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Flughafen-Sicherheitskontrolle: Körpergeruch = verdächtig

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Mitarbeiter der TSA bei der Flughafenkontrolle in Denver: Ein Bonus für Verheiratete Zur Großansicht
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Mitarbeiter der TSA bei der Flughafenkontrolle in Denver: Ein Bonus für Verheiratete

Gähnen, Schwitzen, Zögern oder Räuspern kann Passagiere bei der Sicherheitskontrolle an US-Flughäfen für das Personal schon verdächtig machen. Das soll ein geheimes Dokument zeigen, das eine Enthüllungsplattform jetzt veröffentlicht hat.

Beim Sicherheitscheck am Flughafen werden immer wieder Passagiere einer Extra-Kontrolle unterzogen. Doch wie wird entschieden, wer als verdächtig gilt? Die Enthüllungsplattform "The Intercept", die durch ihre Snowden-Berichterstattung Berühmtheit erlangte, hat jetzt ein Dokument veröffentlicht, das Antworten auf diese Fragen geben soll.

Dabei handelt es sich um eine Checkliste zur Identifizierung potenzieller Terroristen. Sie stammt offenbar von der amerikanischen Behörde für Transportsicherheit, TSA, und soll den Sicherheitsleuten erleichtern, verdächtiges Verhalten von Passagieren zu erkennen. Und zwar mit einem Punktesystem.

Einen solchen Verdachtspunkt kann demnach zum Beispiel bekommen, wer spät zum Flug erscheint, wer "übertrieben" gähnt, wessen Hände schwitzen oder wer einen starken Körpergeruch verströmt, wer ein blasses Gesicht hat, weil er offensichtlich gerade erst seinen Bart abrasiert hat oder bei wem bei der Aufforderung zur Sicherheitskontrolle "eine offensichtliche Bewegung des Adamsapfels" zu beobachten ist.

Zwei Punkte fürs Zögern, ein Bonus für Verheiratete

Zwei Punkte gibt es für "starkes Festhalten der Tasche und/oder eine Hand in der Tasche", für ein "kaltes, durchdringendes Starren" oder für jemanden, der zögert, bevor er durch die Sicherheitskontrolle geht. Drei Punkte gibt es, wenn jemand "verwirrt wirkt", in Vermummung oder Verkleidung auftaucht oder dem Personal Fragen zur Sicherheit stellt.

Auffällig verhält sich wohl auch, wer auf die Fragen des Sicherheitspersonals seinerseits verzögert antwortet, sich mehrfach räuspert, mehrere Prepaid-Sim-Karten dabei hat oder sich übermäßig über die Sicherheitskontrollen beschwert. Wer insgesamt vier Punkte erreicht, soll zur zusätzlichen Kontrolle gebeten werden.

Es gibt aber laut dem Dokument für verschiedene Passagiere auch Punktabzug, also quasi einen Bonus: "Augenscheinliche Ehepaare" und Mitglieder eine reisenden Familie bekommen zwei Punkte Abzug von ihrer Verdachtsliste, Frauen über 55 Jahre und Männer über 65 Jahre jeweils einen Punkt. Alleinreisende Männer zwischen 20 und 40 Jahren gelten hingegen laut der Liste eher als verdächtig.

Die Liste könnte nur ein Vorwand sein

Die TSA äußerte sich gegenüber "The Intercept", die Verhaltensbeobachtung sei nur "ein Element der Bemühungen der TSA, die Gefährdungen für Reisende zu begrenzen". Das Vorgehen sei aber "entscheidend", um Verdächtige, die der Luftfahrt gefährlich werden können, zu erkennen und stoppen. Eine einzelne Verhaltensweise würde jedoch nicht dazu führen, dass jemand zu einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle gebeten werde.

