Urteil zu Rail&Fly Flugreisende müssen rechtzeitigen Zug zur Anreise nutzen

Flug verpasst, weil die Bahn massive Verspätung hat? Bei Rail&Fly-Tickets haftet der Veranstalter für entstandene Kosten. Doch nicht immer, wie ein Gericht urteilte.

Abgeflogen ohne die Urlauber
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Abgeflogen ohne die Urlauber


Trotz einer Zugverspätung von 103 Minuten bei der Anreise muss ein Touristenpaar aus Würzburg die Kosten für einen verpassten Flug selbst tragen. Sie wollten vom Flughafen Köln/Bonn nach Thailand fliegen - kamen aber fünf Minuten zu spät zum Check-in.

Die Kläger seien schlicht zu spät losgefahren, urteilte das Amtsgericht Frankfurt in einer am Donnerstag veröffentlichten Entscheidung. Die Touristen hätten für die im Flugpreis inbegriffene Bahnfahrt eine Verbindung wählen müssen, die mindestens drei Stunden vor Abflug den Flughafen fahrplanmäßig erreicht.

Darauf habe der Veranstalter auch hingewiesen, stellte das Gericht fest. Die Reisenden hatten hingegen nur einen Puffer von rund zweieinhalb Stunden eingebaut und wegen der Bahnverspätung letztlich den Flug verpasst. Die Kosten für Ersatztickets und eine Hotelübernachtung müssen sie nun selbst tragen.

Grundsätzlich könne der Veranstalter laut dem Urteil auch bei einer Zugverspätung haftbar gemacht werden, weil der angebotene Service Rail&Fly gemeinsam mit dem Flug als einheitliche Leistung angesehen werden müsse. Eine Haftung wäre im konkreten Fall nach Ansicht des Gerichts denkbar gewesen, wenn die Kläger einen früheren Zug genommen hätten.

abl/AFP/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
jj2005 24.05.2018
1. 103 Minuten Verspätung?
Das Urteil ist weltfremd: Die Bahn sollte in diesem Fall haften. Wäre zumindest ein kleiner Anreiz, etwas pünktlicher zu werden.
fahrgast07 24.05.2018
2. Übertrieben
Gelten die drei Stunden auch bei Anschlussflügen? Oder warum misst man da mit zweierlei Maß? 3 Stunden finde ich völlig übertrieben - Zugverspätung dieser Größenordnung gibts praktisch nie (ich hatte sie nur zwei mal).
uzsjgb 24.05.2018
3.
Zitat von fahrgast07Gelten die drei Stunden auch bei Anschlussflügen? Oder warum misst man da mit zweierlei Maß? 3 Stunden finde ich völlig übertrieben - Zugverspätung dieser Größenordnung gibts praktisch nie (ich hatte sie nur zwei mal).
Anschlussflüge an die Bahnfahrt, oder was meinen Sie? 3 Stunden halte ich für realistisch, ich selbe plane meistens noch früher am Flughafen zu sein. 2 Stunden vor dem Flug muss man einchecken, dann hat man eine Stunde Puffer. Je nach Zugverbindung wird es dann schon knapp, wenn eine Bahn ausfällt. Es ist halt so wenig Verlass auf die Deutsche Bahn, dass auch ein Gericht es für fahrlässig hält, wenn jemand sich auf den Fahrplan verlässt.
moev 24.05.2018
4.
Sehe an den 3h auch nichts ungewöhnliches. 2h vor terminierter abflugzeit am check-in Schalter sein ist IMHO Standardanforderung. Dazu die Zeit zwischen Ankunft am Flughafen bis zum Schalter und Puffer für Verspätung auf dem weg zum Flughafen und 3h wird schon ziemlich knapp. Ich versuche 1h vor dem check-in planmäßig am Flughafen zu sein, d.h. ein Zug zum Flug muss 4h vor abflugtermin starten
metastabil 24.05.2018
5.
Zitat von uzsjgbAnschlussflüge an die Bahnfahrt, oder was meinen Sie? 3 Stunden halte ich für realistisch, ich selbe plane meistens noch früher am Flughafen zu sein. 2 Stunden vor dem Flug muss man einchecken, dann hat man eine Stunde Puffer. Je nach Zugverbindung wird es dann schon knapp, wenn eine Bahn ausfällt. Es ist halt so wenig Verlass auf die Deutsche Bahn, dass auch ein Gericht es für fahrlässig hält, wenn jemand sich auf den Fahrplan verlässt.
Hält das Gericht aber nicht. Nach den Ausführungen des Gerichts wurde die Klage abgewiesen, weil das Touristenpaar mit dem zu knapp gewählten Zeitpuffer (2:45h statt der vom Reiseveranstalter empfohlenen 3h) eine Obliegenheitsverletzung beging, und diese Obliegenheitsverletzung letztendlich auch zum Eintritt des Schadens an sich führte. Der Check-In-Schalter wurde nach Angaben des Paares nämlich nur fünf Minuten vor ihrer Ankunft am Flughafen geschlossen - bei einem dreistündigen Zeitpuffer hätte das Paar also unter ansonsten gleichen Umständen trotz Verspätung noch einchecken können. Daraus resultiert aber mitnichten eine Ansicht des Gerichts, die Bahn sei so unzuverlässig, dass ein Verlassen auf den Fahrplan fahrlässig wäre.
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