiko vor Gericht besteht, weiß sicherlich jeder...
2. Miesen Tricks...
danyffm 05.04.2013
Die Fluggesellschaften kassieren für jeden (eigentlich selbstverständlichen) Handschlag wie Gepäck, Getränke, Snacks etc.. Werden Schadensersatz- Ansprüche an die Airline gestellt kommen nur unverschämte Briefe. Das Urteil ist, sofern es Rechtskräftig ist, nur zu begrüßen.
3.
les2005 05.04.2013
Zitat von tommirfAber was nützt das den Passagieren am Ende? Wir alle wissen, die Airlines dürfen keine Zusatzgebühren bei einer Buchung mit einer Kreditkarte erheben. Aber sie tun es. Wer einen Flug mit mehreren Teilstrecken gebucht hat, darf nach der Rechtslage auch Teilstrecken nicht in Anspruch nehmen. Aber wenn man die erste Strecke nicht geflogen ist, wird man auf der zweiten nicht mitgenommen. Sie tun es einfach. Ersatzansprüche können immer nur auf dem Klageweg durchgesetzt werden, und welches Risiko vor Gericht besteht, weiß sicherlich jeder...
Das stimmt so nicht. Mir wurde vor ein paar Jahren ein SAS-Flug storniert wegen eines Streiks irgendwo, und die Fluggesellschaft wollte nicht zahlen. Ich beschwerte mich bei der zuständigen deutschen Aufsichtsbehörde und bekam mein Geld später. Ein Mail, mehr war nicht nötig. Anders ist es allerdings sicherlich bei Gesellschaften wie Ryanair. Aber die machen ja von vornherein klar, daß sie Fluggäste nur notwendiges Übel ansehen, die es auf jede denkbare Art auszunehmen gilt und ansonsten sind sie so schlecht wie möglich zu behandeln. Selbst schuld, wer solchen Firmen zum Erfolg verhilft. Da habe ich dann auch kein Mitleid, wenn man im Falle des Falles feststellt, daß man nur mit Verklagen weiterkommt.
4. Manchmal geht's auch ohne Klage
DieterFr 05.04.2013
Vor etwa einem Jahr kamen meine Partnerin und ich bei einem Flug von London Heathrow nach Chicago mit einer amerikanischen Fluggesellschaft mit fast 4 Stunden Verspätung nach Mitternacht an. Der Grund war ein Totalausfall des Navigationscomputers vor dem Abflug. Das noch in London gegebene Versprechen, meine Schwester in Chicago von der Verspätung telefonisch zu benachrichtigen, wurde nicht eingehalten. Es hat viele Monate gedauert und ich musste zahlreiche Emails schreiben und mit juristischen Schritten drohen. Aber am Ende hat die Airline 1200 Euro gezahlt. Am wirksamsten war wohl der Hinweis, dass ich bei Nichtzahlung die illegalen Abwimmelversuche der Airline im Internet publik machen würde.
5. Ich würd den Richter gerne mal fragen...
homo-rationalis 05.04.2013
1. ob er schonmal versucht habe innerhalb von 3 Stunden ein anderes Flugzeug zu chartern und zu fliegen? 2. ob er es bevorzugt hätte, wenn das Flugzeug nach dem Blitzschlage ohne technische Inspektion gestartet wäre? 3. ob der Richter jemals schon mal einen oder zumindest einen halben Tag lang im Kontrol-Ops einer internationalen Fluggesellschaft verbracht hat?
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