Nahverkehr Verbraucherschützer werfen Bahn irreführende Werbung für City-Ticket vor

Seit Anfang August gilt das City-Ticket auf fast allen Fernreisen - doch es gibt einen Haken: Ungewollt können Bahnfahrer zu Schwarzfahrern werden. Verbraucherschützer mahnen daher die Bahn ab.

DPA


Verbraucherschützer warnen Bahnkunden vor der Gefahr des ungewollten Schwarzfahrens, wenn sie das City-Ticket nutzen. Zwar sei die Möglichkeit, vor oder nach der Bahnfahrt das Ticket auch für den Öffentlichen Nahverkehr einsetzen zu können, grundsätzlich zu begrüßen, erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Allerdings sei der mit dem Ticket nutzbare Bereich in den Städten oft eingeschränkt.

Da die Bahn in ihrem Werbefilm für das City-Ticket aber keinen Hinweis auf die eingeschränkten Geltungsbereiche gebe, sei das Unternehmen nun abgemahnt worden, erklärte der Verband.

"Viele Verbraucher nehmen die Einschränkungen des Geltungsbereiches nicht wahr und fahren ungewollt schwarz", kritisierte vzbv-Rechtsexpertin Kerstin Hoppe. "Die Werbung klärt sie darüber nicht oder nicht deutlich genug auf. Dies sollte die Deutsche Bahn schnellstens ändern."

In Berlin könne beispielsweise nur die Tarifzone A innerhalb des S-Bahn-Rings einschließlich des Nöldnerplatzes und des Bezirks Lichtenberg genutzt werden. Für Verbraucher, die das nicht wüssten, könne es somit teuer werden.

Die Bahn hatte das City-Ticket zum 1. August auf alle Käufer von "Flexpreis"- oder "Sparpreis"-Fahrkarten ausgeweitet, die mindestens 100 Kilometer weit fahren. Zuvor hatte dies nur für Bahncard-Kunden gegolten. Für den neuen "Super Sparpreis" gibt es das City-Ticket nicht. Mit der Fahrkarte sollen Bahnkunden auch den öffentlichen Nahverkehr zum Startbahnhof und am Zielbahnhof zu ihrem eigentlichen Ziel nutzen können.

Wenn es um die Tarifgestaltung im ÖPNV gehe, koche allerdings "jeder Verkehrsverbund sein eigenes Süppchen", erklärte vzbv-Verkehrsexpertin Marion Jungbluth. "Für Verbraucher ist das Tarifwirrwarr undurchschaubar." Das werde am City-Ticket der Deutschen Bahn nochmals deutlich. "Ein City-Ticket sollte halten, was es verspricht, nämlich die An- und Abreise zum Bahnhof einschließen", forderte Jungbluth.

abl/dpa



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flytogether 16.08.2018
1. Schön dass es die
Verbraucherschutz-Behörde gibt. So werden diesen linken Methoden ein Riegel vorgeschoben. Drei Viertel der Züge mit Verspätung und dann noch Ärger mit den Kontrolleuren. Da fahr ich lieber mit dem Auto, Stau hin oder her.
lb2 16.08.2018
2. Es gibt gar kein "normalen" Sparpreis mehr
Es gibt wohl gar kein "normalen" Sparpreis mehr, der ein City Ticket beinhaltet. Man kann immer nur noch den Super Sparpreis wählen und dieser beinhaltet nie ein City Ticket (zumindest bei den Städten, die ich probiert habe). Damit muss man immer ein Ticket für den Nahverkehr zusätzlich buchen, und dann ist der Supersparpreis meist nur der Sparpreis + zusätzlichen Kosten für das Nahverkehrsticket und der Buchungsaufwand.
Marvin__ 16.08.2018
3. Und noch eine Baustelle ...
Bei der Online-Buchung kennt offenbar die Bahn ihr eigenes City-Ticket nicht, und bezeichnet den angezeigten Fahrpreis als "Teilpreis" - Bus und S-Bahn müssten zusätzlich gekauft werden. Was zumindest bei längeren Strecken nicht gilt, da die Anschlüsse vom City-Ticket abgedeckt sind.
derjuergie 16.08.2018
4. Eindruck
Man hat den Eindruck das bei der Bahn die Tarife von Versicherungsmathematikern die sonst nirgend woanders untergekommen sind gestaltet werden. Mich würde mal interresieren ob die Herrschaften im Vorstand den Tarifdschungel durchschauen den sie selbst angerichtet haben.
adal_ 16.08.2018
5. Tarifdschungel
sysop: ...Wenn es um die Tarifgestaltung im ÖPNV gehe, koche allerdings "jeder Verkehrsverbund sein eigenes Süppchen", erklärte vzbv-Verkehrsexpertin Marion Jungbluth. "Für Verbraucher ist das Tarifwirrwarr undurchschaubar."... So ist es. Die völlig irren tarifären Zumutungen des ÖPNV gelten für alle. Die kann die Bahn ihren City-Ticket-Kunden leider nicht ersparen und muss sie daher über den jeweiligen örtlichen Tarifdschungel unterrichten.
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