Verspätete Flüge Bundesrat stimmt für einfachere Entschädigung

Wer nach einem verspäteten Flug eine Entschädigung will, muss diese bei der Airline einfordern. Nun soll die Bundesregierung prüfen, ob nicht die Unternehmen zu automatischen Zahlungen verpflichtet werden könnten.

Flugzeug landet am Helmut-Schmidt-Airport in Hamburg
DPA

Flugzeug landet am Helmut-Schmidt-Airport in Hamburg


Fluggäste und Bahnkunden sollen bei Zug- und Flugverspätungen leichter finanzielle Entschädigungen erhalten - dafür macht sich der Bundesrat stark. Eine Mehrheit der Länderkammern stimmte am Freitag für einen entsprechenden Antrag des Saarlandes. Damit wird die Bundesregierung aufgefordert, neue gesetzliche Maßnahmen zu prüfen, "etwa hinsichtlich der Automatisierung des Entschädigungsverfahrens".

Es sei nicht einzusehen, dass Flüge und Züge per App gebucht werden können, die Entschädigung dann aber schriftlich auf komplizierten Formularen beantragt werden müsse, heißt es in dem Antrag. Dies käme einem verwaltungstechnischen Abwehrreflex gleich. Wenn eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen keine Wirkung erziele, müssten sie notfalls per Gesetz zu einem antragslosen und automatisierten Entschädigungsverfahren verpflichtet werden.

Allein im Luftverkehr seien von Januar bis September 2018 wegen Verspätungen bei 824 Beschwerden von Passagieren Ermittlungen eingeleitet worden. Es müsse zu verbindlichen und überprüfbaren Verbesserungen bei der Durchsetzung von Entschädigungen kommen.

"Wer Flug- oder Bahntickets bucht und dann sprichwörtlich am Gate oder Bahnsteig stehengelassen wird, darf am Ende nicht länger der Dumme sein und seinen finanziellen Ansprüchen hinterherlaufen müssen", sagte Umwelt- und Verbraucherminister Reinhold Jost (SPD), derzeit Vorsitzender der Verbraucherschutzministerkonferenz.

Die Verbraucher sollten künftig bei Verspätung oder Ausfall von Flug oder Bahn eine automatische Entschädigung bekommen - "ohne Formulardschungel, ohne wochenlanges Warten oder Ärger mit der Servicehotline". Das gehe technisch und müsse daher nun zügig angegangen werden.

