Urteil im Vielflieger-Prozess: Lufthansa durfte Bonusmeilen nicht entwerten

Die Lufthansa hat im Prozess um ihr "Miles&More"-Programm eine Schlappe erlitten: Das Kölner Landgericht gab einem klagenden Vielflieger Recht. Die Airline hätte den Wert ihrer Bonusmeilen nicht derartig kurzfristig herabsetzen dürfen.

Ärger mit den Meilen: Vielflieger gewinnt einen Prozess gegen die Lufthansa Zur Großansicht
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Ärger mit den Meilen: Vielflieger gewinnt einen Prozess gegen die Lufthansa

Köln - Die Lufthansa hätte das angesammelte Meilenkonto eines Vielfliegers nicht entwerten dürfen. Der Kläger sei durch die Abänderung des Prämienkatalogs im "Miles&More"-Programm benachteiligt worden, entschied das Kölner Landgericht am Freitag.

Der Hamburger IT-Professor Tobias Eggendorfer hatte auf seinem Konto insgesamt 887.000 Bonusmeilen angehäuft. Anfang vergangenen Jahres änderte die Lufthansa die Bedingungen so ab, dass künftig durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr Meilen für das Eintauschen in interkontinentale Flügen erforderlich sein sollten.

Die Richter betonten, generell sei die Lufthansa berechtigt, die Teilnahmebedingungen für ihr Bonusprogramm zu ändern, da es sich um eine freiwillige Leistung handele. Allerdings hätte das Unternehmen dies mit einem Vorlauf von vier Monaten ankündigen müssen, um den Kunden eine ausreichende Übergangszeit einzuräumen.

Die Lufthansa hatte die Änderungen erst einen Monat vor Inkrafttreten unter anderem in ihrem Newsletter kommuniziert. Das war nach Auffassung des Gerichts zu kurzfristig - zumal "ein gewisser Vertrauensbestand" dadurch aufgebaut worden sei, dass der Flugprämienkatalog zuvor acht Jahre lang unverändert geblieben war.

Seit der Änderung ihres Bonusprogramms verlangt die Lufthansa zum Beispiel für einen Hin- und Rückflug in die USA in der Business-Klasse 105.000 statt vorher 90.000 Meilen. Dagegen müssen Kunden für Oneway-Prämienflüge sowie für Flüge, die am selben Tag hin und zurück gehen, jetzt weniger Meilen berappen.

Da es sich bei solchen Flügen in der Regel aber nicht um Interkontinental-Flüge handele, ist dies nach Ansicht des Gerichts keine gleichwertige Alternative. Denn für einen Prämienkunden mit einem dicken Meilenkonto lohne es sich umgerechnet viel mehr, seine Bonuspunkte für Fernflüge einzulösen. Insofern seien die Änderungen hinsichtlich der Meilen, die der Kläger bis Anfang 2011 angesammelt hatte, unwirksam.

Bei weiteren Klagen könnte es für Lufthansa teuer werden

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Nach Angaben eines Gerichtssprechers hat es keine Allgemeingültigkeit: "Bei weiteren Klagen wird man sich jeden Einzelfall anschauen müssen." Ein Lufthansa-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, das Unternehmen werde sich die Begründung des Gerichts ansehen und dann über weitere Schritt entscheiden. Bleibt die Lufthansa bei ihrer Haltung, könnte der Fall bis zum Bundesgerichtshof gehen.

Der Kläger Eggendorfer sagte: "Ich bin sehr zufrieden und werde demnächst erst mal meine ganzen alten Meilen einlösen." Der Hamburger IT-Professor ist nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr etwa 80 Mal geflogen - allerdings nicht mehr mit der Kranich-Linie: "Ich verstehe wirklich nicht, wie die Lufthansa ausgerechnet ihre Stammkunden so vergraulen kann."

Für die Lufthansa hatte sich die Abwertung der Bestandsmeilen gelohnt, wie die "Financial Times Deutschland" im November berechnete. Die rund 20 Millionen Miles&More-Kunden hätten sich bis Ende 2010 198 Milliarden Meilen erflogen. Gegenwert seien heute 1,88 Millionen Business-Tickets in die USA nach zuvor 2,2 Millionen. Bei einem Ticketpreis von 3000 Euro ergebe sich daraus eine Differenz von 960 Millionen Euro. Würden weitere Meilen-Kunden klagen, könnte das für die Fluglinie teuer werden.

Schon 2010 hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Fluggesellschaften die Gültigkeitsdauer von Bonuspunkten in ihren Vielfliegerprogrammen nicht drastisch kürzen dürfen. Angeklagt war Air Berlin, die 2007 nach der Übernahme von LTU das "Redpoints"-Meilenprogramm einstellen wollte und die Einlösefrist verkürzten. Darin sahen die Richter eine "unbillige Benachteiligung" des Reisenden.

