Verspätung und Zugausfall: Bahnfahrer erhalten gesetzliches Recht auf Entschädigung

Ab Sommer bekommen Bahnfahrer bei gravierenden Verspätung mindestens ein Viertel ihres Fahrpreises zurück. Nach jahrelangem Ringen hat der Bundesrat dem neuen Fahrgastrecht zugestimmt. Die Entschädigung kann jetzt auch in bar verlangt werden.

Bahnkunden erhalten ab dem Sommer mehr Rechte und eine höhere Entschädigung bei Verspätungen und Zugausfällen. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat am Freitag gebilligt, dass Bahnfahrer mindestens ein Viertel des Fahrpreises erstattet bekommen, wenn sie mehr als eine Stunde zu spät ihr Reiseziel erreichen.

Bislang gab es nur eine Selbstverpflichtung etwa der Deutschen Bahn, die zudem ausschließlich Gutscheine ausgab. Im Juli kann dies dann in der Sommer-Reisesaison greifen und würde damit ein halbes Jahr eher in Kraft treten als geplante vergleichbare EU-Bestimmungen. Die Bahnunternehmen haften allerdings nicht, wenn der Grund für die Verspätung nicht im Bahnbetrieb liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen.

Bei Verspätungen von mehr als einer Stunde erhalten Reisende künftig ein Viertel des Fahrpreises erstattet. Das Geld können sie in bar verlangen, ausgezahlt werden aber nur Beträge von mehr als vier Euro. Die DB hatte bisher nur 20 Prozent in Form von Gutscheinen bewilligt.

Sind Züge mehr als zwei Stunden unpünktlich, wird die Hälfte des Preises ersetzt. Entscheidend ist dabei, wann der Bahnfahrer an seinem Reiseziel ankommt. Die Entschädigung gilt also sowohl für den Nahverkehr als auch für den Fall, dass der Reisende einen Anschlusszug wegen einer kleinen Verspätung verpasst. Zeichnet sich eine Verspätung von über einer Stunde ab, kann der Kunde auch ganz auf die Reise verzichten und sich den vollen Preis erstatten lassen. Nach Mitternacht kann er auf eine Hotelübernachtung bestehen.

Schlichtungsstelle soll vermitteln

Für den Nahverkehr sollen zusätzliche Bestimmungen gelten: Bei einer Verspätung von mehr als einer Stunde kann dort nach Mitternacht ein Taxi zum Preis von bis zu 80 Euro genutzt werden, um ans Ziel zu kommen, wenn keine Busse oder Bahnen mehr fahren. Ist im Nahverkehr eine Verspätung von mindestens 20 Minuten absehbar, kann der Fahrgast - soweit möglich - auch Fernverkehrszüge wie IC oder ICE ohne Aufpreis und ohne Kartentausch am Schalter nutzen. Das gilt nicht bei Zügen mit Reservierungspflicht wie beim City Night Line oder ICE Sprinter.

Bei Streitfällen soll eine Schlichtungsstelle zwischen Kunden und Bahnunternehmen vermitteln. Die bereits seit fünf Jahren arbeitende Schlichtungsstelle Mobilität dagegen wird bis Ende November geschlossen, wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) mitteilte. Das Bundesverbraucherministerium wolle die Stelle nicht weiter fördern. Das Ministerium verhandle aber mit der Deutschen Bahn über "die Fortsetzung der Arbeit der Schlichtungsstelle in einer anderen rechtlichen Konstruktion".

Die Debatte um Kundenrechte hatte sich lange hingezogen, da Opposition und Verbraucherpolitiker, aber auch ein Gutachten im Auftrag der Regierung deutlich mehr Rechte und eine Entschädigung bereits nach 30 Minuten Verspätung gefordert hatten. Die Deutsche Bahn hatte dagegen auf Kosten im dreistelligen Millionen-Bereich verwiesen, die zu höheren Fahrpreisen führen würden.

abl/Reuters/dpa/AFP

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