Streik am Donnerstag Lufthansa streicht alle Kurzstreckenflüge am Vormittag

Flugpassagieren drohen am Donnerstag erneut Verzögerungen und Flugausfälle. Ver.di hat die Beschäftigten der Lufthansa zu Warnstreiks aufgerufen. Betroffen sind die Airports in sechs Städten. Das Unternehmen hat alle Deutschland- und Europaflüge am Vormittag gestrichen.

Düsseldorfer Flughafen: 250 Kontrolleure hatten in der vergangenen Woche gestreikt
DPA

Düsseldorfer Flughafen: 250 Kontrolleure hatten in der vergangenen Woche gestreikt


Frankfurt - Nach dem Sicherheitspersonal in Nordrhein-Westfalen und Hamburg aktiviert Ver.di nun die Beschäftigten mehrerer Lufthansa-Unternehmen. Die Gewerkschaft ruft seine Mitglieder in dem Konzern auf, am Donnerstagmorgen die Arbeit an "zahlreichen deutschen Flughäfen" niederzulegen, teilte Ver.di am Mittwoch mit.

Im Zentrum der Warnstreiks stünde Frankfurt. An Deutschlands größtem Flughafen dürfe der Ausstand voraussichtlich von 5 bis 10 Uhr morgens dauern. In Berlin wurden auch die Flugbegleiter zum Warnstreik aufgerufen. Warnstreikaktionen wird es auch an weiteren Standorten wie München, Düsseldorf, Köln, Hamburg und dem von der Schließung bedrohten Standort Norderstedt bei Hamburg geben.

Es handele sich um ein "Warnsignal" an die Lufthansa, weshalb nicht alle Angestellten der Airline ihre Arbeit niederlegen werden, sondern je nach Standort einzelne Beschäftigtengruppen, sagte eine Ver.di-Sprecherin. "Es ist nicht so, dass der ganze Betrieb lahmgelegt wird."

Die Lufthansa beginnt sich für den Streik zu rüsten. Für den Donnerstagvormittag hat die Fluglinie fast alle Deutschland- und Europaflüge gestrichen. Betroffen sind Verbindungen ab Frankfurt, Hamburg, Berlin, München, Düsseldorf und Köln, die in der Zeit zwischen 5 und 12 Uhr geplant waren. Langstreckenflüge von Frankfurt, München und Düsseldorf sollten nach Möglichkeit stattfinden, teilte das Unternehmen mit.

Die Passagiere werden gebeten, sich über die Internetseite über den Status ihres Fluges zu informieren. Dort umfasst die Liste der gestrichenen Flügen bisher rund 500 Flüge. Grob wird mit mindestens 50 000 betroffenen Fluggästen gerechnet.

Lufthansa bietet Nullrunde an

Mit dem Ausstand will Ver.di den Druck auf die Lufthansa in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen - die nächste Runde findet am Freitag statt. Ver.di fordert für 33.000 Beschäftigte bei der Lufthansa 5,2 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

Der Konzern wies die Forderung zurück und bietet mit Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Situation lediglich eine Nullrunde an. "Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber und ihre Gegenforderungen zu Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerung sind eine Provokation, die bei den Lufthanseaten zu starker Unruhe und Verärgerung geführt hat", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.

Verhandelt wird über die Gehälter der Beschäftigten bei Lufthansa Cargo, der Catering-Tochter LSG, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems sowie der Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine.

Deutschlands größte Airline durchläuft derzeit ein Sparprogramm. Der Konzern will unter anderem weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung streichen und dadurch zusammen mit anderen Schritten sein Ergebnis im laufenden Geschäft um 1,5 Milliarden Euro verbessern.

Arbeitsniederlegungen sind in der Luftfahrtbranche alles andere als eine Seltenheit. Vergangenen Sommer stürzte bereits die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo die Lufthansa für einige Tage mit einem Ausstand ins Chaos, der Schaden betrug gut 30 Millionen Euro. Zuvor - im Februar 2012 - brachten 200 Flugfeldarbeiter den Betrieb am Frankfurter Airport über Wochen aus dem Takt. Sie waren einem Streikaufruf der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) gefolgt. Und in den vergangenen Monaten hatten wiederholt die Sicherheitsleute an den Airports Düsseldorf, Köln und Hamburg die Arbeit niedergelegt - es kam zu zahlreichen Flugannullierungen.

Die wichtigsten Informationen für Passagiere:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Bei der Lufthansa können die Kunden ihr Flug- auch in ein Bahnticket umtauschen oder von vornherein kostenlos umbuchen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

abl/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 123 Beiträge
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Seite 1
lollopa1 20.03.2013
1. jede Woche das gleiche.....
Irgendwann ist die Lufthansa so pleite durch die vielen Streiktage das die zumachen. Aber dann wird Ver.Di bestimmt das Bodenpersonal und die Sicherheitskräfte einstellen.
fool_on_the_hill 20.03.2013
2. Man sollte den Gewerkschaftsmitgliedern
das Gehalt senken, um in 12 Monaten die Folgekosten des gewerkschaftlichen Handeln wieder einzusparen. aber ich bin ja nur ein Narr
iffel1 20.03.2013
3. Ich streike auch !
In diesem Jahr werde ich keinen Lufthansaflug mehr buchen.
kopenhagen 20.03.2013
4. Kein Veständnis
Zitat von sysopDPAFlugpassagieren drohen am Donnerstag erneut Verzögerungen und Flugausfälle. Ver.di hat die Beschäftigten der Lufthansa zu Warnstreiks aufgerufen. Betroffen sind die Airports in sechs Städten - darunter auch Frankfurt, München und Hamburg. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/ver-di-ruft-bei-lufthansa-am-donnerstag-zum-streik-auf-a-889912.html
Durch Bekannte bin ich sehr gut im Bilde über die bereits existierenden Gehälter und Sozialleistungen der Lufthansa AG. Den Mitarbeitern geht es einfach viel zu gut. Von mir aus können die streiken bis zum Umfallen, nur wird dann die Lufthansa entlassen müssen, da nicht mehr, wie auch heute bereits, wettbewerbsfähig. Dann fliege ich halt mit Singapore Airlines zum Beispiel...
ja-sager 20.03.2013
5. ja genau...
man sollte mal bei den Bossen der Gewerkschaften und der Betriebe vor der Haustüre streiken und ihnen klar machen, wie der Bürger es findet, wenn Lohnverhandlungen auf dem Rücken von Unbeteiligten ausgetragen werden. Da hilft nur Konklave; alle in einen Raum, kein Essen, kein Trinken, wenn weisser Qualm aufsteigt steht die Lohnerhöhung, dann dürfen alle wieder an die frische Luft. Das bringt Vernunft in die Verhandlungen. Bsirskes Show hängt mir langsam zum Hals raus.
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