Die Frage, wer am Flughafen noch einmal gesondert kontrolliert wird und wer nicht, beschäftigt in den USA derzeit viele: Die Bürgerrechtsorganisation ACLU hat jüngst einen Prozess angestrengt, um von der TSA Informationen darüber zu bekommen, nach welchem Prinzip Menschen für eine Extrakontrolle ausgesucht werden - weil der Verdacht besteht, dass dies auch nach rassistischen Gesichtspunkten geschieht.

Eine ehemalige Sicherheitskraft, die bei der TSA für die Verhaltensbeobachtung zuständig war, bezeichnet das Beobachtungsprogramm als "Bullshit". In Wahrheit sei die Liste nur ein Vorwand: Weil quasi jeder Passagier schnell drei oder vier der dort aufgeführten Verhaltensweise zeige, könnten die Kontrolleure nach Belieben herauswinken, wen immer sie mögen - und dann nachträglich ein paar Punkte auf der Liste heraussuchen, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen.

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insgesamt 44 Beiträge
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1. Falsch
gandhiforever 28.03.2015
Diese Checkliste stammt nicht von der TSA. In Israel werden Passagiere schon lange befragt, wobei man , d.h. die Kontrolleure, auf solche Zeichen achtet.
2. Na und, eine zusätzliche Kontrolle,
tutnet 28.03.2015
nicht weiter schlimm, eine Sache von 5-10 Minuten, die habe ich schon einige Male erlebt. Ich erinnere mich gerne an eine Zusatzkontrolle in Denver, da wurde mein Paketmesser in der Laptoptasche gefunden. Ein flacher Metallgriff 10cm lang mit einer kleinen 2cm langen Klinge, allerdings sehr scharf. Die Klinge geschützt durch eine verschiebbare Hülse, die die Klinge wahlweise verdeckt oder freigibt. Das Paketmesser steckte seit vielen Jahren in der Laptoptasche und hatte vorher mindestens 50 Gepäckkontrollen ohne Beanstandung überstanden. Das Messer wurde konfisziert, drei TSA-Bedienste stellten ein paar Fragen und haben Namen, Ticketnummer usw. in eine Liste eingetragen. Ich habe gesagt wie es ist, das steckt da seit vielen Jahren und wurde bisher nie beanstandet. Sie schauten betreten, aber 5 Minuten später war ich am Gate. Der Fund hatte keine weiteren erkennbaren Auswirkungen. Die nächsten Einreisen in die USA verliefen ohne erkennbare gesonderte Prüfung.
3. So, what!?
larsmach 28.03.2015
Da steige ich zwischen 110 bis 120 Mal pro Kalenderjahr in ein Flugzeug und an den Sicherheitskontrollen nervt mich allerhöchstens, wenn Leuten vor mir große Getränkepullen usw. aus den Rucksäcken gezogen werden oder diese erst während ihrer Kontrolle auf die Idee kommen, sich Mäntel auszuziehen, Uhren abzunehmen usw., egal wie viele Hinweistafeln oder Video-Displays in wie vielen Sprachen dort zu sehen sind...
4.
gerd.leineune 28.03.2015
Ähnliches gibt es bei uns auch. Fahnder winken ja nicht zufällig irgendwelche Leute raus, sondern gezielt diejenigen, von denen ihre bisherige Erfahrung eine vergleichsweise hohe Trefferwahrscheinlichkeit ergeben hat. 1.) Das Wissen des Unbewusstseins ist tausendfach größer als das aktive, bewusste Wissen. 2.) Es leuchtet wohl jedem ein, dass die wenigsten Terroristen 90 jährige Omas oder Kleinkinder sind. Racial profiling hat seine Berechtigung. Wenn in Frankfurt (Oder) 99% aller Autos von Ausländern geklaut werden, dann bringt es wenig, Bayern anzuhalten.
5.
franz.urbanek 28.03.2015
und wer es dann geschafft hat, den Hort von Freiheit und Gerechtigkeit zu betreten, muss damit rechnen, jederzeit von durchgeknallten Gesetzeshütern in putativer Notwehr erschossen zu werden. Wer braucht schon die USA? Das einzig Gute, daß jemals von dort kam, war Coca-Cola.
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