Kölner Landgericht, Aktenzeichen: 32 O 317/11

abl/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Miles and More
flieder2 16.03.2012
Na, die Ueberschrift des Artikels ist reisserisch und man muss den Artikel schon aufmerksam lesen. Die Lufthansa darf Aenderungen an ihrem Miles and More Programm durchfuehren, sie muss es nur rechtzeitig bekanntgeben. Korrektes Urteil.
2. Inkorrekte Bewertung der Meilen
xebudig 16.03.2012
Zitat von sysopDie Lufthansa hat im Prozess um ihr "Miles and More"-Programm eine Schlappe erlitten: Das Kölner Landgericht gab einem klagenden Vielflieger Recht. Die Airline hätte den Wert ihrer Bonusmeilen nicht derartig kurzfristig herabsetzen dürfen. Urteil im Vielflieger-Prozess: Lufthansa durfte Bonusmeilen nicht entwerten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,821747,00.html)
Die oft angeführte Beispielrechnung stellt weder die tatsächlichen Kosten und auch nicht die buchhalterischen Kosten korrekt dar. LH muß selbstverständlich für die angesparten Meilen Rückstellungen bilden, man kann diese leicht schätzen wenn man zugrunde legt das die Kosten für Meilenflüge nur die Selbst/Grenzkosten wiederspiegeln müssen. Für einen Asienflug zahlt man in einem günstigen Tarif ca 400 Euro + Steuern oder 80000 Meilen + Steuern. Man kann also eine Meile mit ca 0.5 cent bewerten. Demnach sind 200 Mrd Meilen 1 Mrd Euro Wert. Gespart hat die Lufthansa durch sie Umstellung also mx 200 Mio Euro Business Class Flüge werden zwar teuer verkauft, die Grenzkosten sind aber in den Meilenpreisen besser wiedergespiegelt, daher ca 70% teurer als economy.
3.
Altesocke 16.03.2012
Zitat von xebudigDemnach sind 200 Mrd Meilen 1 Mrd Euro Wert. Gespart hat die Lufthansa durch sie Umstellung also mx 200 Mio Euro Business Class Flüge werden zwar teuer verkauft, die Grenzkosten sind aber in den Meilenpreisen besser wiedergespiegelt, daher ca 70% teurer als economy.
200 Mio, 25% des jaehrlichen Gewinnes. Auch ganz ordentlich! Aber mache ich einen Denkfehler, oder beruecksichtigen sie nicht, das die Plaetze nicht berkauft werden koennen, wenn Meilen abgeflogen werden? Und die Ticketkosten der Vielflieger, die jetzt den Flug normal bezahlen muessten? Die werden ja nicht zu Hause bleiben, sondern wohl zumeist gleich wieder Meilen sammeln, wenn sie keine Einloesen koennen! Also zusaetzliche Ausgaben der Kunden, dadurch zumindest teilweise (wenn nicht wie der Klaeger auf LH verzichtend) hoehere Einnahmen bei LH!
4. M&M nichts wert
kk280sl 16.03.2012
Zitat von sysopDie Lufthansa hat im Prozess um ihr "Miles and More"-Programm eine Schlappe erlitten: Das Kölner Landgericht gab einem klagenden Vielflieger Recht. Die Airline hätte den Wert ihrer Bonusmeilen nicht derartig kurzfristig herabsetzen dürfen. Urteil im Vielflieger-Prozess: Lufthansa durfte Bonusmeilen nicht entwerten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Reise (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,821747,00.html)
Die LH Milans sind nicht mehr das was sie sind. Das Programm kann man meines Erachtens in die Tonne treten und sich Tickets kaufen. 2 Beispiele Vor 4 Wochen wollte ich auf einer Geschäftsreise meine Tochter mit nach Shanghai nehmen. Für ein Millen Ticket wollte die LH zu den 80.000 Millen noch 385€ Steuern und Gebühren. Ich fand ein Emirates ticket für 510€ inklusive alle Stuern. Die Emirates weisst 75€ Steuern und Gebühren auf. Nächste Woche fliege ich nach SFO, wieder mit Frl. Tochter. Die LH hat es sogar geschafft Shanghai zu toppen. Steuern und div. Gebühren 422€ zu den 60.000 Milen. Ich fand ein United Airlines nonstop von Frankfurt für 580€ inklusive alle Steuern. UA weist 95€ Steuern auf. 3 mal habe in München am Flughafen gefragt ob mir jemand erklären kann wie diese Steuern und Gebühren berechnet werden und warum andere Airlines auf der gleichen Strecke geringere Steuern berechnen. Niemand am Ticket Schalter oder Senator Hotline konnte das erklären. Nach Asien ist die Lufthansa erstmal abgelegt für mich Milen hin oder her. Habe noch über 500.000 Milen falls jemand Interesse hat.
5. Kerosinzuschlag bei Prämienflügen ebenfalls unwirksam
jfelter 16.03.2012
Findet sich jemand, der gegen die Erhebung des Kerosinzuschlags bei Prämienflügen klagen möchte? Nach Punkt 2.6 der Miles & More Teilnahmebedingungen sind "Sämtliche Flugnebenkosten wie Abgaben (z. B. Flughafensteuern, Sicherheitsgebühren), Zuschläge (z.B. Versicherungszuschläge) und Service-Entgelte (z.B. Umbuchungs-Entgelte)" bei Prämienflügen zu zahlen. Dass hiervon auch der Kerosinzuschlag erfasst ist, läßt sich m.E. anhand der vorliegenden Rechtsprechung (z.B. OLG Düsseldorf I-20 U 86/07) nur noch schwer vertreten.
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