Ver.di-Streik am Donnerstag Lufthansa streicht fast 600 Flüge

Ver.di ruft an sieben großen Airports zum Streik auf, die Lufthansa streicht am Donnerstag Hunderte Flüge. Alle Airlines rechnen mit erheblichen Behinderungen für ihre Passagiere. Die wichtigsten Infos im Überblick.

Ver.di-Streik am Frankfurter Flughafen (Archiv): Passagiere müssen sich am Donnerstag auf Stornos einstellen
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Ver.di-Streik am Frankfurter Flughafen (Archiv): Passagiere müssen sich am Donnerstag auf Stornos einstellen


Frankfurt am Main - Am Donnerstag um 3.30 Uhr beginnt an fast allen deutschen Flughäfen ein elfstündiger Warnstreik. An den Airports in Frankfurt, München, Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart würden Beschäftigte die Arbeit während der Frühschicht bis etwa 14 Uhr niederlegen, teilte Ver.di mit. In Berlin sind keine Arbeitsniederlegungen angekündigt.

Wegen des Ausstands im Öffentlichen Dienst hat die Lufthansa bereits knapp 600 Flüge annulliert - einige Verbindungen sind für Mittwoch, einzelne bis 31. März storniert (eine Übersicht über alle gestrichenen Lufthansa-Flüge finden Sie hier).

"In Frankfurt und München fallen nahezu alle innerdeutschen und europäischen Flüge aus, die bis 14 Uhr planmäßig vorgesehen waren", teilte das Unternehmen mit. "Ausgenommen davon sind Flüge der Germanwings sowie Flüge der Lufthansa-Regionaltöchter von und nach München." Diese könnten voraussichtlich durchgeführt werden, wenngleich auch hier mit Verspätungen und einzelnen Annullierungen zu rechnen sei.

Kunden, die für den 27. März Tickets für Flüge von Lufthansa von oder nach Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg oder Hannover haben, dürften "einmalig kostenfrei" über das Internet umbuchen, so die Lufthansa. Fluggäste, deren Flug streikbedingt gestrichen wurde, könnten ihren Flug zudem kostenfrei stornieren. Bei innerdeutschen Verbindungen sei es möglich, alternativ Züge der Deutschen Bahn zu nutzen. Dafür müsste der Flugschein am Check-in-Automaten oder im Internet gegen eine Fahrkarte umgetauscht werden.

Air Berlin plant zunächst mit nur geringen Auswirkungen. Bis Mittwochnachmittag hat die Fluggesellschaft sechs Flüge annulliert, wie eine Sprecherin mitteilte. Anders als bei der Lufthansa seien die Air-Berlin-Drehkreuze Berlin und Düsseldorf gar nicht oder nur wenig direkt vom Streik betroffen. Der Flugplan solle möglichst eingehalten werden.

Gäste, die von streikbedingten Flugstreichungen betroffen sind, könnten kostenlos auf Flüge bis zum 31. Mai umbuchen oder stornieren. Die Reisenden sollten sich vorab jedoch über den Status ihres Flugs informieren.

Condor plant keine Flugstreichungen. Die An- und Abflugzeiten von zwölf Flügen wurden geändert, so dass sie nicht in die Streikzeiten fallen. Davon sind 3000 Passagiere betroffen. Vier Flüge wurden von Frankfurt nach Düsseldorf verlegt. Dort sei mit geringeren Auswirkungen des Ausstands zu rechnen, sagte ein Condor-Sprecher.

Die Deutsche Bahn setzt wegen der für Donnerstag angekündigten Warnstreiks an sieben Flughäfen zusätzliche Züge an Knotenpunkten ein. Alle verfügbaren Züge seien im Einsatz, teilte die Bahn am Mittwoch mit. Am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens und gegebenenfalls an weiteren Stationen soll es zusätzliche Mitarbeiter geben. Kunden von Lufthansa, Germanwings und Air Berlin können bei den Fluggesellschaften ihre Flugtickets in Gutscheine für die Bahn umwandeln lassen.

Farbig markierte Abfertigungszonen in Frankfurt

Ein Sprecher der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport sagte, es sei noch nicht genau absehbar, wie stark die Beeinträchtigungen im Flugverkehr sein werden. Dies hänge davon ab, wie viele der Beschäftigten dem Ver.di-Aufruf folgen werden. Fraport habe sich aber mit der Gewerkschaft darauf geeinigt, dass ein Grundbetrieb aufrechterhalten werden müsse. Um die Passagiere mit Informationen zu versorgen, werde zusätzliches Personal abgestellt.

