Reiserecht Blitzeinschlag keine Entschuldigung für verspäteten Abflug

Sorry, aber wir sind vom Blitz getroffen worden: So begründete eine Airline den verspäteten Abflug einer ihrer Maschinen - und verweigerte den Passagieren jegliche Ausgleichszahlungen. Zu Unrecht.


Erding - Die Maschine wurde beim Flug von einem Blitz getroffen? Eine dadurch entstandene Verspätung müssen die Passagiere nicht hinnehmen. So ein Vorfall gelte nicht als außergewöhnlicher Umstand im reiserechtlichen Sinn, urteilte das Amtsgericht Erding. Das Risiko, das die Fluggesellschaft eingeht, wenn sie eine Maschine auf mehreren Strecken mit einem engen Zeitplan einsetzt, dürfe keine Nachteile für Passagiere haben, berichtet die Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

In dem verhandelten Fall war die Maschine drei Stunden zu spät gestartet und auch entsprechend zu spät am Ziel angekommen. Die Airline wies alle Ansprüche auf Ausgleichszahlungen zurück und begründete das damit, das Flugzeug sei auf dem Flug zuvor von einem Blitz getroffen worden. Eine Reihe technischer Kontrollen sei deshalb notwendig gewesen. Nach Ansicht des Unternehmens sei ein Blitzeinschlag ein "außergewöhnlicher Umstand", so dass schon deswegen kein Ausgleichsanspruch für die Fluggäste bestehe.

Das sah das Gericht anders: Selbst wenn es direkt beim vorherigen Flug einen Blitzeinschlag gab, sei nicht klar, ob die Fluggesellschaft alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen habe, um die Verspätung zu vermeiden. Der bloße Hinweis, eine andere Maschine aus der eigenen Flotte sei nicht zu bekommen gewesen, reiche nicht. Die Airline hätte zum Beispiel auch versuchen müssen, eine Maschine zu chartern.

Aktenzeichen Amtsgericht Erding 3 C 719/12

dkr/dpa

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