Verunglückter Regionalzug Kühe liefen im Gänsemarsch über die Gleise

Nur drei Tage nach dem ICE-Unglück bei Fulda ist erneut ein Zug in eine Tierherde gefahren. Nahe der thüringischen Kleinstadt Arnstadt stieß ein Regionalzug mit Kühen und Kälbern zusammen. Die Tiere spazierten hintereinander zwischen den Schienen, 13 wurden getötet.


Arnstadt - Der Regionalzuges ist am Dienstag am Ortsausgang der Kleinstadt Arnstadt südlich von Erfurt in die insgesamt 27 Kühe und Kälber gefahren. Die Tiere kamen dem Zug im Gänsemarsch auf den Gleisen entgegen, sagte Bundespolizeisprecher Hartmut Kanther. Trotz einer Schnell- und Notbremsung sei es dem Lokführer nicht mehr gelungen, den Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Insgesamt 13 Tiere wurden laut Feuerwehr getötet. Die übrigen irrten zunächst verstört umher.

In dem Regionalexpress RE3657 von Erfurt nach Würzburg, der zum Unfallzeitpunkt um 10.05 Uhr mit Tempo 80 in Richtung Plaue unterwegs war, saßen laut Kanther etwa 30 Fahrgäste. Sie blieben bei dem Aufprall unverletzt und wurden mit Bussen abtransportiert. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) zeigte sich in Erfurt erleichtert, dass bei dem Unglück keine Menschen zu Schaden kamen.

Die Strecke zwischen Arnstadt und Plaue wurde nach Angaben einer Bahn-Sprecherin gesperrt. Busse wurden als Ersatzverkehr eingerichtet. Die Strecke sollte laut Bundespolizei mindestens so lange gesperrt bleiben, bis alle restlichen Tiere eingefangen waren. Der Triebwagen wurde beim Aufprall so schwer beschädigt, dass er von einer anderen Lok abgeschleppt werden musste.

Von einer Weide ausgebrochen

Die Kühe waren nach den Ermittlungen der Bundespolizei von einer einige Kilometer entfernten Weide in dem Ort Dosdorf ausgebrochen und aus zunächst nicht bekannten Gründen im Gänsemarsch auf den Gleisen in Richtung Arnstadt unterwegs. An der Unglücksstelle wurden sie eins nach dem anderen von dem Zug erfasst. Der Zug brauchte laut Bundespolizei rund 300 Meter, bis er zum Stehen kam. Der Triebkopf und die drei Wagen des Zuges waren zum Teil bis an die Fensterscheiben hoch mit Blut, Fell- und Fleischresten verschmiert.

Besitzer der Tiere ist den Angaben zufolge ein Landwirt aus Arnstadt. Die Bundespolizei untersucht nun, wie die Weide gesichert war und wie die Kühe ausbrechen konnten.

Nach Angaben von Eckehard Dierbach von der Ordnungsbehörde Arnstadt mussten zwei schwerverletzte Tiere von Polizisten erschossen werden. Die überlebenden Tiere irrten wild in der Gegend umher. Er selbst habe zweimal mit einem Gewehr einem Tier ein Beruhigungsmittel spritzen müssen.

Vor drei Tagen Kollision mit Schafherde

Erst am Samstagabend war nahe Fulda ein ICE bei mehr als Tempo 200 in eine Schafherde gerast, entgleist und erst nach rund einem Kilometer zum Stehen gekommen. 19 Reisende waren verletzt worden, vier von ihnen mit Knochenbrüchen und Platzwunden mittelschwer.

Am Montagabend hat die Notbremsung eines Regionalexpresses in einem Eisenbahntunnel bei Nürnberg einen Großeinsatz von Rettungskräften ausgelöst. Ein technischer Defekt hatte die automatische Bremsung in dem 268 Meter langen Plattetunnel bei Rupprechtstegen verursacht, wie die Bundespolizei am Dienstag mitteilte. Die 37 Fahrgäste mussten den Zug verlassen, verletzt wurde niemand.

abl/AP/ddp



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