In den Frankfurter Terminals stranden möglicherweise auch Transitfluggäste. Fraport werde im schlimmsten Fall Feldbetten aufstellen, sagte der Sprecher. Man habe zudem zusätzlich Snacks und Getränke geordert.

Lufthansa teilte mit, die Abflughallen gemeinsam mit Fraport in verschiedene Farbzonen aufzuteilen: "Jede Farbe steht dabei für einen bestimmten Schwerpunkt der Abfertigung. An lila gefärbten Schaltermonitoren werden beispielsweise alle Umbuchungen zu Zielen innerhalb der Europäischen Union ohne Anschlussflug vorgenommen." Zusätzlich eingesetzte Mitarbeiter trügen zu einer besseren Orientierung entsprechend farbige Westen.

Allein am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main sind laut Fraport rund 9600 Angestellte im Öffentlichen Dienst beschäftigt. Ver.di rechnet hier mit einer Beteiligung von 1400 Angestellten.

Die Gewerkschaft will mit den Arbeitsniederlegungen den Druck auf die Arbeitgeber im Tarifstreit des Öffentlichen Dienstes bei den Kommunen und beim Bund noch einmal erhöhen. Bereits in den vergangenen Tagen hatten vielerorts Beschäftigte unter anderem in Kindertagesstätten, bei der Müllabfuhr und dem öffentlichen Nahverkehr gestreikt. Ver.di fordert für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst eine Erhöhung der Löhne um 100 Euro monatlich plus 3,5 Prozent.


Die wichtigsten Informationen für Passagiere im Überblick:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Bei der Lufthansa können die Kunden schon jetzt kostenlos umbuchen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren - zum Beispiel mit Bahn oder Bussen. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen. Kunden von Lufthansa, Germanwings und Air Berlin können bei den Fluggesellschaften ihre Flugtickets in Gutscheine für die Bahn umwandeln lassen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wie sollten sich Reisende am Donnerstag verhalten?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich vorab bei der jeweiligen Airline nach dem Status des Flugs zu erkundigen. Daneben sollten die Reisenden mehr Zeit einplanen, da auch die Abfertigung der nicht annullierten Flüge am Donnerstag mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport etwa bittet Passagiere, sich schon vor Antritt der Reise von zu Hause aus auf den Internetportalen der Fluggesellschaften über den Status ihres Flugs zu informieren und die Online-Umbuchungsmöglichkeiten zu nutzen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

abl/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
laurenz-von-arabien 26.03.2014
1. Ach Verdi gibts noch?
....
math275 26.03.2014
2. Alles gut...Recht auf Arbeitskampf
Das hat der Arbeitnehmer! Reisende sind betroffen, Termine platzen, Verluste werden generiert. Na und ? Würde es keinen Streik geben würde bereits die Mehrzahl der Angestellten für 1 Euro arbeiten. Übrigens: Piloten eingeschlossen. Wer nicht hungern will organisiert sich halt. Nicht nur bei Verdi, der Arbeitgeberfrrundlichen alternative , lach
alice 26.03.2014
3. Verdi
Zitat von sysopDPAFlugreisende müssen am Donnerstag mit erheblichen Behinderungen rechnen. Die Gewerkschaft Ver.di will fast alle deutschen Airports bestreiken. Worauf Sie sich einstellen müssen - der Überblick. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/a-960833.html
hat in der letzten Zeit schon Schlecker und Praktiker Mitarbeitern erfolgreich zu mehr Lohn verholfen. Wenn die Lufthansa in Konkurs geht, wird es halt vielen Mitarbeitern den Job kosten. Die restlichen müssen dann mit massiven Lohnkürzungen rechnen. Das Geld wächst leider nicht auf Bäumen.
spon-facebook-660138087 26.03.2014
4. Nicht mehr Deuschland
Ich wohne im Ausland und fliege regelmäßig nach Deutschland, seit einigen Monaten aber vermehrt nach ZRH oder VIE, da jedesmal irgend ein Streik in Frankfurt und anderswo ist. Da ich eh immer nach CH muss, fang ich halt da und dann Mietauto nach DE. Kriegen meine Flughafengebühren eben die anderen.
fairer_demokrat 26.03.2014
5. und das Alles
soll ein " warn " Streik sein ?
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