jus/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Kein Besserwisser 14.12.2018
1. ob sich davon EUROWINGS einschüchtern lässt, bezweifele ich
Nachdem mich EUROWINGS achtmal Stunden oder Tage später wie vereinbart ans Ziel brachte und ich jedes Mal klagen musste um die mir zustehende Entschädigung gemäß EU-Recht zu erhalten, melde ich ernsthafte Bedenken an, dass sich eine Airline wie z. B. EUROWINGS davon einschüchtern lässt und Ausgleichszahlungen gemäß EU-Recht ohne Klage bezahlt. Nach meiner schlechten Erfahrung mit EUROWINGS schlussfolgere ich, dass die etwas anders finden werden, warum sie ein geltendes EU-Gesetz nicht freiwillig befolgen.
penie 14.12.2018
2. Dämliche Idee
Was ist denn, wenn die Fluggesellschaft ihrer Pflicht, "automatisch" zu zahlen, nicht nachkommt? Dann sind wir beim aktuellen Stand. Mal wieder ein schönes Beispiel von Symbolpolitik. Im Übrigen bezweifle ich, dass Deutschland hier eine eigene Regelungskompetenz hat. Dafür gibt es eine EU-Verordnung, die abschließend regelt. Das werden auch unsere Politiker - irgendwann - merken und das Thema verschwindet wieder von der Tagesordnung.
shardan 14.12.2018
3. Eine halbe Lösung
Eine automatische Zahlung ist durchaus eine gute Idee. Mal ganz abgesehen davon, dass ich EU-rechtlich einen Alleingang Deutschlands da für fragwürdig halte: Welche Sanktion steht dahinter? Airline XY müsste zahlen, tut es aber nicht, Eurowings, Ryanair und andere sind hier als Dauerverweigerer ja durchaus bekannt. Wie wird das sanktioniert? Gar nicht? Dann ist so eine Regelung schlicht Makualtur, sinnbefreite Symbolpolitik vom Feinsten. Das bringt erst etwas, wenn sinngemäß im Gesetz steht: "Entschädigung ist zahlbar innerhalb X Tagen, danach steht dem Airlinekunden automatisch der 5fache Betrag nebst allen Kosten des ggf. notwendigen Gerichtsverfahrens zu". Eine Sanktionierung bei Nichteinhaltung muss diese Unternehmen schmerzhaft treffen - das geht nun mal am besten über den Geldbetrag.
st.esser 14.12.2018
4. Durchsetzung ...
Zitat von penieWas ist denn, wenn die Fluggesellschaft ihrer Pflicht, "automatisch" zu zahlen, nicht nachkommt? Dann sind wir beim aktuellen Stand. Mal wieder ein schönes Beispiel von Symbolpolitik. Im Übrigen bezweifle ich, dass Deutschland hier eine eigene Regelungskompetenz hat. Dafür gibt es eine EU-Verordnung, die abschließend regelt. Das werden auch unsere Politiker - irgendwann - merken und das Thema verschwindet wieder von der Tagesordnung.
Die EU regelt, dass den Reisenden bei Verspätung eine Kompensation zu zahlen ist. Daran wird nichts geändert. Aber ich muss auch zugeben, dass ich die vielen von der Deutschen Bahn erhaltenen Gutscheine nie eingelöst habe, weil mir der Aufwand für die Entschädigungssumme immer zu hoch war. Eine automatische Auszahlung (i.d.R. partielle Rückerstattung) über das Zahlungsmittel, das man bei der Buchung benutzt hat, wäre für die Bahn (oder auch Fluglinien) gar kein Problem. Wer bar bezahlt hat muss halt weiter einen Antrag stellen, da gibt es keine Möglichkeit für eine Automatik. Und wenn das nicht funktioniert, dann wird es sehr schnell eine Sammelklage über die Verbraucherzentralen geben. Ich sehe nicht, warum das nicht funktionieren sollte ...
manskyEsel 14.12.2018
5. ...meist fair behandelt worden...
Buchte bei EuroWings zwei Nonstop-Flüge für zwei Personen. Einmal hin, einmal zurück. Buchung wurde bestätigt, Flugnummern pro Flug mitgeteilt und das Geld von meinem Konto abgebucht. Etwa zehn Tage nach dem Vertragsabschluss teilte die Fluggesellschaft Änderungen der Abflugszeiten mit, wogegen kaum etwas einzuwenden gewesen wäre, wenn nicht der Nonstop-Rückflug entgegen der Buchungsvereinbarung nach Willen der Airline plötzlich in Düsseldorf unterbrochen und fünf Stunden später mit einer dritten Flugnummer fortgesetzt werden sollte. Ich schrieb sofort an EuroWings und bestand auf Einhaltung des bestehenden Beförderungsvertrages über Nonstopflüge, bot allerdings an, den Nonstop-Rückflug einen Tag später anzutreten, falls die Airline terminlich in Bedrängnis sei. Resultat: Der Rückflug konnte ohne Unterbrechung ohne dritte Flugnummer absolviert werden. Zwei oder drei eMails ersparten beiden Seiten viel Ärger. Es war allerdings auch der einzige Flug mit EuroWings, den ich jemals absolvierte. Ich versichere, seit 1960 sehr oft Fluggast verschiedenster Airlines gewesen zu sein, auch Verspätungen erlebt zu haben, aber immer einigermaßen fair behandelt worden zu sein.
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