Verunsicherte Urlauber Sommerurlaub ja, aber wo?

Viele Familien fragen sich angesichts der Terroranschläge: Wo kann man noch hinfahren? Beliebte Sommerziele wie Mallorca werden daher teurer, in Ägypten und Antalya tobt dagegen eine Preisschlacht.

Corbis

Es ist ruhig in den Reisebüros. Zu ruhig. Die ersten drei Monate des Jahres sind normalerweise die Rushhour im Geschäft mit dem Urlaub. Doch dieses Jahr ist alles anders: 20 Prozent weniger Urlauber haben bislang ihre Sommerferien gebucht, meldet die Fachzeitschrift "FVW" mit Berufung auf die Marktforscher der GfK.

Den Grund liefert das Nürnberger Umfrageinstitut gleich mit: Zahlreiche Urlauber sind verunsichert, wo sie noch unbeschwert Urlaub machen können und warten deshalb erst mal ab. Eigentlich müssten die Reiseveranstalter längst mehr als die Hälfte der Sommerbuchungen im Kasten haben.

Nicht so dieses Jahr: Zwei Drittel haben ihren Sommerurlaub noch nicht gebucht, ermittelte gerade die Reiseplattform Travelzoo in einer repräsentativen Umfrage. Ein Drittel der Befragten will durch Terror gefährdete europäische Metropolen in nächster Zeit meiden. Die Hälfte der Nicht-Bucher hat vor, sich spontan zu entscheiden.

Großstädte wie Paris, Istanbul und Brüssel sind das eine Sorgenkind der Reisebranche. Das andere sind die Warmwasserziele Tunesien, Türkei und Ägypten. Satte 40 Prozent Rückgang meldet die Reisebürokette Best-Reisen für diese Ferienregionen. Auch hier geht dieselbe Sorge um: die Angst vor Terror. Und viele Familien fragen sich: Wo kann man überhaupt noch hinfahren?

Mallorca ist doppelt so teuer wie die Türkei

Spanien hieß bereits für die Frühbucher im November der Ausweg. Aber dort wurden die Betten knapp und sind mittlerweile auch richtig teuer. Das ist das große Problem für Familien: Zum gewohnten Reisepreis gibt es kaum echte Alternativen.

Nach der aktuellen "Holiday Pricing"-Studie von Simon Kucher and Partners kostet ein zweiwöchiger All-inclusive-Urlaub in einem ordentlichen türkischen Viersternehotel dieses Jahr im Mittel 698 Euro pro Person. In Ägypten ist der Urlauber mit 894 Euro dabei, in Tunesien mit 922 Euro. Am ehesten mithalten kann bei diesen Preisen noch Bulgarien (941 Euro). Rhodos (1153 Euro) und Zypern (1257 Euro) sind bereits sehr viel teurer. Fuerteventura (1395 Euro) und Mallorca (1410 Euro) kosten nach der Studie glatt doppelt so viel wie ein Urlaub in der Türkei.

Und die Schere öffnet sich weiter: Die Preisschlacht für die betroffenen Gebiete ist in vollem Gange. Beim Restplatzanbieter L'tur gibt es gerade fünf Tage Antalya mit Flug für 150 Euro, eine Woche "All-inclusive" im Luxushotel am Roten Meer ist für weniger als 400 Euro zu haben. Die Veranstalter werden nervös, die Schnäppchen immer mehr.

L'tur-Chef Markus Orth konstatiert "sehr attraktive Preise". Für ihn ist klar: "2016 wird ein Last-Minute-Jahr". Das ist gut für Schnäppchenjäger, schwierig für Familien. Von denen hatten sich viele in den vergangenen Jahren auf die günstigen Badeziele im östlichen Mittelmeer eingerichtet. Und jetzt? Ist alles anders, denn die Sicherheit schlägt jedes andere Argument.

Die Reiseveranstalter suchen ihr Heil in kostenlosen Umbuchungsaktionen. Ihre Idee: Wem es kurz vor der Reise zu mulmig wird, der soll noch umbuchen können. Doch viele Familien scheint dieses Argument eher abzuschrecken als anzulocken. Welcher Ausweg bleibt?

Ausweichziele sind Bulgarien, Portugal und Kroatien

Am ehesten offenbar Bulgarien. Die Nebenkosten an Goldstrand und Sonnenstrand halten sich in erfreulich niedrigem Rahmen. Familien müssen also eigentlich keinen All-inclusive-Aufenthalt buchen. Aber viel Platz ist dort auch nicht mehr; die Buchungen haben um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr angezogen.

Weitere beliebte Ziele sind Portugal und Kroatien - allerdings sind beide auch deutlich teurer. Gute Aussichten hat auch Griechenland. Die griechischen Inseln waren wegen der Flüchtlingskrise bislang eher zurückhaltend gebucht worden, scheinen aber jetzt durchzustarten - auch, weil es kaum mehr Flüchtlinge auf Kos gibt. Im Sommer 2015 lebten dort zeitweise 8000 Menschen auf der Straße. Viele Touristen blieben weg. Derzeit sind gerade mal 60 Flüchtlinge in einem Hotel untergebracht.

Und noch ein Ferienland ist dieses Jahr voll im Trend: das eigene. Nicht weniger als 40 Prozent der Urlauber haben nach der Travelzoo-Umfrage vor, dieses Jahr "nicht weit weg" zu fahren und Urlaub im eigenen Land zu machen. In Deutschland ist man zwar auch nicht gefeit vor Terror. Aber zumindest kennt man sich aus, hat das eigene Auto dabei - und muss sich jetzt noch nicht entscheiden.

Hans-Werner Rodrian, srt/abl

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
fxe1200 27.04.2016
1. Ich würde nach Griechenland fahren,...
...und zwar auf den Peleponnes. Vielleicht nach Marathopolis und von dort aus mit dem Motorrad oder Auto die Insel erkunden. Da können mir die typischen Urlaubsinseln in Griechenland gestohlen bleiben, und das nicht nur der Preise wegen. Auch interessant Kalamata, deren fast schwarze Oliven, wohl die einzigen dunklen Oliven sind, die nicht mit Eisengluconat schwarz gefärbt werden. Ziege vom Spieß und Retsina sind fast obligatorisch und Griechisch ist auch nicht soo schwierig für uns Westeuropäer.
uzsjgb 27.04.2016
2. Iran
Ich war Anfang des Jahres für drei Wochen im Iran. Ich kann dieses Land nur wärmstens empfehlen, es ist fast ein optimales Urlaubsland. Sehr freundliche Menschen, die offen und gastfreundlich sind. Eine gute Infrastruktur mit gut ausgebauten Straßen und komfortablen Hotels. An jeder Ecke etwas historisches zu sehen, sehr viel Weltkulturerbestätten. Und dazu eine fantastische und abwechslungsreiche Landschaft. Und leckeres Essen.
naklar261 28.04.2016
3. Japan
einfach mal nach Japan. Wer Party und Stadt will Tokyo, wer chillen und outdoor will Akita.
querulant_99 28.04.2016
4.
Zitat von naklar261einfach mal nach Japan. Wer Party und Stadt will Tokyo, wer chillen und outdoor will Akita.
In Japan gerät man doch vom Regen in die Traufe Man flieht vor dem Terror und wird stattdessen beim nächsten Erdbeben von Trümmern erschlagen oder ersäuft beim nächsten Tsunami in den Fluten.
thequickeningishappening 28.04.2016
5. In Alaska sind noch Betten frei
Wegen der Eisschmelze schmelzen die Preise! Noch nie war ein Sommerurlaub so COOL!
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